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Verpackung Ohne Aufklärung läuft es nicht rund

Susanne Klopsch | 10. Mai 2013
Verpackung: Ohne Aufklärung läuft es nicht rund

Bildquelle: Hoppen

Verpackungshersteller haben in Sachen Nachhaltigkeit vor allem Ressourcenschonung im Blick. Doch das Thema ist nicht leicht zu transportieren. Recycling braucht auch die Mitwirkung der Verbraucher.

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Beim Thema Verpackung kommt man um den Aspekt Nachhaltigkeit nicht herum. Doch der Begriff ist sperrig, in den Details nicht leicht zu fassen. Für die Hersteller von Verpackungen und Verpackungsmaterialien ist Ressourcenschonung ein wesentlicher Ansatz. Dieser wird auch in Anzeigenkampagnen oder Info-Kästen auf den Verpackungen transportiert.

Auf dem Weg zum Fernziel einer vollständig nachhaltigen Verpackung, bei der nur erneuerbare Materialien mit minimaler Umweltbelastung und 100-prozentiger Wiederverwertbarkeit eingesetzt werden sollen, hat Getränkekartonhersteller Tetra Pak die globale Recyclingrate gesteigert: Weltweit wurden 22,9 Prozent der Kartons gesammelt und ihre Bestandteile wiederverwertet. Gegenüber 2011 sind dies 3,6 Mrd. Verpackungen mehr. Mit 80 Prozent bzw. 65 Prozent Recyclingquote zählen Luxemburg und Belgien bzw. Deutschland zu den Musterknaben. Werbekampagnen sollen Verbraucher sensibilisieren und die Quoten weiter steigen lassen.

Mit dem Modell LightCap 30 brachte Tetra Pak 2012 den ersten Verschluss auf den Markt, der auf Grundlage von biobasierten Polymeren auf Zuckerrohrbasis gefertigt wurde. 2012 stieg damit die Anzahl der Tetra-Pak-Verpackungen mit Verschlüssen auf dieser Basis im Vergleich zum Vorjahr von 80 auf 610 Mio. Nicht ganz erreicht wurde das Ziel beim Einsatz von FSC-gelabeltem Holz als Rohstoff für die Kartonfaser: Statt wie geplant 50 Prozent trugen in vergangenen Jahr 38 Prozent der Getränkekartons der Schweden das Siegel der nachhaltigen Forstwirtschaft. In Gesprächen mit Lieferanten und mit der Verbesserung interner Abläufe will das Unternehmen die Quote erhöhen. In Deutschland sieht sich Tetra Pak in einem hart umkämpften Segment allerdings signifikanten Volumenrückgängen gegenüber: Von 2004 bis 2012 sank der Jahresabsatz von Tetra-Pak-Getränkekartons von 7,5 Mrd. auf 4,7 Mrd. Packungen. Das Unternehmen will bis Ende des Jahres das Werk in Berlin schließen. Hierzulande bliebe nur der Standort Limburg erhalten.

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Unendliches Recycling ohne Qualitätsverlust: Die Hersteller von Verpackungen aus Weißblech wie die Getränkedosenhersteller Ball Packaging Europe oder Rexam sowie die Initiative Lebensmitteldose fokussieren auf den nahezu geschlossenen Wertstoffkreislauf des Weißblechs. Initiative Lebensmitteldose hat dazu eine neue Aufklärungskampagne gestartet („1 Dose. 1.000 Möglichkeiten“). Die Recyclingquote lag 2011 hierzulande bei 93,9 Prozent. Das bedeutet, dass so gut wie kein „frischer“ Stahl bei der Herstellung von neuen Dosen zum Einsatz kam. Da die Gebinde zum einen nach dem Verbrauch vom Konsumenten in den Gelben Sack oder die Wertstofftonne geworfen werden und zum anderen in den Sortieranlagen mit Magneten sortenrein von anderen Stoffen zu trennen sind, können die gesammelten Dosen im Stahlwerk vollständig in den Kreislauf zurückkehren. Ein weiteres Plus: Bei der Herstellung von Stahl aus Dosenschrott muss 75 Prozent weniger Energie eingesetzt werden, als bei der Produktion neuen Stahls.

Dass Werbe- oder Aufklärungskampagnen allerdings Fallstricke sein können, musste jetzt Ball Packaging Europe erfahren: Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) hatte vor Gericht erfolgreich den Slogan „Die Dose ist grün“ moniert. „Das Urteil ist für uns Anlass, unsere Argumente präziser zu kommunizieren“, sagt Wolfgang Hinkel, Geschäftsführer Ball Packaging Europe Metall. Die neue Kommunikationskampagne trägt den Titel „Ohne Ende Gut“. Neben der Recyclingfähigkeit (Hinkel: „Metall ist ein permanentes Material.“) wird der Blick auf den Schutz des Füllgutes gerichtet. Im vergangenen Jahr stieg der Absatz von in Dosen abgefüllten Getränken in Deutschland um fast 25 Prozent auf 1,4 Mrd. Einheiten.

Der Schonung der endlichen Ressource Erdöl sollte eigentlich auch die Biotüte dienen. Diese Kunststoff-Einwegtragetasche ist aus der von der BASF entwickelten Folie Ecovio hergestellt. Diese besteht aus einem Mix von Mineralöl und Polymilchsäure (PLA), hergestellt auf der Basis von Mais. Im vergangenen Herbst zogen allerdings Rewe und Aldi Süd Einwegtüten aus diesem Material aus dem Verkehr. Die DUH hatte ihnen Verbrauchertäuschung durch eine aus ihrer Sicht irreführende Werbung vorgeworfen. Streitpunkt war die Kompostierbarkeit. Im Februar diesen Jahres beugte sich auch Kaiser’s Tengelmann einer drohenden Klage durch die DUH. Doch an der Biotüte wurde gearbeitet. Laut Jens Boggel, Vertriebsleiter bei Hersteller Victorgroup, konnte der Anteil pflanzlicher Komponenten in der Folie von zuletzt 35 Prozent auf aktuell mehr als 50 Prozent gesteigert werden. Außerdem verrotten die biobasierten Kunststofftaschen jetzt in sechs statt wie bisher acht Wochen. Derzeit gibt es laut Boggel Gespräche mit dem Handel, um die weiterentwickelten Taschen wieder in den Markt zu bringen. Im Ausland jedenfalls kommen sie bei den Kunden gut an: Jeweils 300.000 Stück gehen in Österreich bei Rewe-Tochter Billa bzw. bei Hofer (Aldi Süd) monatlich über die Theke.

Die DUH nahm derweil schon die „klassische“ Kunststoff-Einwegtüte ins Visier: Sie will mit einer Abgabe von 22 Cent pro Tüte, zu zahlen vom Kunden an der Kasse, den Verbrauch der Einwegbehältnisse drastisch reduzieren und die Vermüllung der Meere eindämmen. Eine Aufklärungskampagne soll die Bürger über die Vorteile von Mehrweg-Tragetaschen informieren. „Die Einführung einer Abgabe löst das Problem der Vermüllung der Weltmeere nicht“, hält Kai Falk, HDE-Geschäftsführer, dagegen. Außerdem seien Plastiktüten in Deutschland kein Wegwerfprodukt: „Die Verbraucher nutzen sie im Schnitt vier- bis fünfmal vor der Entsorgung.“ Auch Bundesumweltminister Peter Altmaier lehnt die Abgabe ab, da hierzulande nahezu alle Kunststoffabfälle gesammelt und recycelt würden.

Bild: Verpackungen haben heute mehrere Leben. Für ihr Recycling bedarf es aber auch effektiver Sammelsysteme.