Convenience Schnelles Essen bleibt im Trend

Der Markt für Convenience-Food hat sich verändert. Der Corona-Boom flaut weiter ab, das Wachstum ist bescheidener. Die Produkte werden immer nachhaltiger, weil die Verbraucher achtsamer konsumieren.

Freitag, 10. November 2023 - Sortimente
Dagmar Schumann
Artikelbild Schnelles Essen bleibt im Trend
Bildquelle: Mirco Moskopp

Die Pandemie hat dem – oft als ungesund, zu salz-, fett- und zuckerhaltig, Verpackungsmüll erzeugend, mit schlechter Ökobilanz verschrienen – Convenience-Ernährungstrend eine Frischzellenkur verpasst. Obwohl das befremdlich erscheinen müsste. Denn mit dem Homeoffice und Homeschooling stand plötzlich wieder Zeit zur Verfügung und die Notwendigkeit, sich mit der Essenszubereitung auseinanderzusetzen. Richtig kochen also. Bloß: Wer kann das noch? Trotz der TV-Kochshows und eines Kochbuchbooms, besonders bei Grundkochbüchern (74,2 Prozent Umsatzplus 2021 gegenüber 2019), muss vielen das Angebot an Convenience-Food als die Rettung schlechthin erschienen sein. Das hat sich in einem deutlichen Plus ausgewirkt.

Der Markt für Convenience-Food wächst leicht
Mit dem Auslaufen der Pandemie sind viele Arbeitnehmer an den Arbeitsplatz zurückgekehrt. Die Restaurants haben wieder geöffnet. Laut Statista wird im Markt Convenience-Food ein Absatzwachstum von 1,8 Prozent erwartet. Der durchschnittliche Pro-Kopf-Verbrauch wird 2023 bei rund 19,53 Kilogramm liegen. Bei einem prognostizierten Marktvolumen von 10,14 Milliarden Euro. Dabei ist die Entwicklung in Teilbereichen durchaus unterschiedlich. Mit einem Pro-Kopf-Verbrauch von 3,40 Kilogramm und einem Umsatz von 1,75 Milliarden Euro 2023 wird etwa ein leichter Anstieg bei Suppen von knapp 2 Prozent prognostiziert. Anders sieht es bei der Entwicklung im Tiefkühlbereich aus. Das Deutsche Tiefkühlinstitut weist im Jahresbericht 2022 zwar ein Rekordergebnis beim Pro-Kopf-Verbrauch von 47,7 Kilogramm (2021: 46,1 Kilogramm) aus, aber einen Absatzrückgang im LEH um 5,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Auch der Halbjahresbericht 2023 stellt fest, dass Backwaren, Fertiggerichte und Snacks im Minus stehen werden.
Dass der Hype sich abgeschwächt hat, bestätigt auch Henglein, Marktführer im Bereich der Produktion von frischen Kartoffelprodukten, Teigwaren und Backteigen, deren Absatz sich nach einem zweistelligen Wachstum bis 2020 seit 2021 relativierte. Das Unternehmen konstatiert in diesem Zusammenhang aber, dass „die schnelle, frische Küche weiter auf Wachstumskurs ist. Ende letzten Jahres waren wir wieder auf Corona-Niveau und gehen für jetzt und für das kommende Jahr von einem mittleren einstelligen Absatzwachstum aus“, so Geschäftsführerin Viola Henglein. Der Nutrition Hub 2023 sieht Convenience-Food auf Platz vier der zehn wichtigsten Ernährungstrends. 20 Prozent der befragten Ernährungsprofis gaben an, dass die Themen Convenience-Food und gesundes Essen to go eine wichtige Rolle in ihrem Arbeitsalltag spielen. Gegenüber dem Bericht 2022 hat Convenience-Food damit zwei Plätze gutgemacht.

Kein Widerspruch zu Achtsamkeit
Übersetzt bedeutet Convenience Bequemlichkeit. Bequemes Essen? Schade eigentlich, dass wir kein griffigeres Wort dafür haben. Wie wäre es einfach mit „Schneller Genuss“? Bei Convenience-Food handelt es sich um vorbereitetes oder verzehrfertiges Essen, wie Konserven, Tütensuppen oder Tiefkühlkost. Das Ernährungsportal Baden-Württemberg unterteilt Convenience-Food in vier Unterklassen: „Küchenfertig“ (z. B. unzubereitete Tiefkühlkost), „Garfertig“ (z. B. Nudeln, Tütensuppen), „Zubereitungsfertig“ (z. B. Kartoffelpüree-Pulver, tiefgekühlte Fertigkost) sowie „Verzehrfertig“ (Backwaren, Fischkonserven).

Das Essen muss schmecken, soll gesund sein und schnell sowie einfach zubereitet werden können. Das bestätigt auch der Ernährungsreport 2023, der Mitte Oktober vorgestellt wurde. Der Geschmack liegt mit 99 Prozent weit vorne. Das Ergebnis entspricht dem der Vorjahre und gilt für fast alle Altersgruppen. Für rund die Hälfte der Befragten ist die Zubereitungszeit des Essens entscheidend (52 Prozent). Beim Erwerb von verarbeiteten Lebensmitteln oder Fertigprodukten achten die Verbraucher dabei auf Zucker- (62 Prozent), Fett- (49 Prozent) und Salzgehalt (29 Prozent) sowie den Nutri-Score (84 Prozent) und haben ihre Gesundheit im Blick.

Gesund und schnell – beides soll es sein
Die Nachfrage nach gesunden, proteinreichen, pflanzlichen und wohlschmeckenden Convenience-Produkten ohne Zusatzstoffe mit regionalen Zutaten sowie nach Transparenz und Rückverfolgbarkeit wächst. Die Hersteller haben sich darauf eingestellt. Teigwarenspezialist Bürger verbindet mit seiner Limited Edition von Apfel-Zimt Schupfnudeln herzhafte Wärme mit süßem Genuss. Durch einfaches Erwärmen schnell und unkompliziert zubereitet. Oder Henglein: „Wir haben im September unsere Dinkel-Range ausgebaut und bieten neben Dinkel-Pizzateig, 
-Blätterteig und -Flammkuchenteig nun auch Dinkel-Eierspätzle“, so Viola Henglein. Die Geschäftsführerin fährt fort: „Mit unserem Produktspektrum bieten wir dem Verbraucher die Möglichkeit, sich in kurzer Zeit mit wenig Aufwand eine vollständige Mahlzeit zuzubereiten. Viele unserer Produkte sind von Natur aus vegan, fettfrei oder fettarm, laktose-, gluten- oder sojafrei.“

Für die Snack-Generation, die mehr als Pommes snacken möchte, bietet Snackmaster jetzt Mikrowellen-Pommes mit leckeren Toppings an. Eine Pommes-Kombination, die in der Fast-Food-Welt bereits als „Loaded Fries“ Erfolge feiert. Plant-Based-Pionier Beyond Meat erweiterte gerade sein Angebot im deutschen LEH um zwei neue pflanzliche Chicken-Style-Produkte, die auf Weizen- und Ackerbohnenprotein basieren: Beyond Nuggets und Tenders. Geeignet als Snack oder als Beilage zur Hauptmahlzeit.

Manche Unternehmen wollen mit ihrem Produktangebot gleichzeitig ihrer ökologischen oder gesellschaftlichen Verantwortung gerecht werden. Nachhaltigkeitsaspekte, Engagement für mehr Toleranz und gegen Rassismus stehen im Fokus. Gegen Ressourcenverschwendung und mit dem Ziel, Lebensmittel, die nicht der Norm entsprechen oder nicht ästhetisch genug sind, bestmöglich zu verwenden, wurde 2019 „Rettergut“ gegründet. Heute steht eine Vielzahl von Produkten, von Suppen über Pasta & Pesto bis Süßes & Snacks, zur Verfügung. Die meisten vegan und in Bioqualität. 2021 wurde Rettergut beim „Zu gut für die Tonne“-Bundespreis ausgezeichnet. Der Convenience-Food-Markt bleibt spannend.

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