Bewusste Ernährung Neue Optionen schaffen

Eine Ernährungswende hin zur von Forschern entwickelten Planetary Health Diet würde die deutsche Ernährungswirtschaft verändern. Welche Potenziale dies birgt, hat das Öko-Institut berechnet.

Montag, 27. März 2023 - Sortimente
Bettina Röttig
Artikelbild Neue Optionen schaffen
Bildquelle: Louis Hansel/Unsplash

Die Discounter Aldi und Lidl wollen nach eigenem Bekunden aktiv zu einer Ernährungswende beitragen. Dabei orientieren sie sich an der Planetary Health Diet (PHD), einem Ernährungsplan der Eat-Lancet-Kommission (vorgestellt in LP 20/2022), der die menschliche Gesundheit und die der Erde verbessern und ein Ernährungssystem innerhalb der planetaren Grenzen etablieren soll. Weniger Fleisch- und Milchprodukte, mehr Vollkornprodukte, Hülsenfrüchte und Nüsse – dies sind einige der Änderungen, die der neue Speiseplan auf unseren Tellern bedeuten würde.

„Die menschliche Ernährung beansprucht rund 55 Prozent der Biokapazität unseres Planeten. Die nötige Transformation der Ernährung, die eine Verbesserung der menschlichen und der planetaren Gesundheit ermöglicht, schafft man nur gemeinschaftlich und mit den Großen“, sagte Christian Hartnägel, Geschäftsleitungsvorsitzender von Lidl Deutschland, im Rahmen der jüngsten Veranstaltung der Reihe „Lidl im Dialog“ in Berlin Mitte März. Als viertgrößter Händler in Deutschland sei sich Lidl seiner Verantwortung bewusst und wolle hier neue Wege gehen. So hat der Discounter angekündigt, bis 2025 den Anteil pflanzenbasierter Proteinquellen in seinem Sortiment kontinuierlich zu erhöhen, ebenso den Vollkornanteil in den Eigenmarkenprodukten.

Auch Konkurrent Aldi will die Ernährungsempfehlung der Wissenschaftler in seine Sortimentsstrategie und Kundenkommunikation einbeziehen. Produkte, die besser sind für die menschliche Gesundheit, beispielsweise für das Darmmikrobiom, und zugleich Umwelt- und Klimaschutz fördern, sollen das Angebot des Branchenprimus stärker bereichern. Konkrete Zahlen zu den angestrebten Anteilen der benannten Produkte an den Sortimenten nennen die Händler bisher nicht. Ist das Engagement jedoch ernst gemeint und ziehen die Bundesregierung mit ihrer angekündigten Ernährungsstrategie sowie weitere große Branchenakteure aus Industrie und Handel nach, wäre eine enorme Transformation der hiesigen Landwirtschaft sowie Verarbeitung vonnöten.

Optimistisches Rechenspiel
Einige unbequeme Wahrheiten sind mit dem Weg zur planetengesunden Ernährungsweise verbunden. „Nur wenn wir unsere Ernährung vorrangig auf pflanzliche Produkte umstellen, können wir die Treibhausgase der Landwirtschaft drastisch reduzieren und das Ziel der Treibhausgasneutralität für Deutschland überhaupt erreichen“, erklärt Margarethe Scheffler, Expertin für nachhaltige Landwirtschaft am Öko-Institut. Herausforderung und Chance zugleich.

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Millionen Menschen könnte Deutschland nach PHD-Strategie ernähren

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Millionen Hektar freie Flächen ergäbe der neue Plan

Quelle: Öko-Institut

 

Nicht nur eine drastische Reduktion des Fleischkonsums, sondern auch des Verzehrs von Butter, Sahne und Käse sehen die Wissenschaftler als Schlüsselfaktoren der Ernährungswende nach dem Vorbild der PHD. Die Belohnung: Es wären insgesamt nur noch 56 Prozent der in der Studie berücksichtigten produktiven Ackerflächen (Reduktion von 10,5 Millionen auf 5,9 Millionen Hektar) und nur noch 45 Prozent der Grünlandfutterfläche für Wiederkäuer (3,1 Millionen auf 1,4 Millionen Hektar) für die Ernährung notwendig. Damit wären insgesamt 6,2 Millionen Hektar Acker- und Weideflächen für alternative Nutzungen verfügbar, beispielsweise für die Produktion von Lebensmitteln für den Export, die Schaffung von CO2-Senken durch Aufforstung und die Wiedervernässung von Mooren oder die Energiepflanzenproduktion. Gleichzeitig könnten die Treibhausgasemissionen unserer Ernährung auf 23,2 Millionen Tonnen CO2-Äquivalente reduziert werden, was für das Ziel der Treibhausgasneutralität bis 2045 entscheidend ist.

Zwei Handlungsoptionen
Angesichts des aktuellen Spannungsfeldes zwischen Treibhausgasneutralität und Ernährungssicherung lassen sich nach Analyse des Instituts zwei konkurrierende Optionen gegenüberstellen. Die erste ist der Klima-Pfad: Mit dieser Entscheidung würden alle frei werdenden Agrarflächen, die nicht zur Ernährungssicherung der 83,2 Millionen Einwohner Deutschlands benötigt werden, aufgeforstet, Moore würden wiedervernässt. Die zweite Option wäre der Export-Pfad: Damit würde Deutschland zur Lebensmittelversorgung der wachsenden Weltbevölkerung beitragen. Die Ernährungssicherheit wird vor dem Hintergrund des Klimawandels künftig weiter bedroht. In der Export-Variante gehen die Wissenschaftler davon aus, dass der Rest der Weltbevölkerung sich ebenfalls nach dem Vorbild der Planetary Health Diet ernährt. Die landwirtschaftliche Flächennutzung für den Export würde dabei nach demselben Muster wie für die inländische Nachfrage erfolgen.

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