Vegetarisch / vegan Stulle geht auch anders

Vegetarische und vegane Brotaufstriche sind längst im Mainstream angekommen. Vor allem junge Zielgruppen greifen zu. Und auch traditionelle Hersteller mischen immer stärker mit.

Freitag, 25. Februar 2022 - Sortimente
Robert Schmidt
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Bildquelle: Getty Images

Die Wichtigkeit des biologischen Anbaus gewinnt deutlich an Bedeutung, zunehmend suchen Kunden zudem nach Alternativen zu Wurst, Käse: Aufstriche auf Gemüsebasis gewinnen an Bedeutung. Zu diesem Ergebnis kommt eine Mafowerk-Studie von 2020. Gerade jüngere Befragte bevorzugen demnach pflanzliche Cremes, Hummus und andere Gemüse-Aufstriche. Kriterien wie „bio“ oder „glutenfrei“ spielten laut Mafowerk früher keine größere Rolle – nun achten vor allem weibliche Käufer auf solche Attribute.
Im Lebensmitteleinzelhandel zeigt sich diese Entwicklung deutlich: Vegetarische und vegane Aufstriche steigen seit einigen Jahren kontinuierlich in der Gunst der Verbraucher, teilt ein Rewe-Sprecher mit. Bei Edeka, so heißt es aus Hamburg, habe sich der Absatz von Hummus und Guacamole besonders positiv entwickelt, sowohl in Bio- als auch in konventioneller Qualität.

Die Traditionalisten denken um
Der Megatrend ist längst bei Herstellern herkömmlicher Aufstriche angekommen. So etwa das Deutsche Milchkontor (DMK), das mit Milram bald neben Kräuterquarks und Frischkäse auch eine Aioli-Rezeptur anbietet. „Wir wollen und dürfen uns diesem Trend als moderner, zukunftsgewandter Lebensmittelhersteller nicht verschließen, in keinem unserer Geschäftsfelder“, betont die DMK-Group. Kernprodukt bleibe Kuhmilch, doch ein Nebeneinander von Dairy- und Non-Dairy-Produkten könne funktionieren und habe dynamische Wachstumschancen.

Feinkosthersteller Kühlmann bietet von Natur aus viele Artikel an, die ohne tierische Anteile auskommen, etwa Bulgursalate. Trotzdem, so Produktmanager Christopher Dickhut, hat Kühlmann darüber hinaus seit Ende 2021 vegane Alternativen zu seinen herkömmlichen Fleisch- und Kartoffelsalaten im Portfolio. „Die ersten Zahlen sind sehr vielversprechend, und wir freuen uns sehr über viel positives Verbraucherfeedback.“

Auch Popp Feinkost nutzt den boomenden Markt und bietet drei seiner Meistersalate im veganen Gewand an. „Die Nachfrage nach veganen und vegetarischen Produkten im Feinkostregal steigt“, betont Marketingleiter Alexander Schmolling. Mit der Nachahmung der Klassiker wolle Popp bewusst nicht nur jüngere, sondern auch ältere Zielgruppen erreichen.

Die Nachhaltigen bauen aus
Noa, nach eigenen Angaben Marktführer im Bereich der gekühlten, pflanzlichen Brotaufstriche, wuchs 2021 um 23 Prozent, ein noch stärkeres Wachstum als der restliche Markt mit 16 Prozent (Quelle: Nielsen). Produktmanager Thomas Pfänder führt dies auf „die enorm hohe Qualität und den leckeren Geschmack“ der Noa-Aufstriche zurück. Neben der Variante Hummus Natur seien besonders auch die Aufstriche Linse-Curry und Kichererbse-Avocado sehr beliebt. Der Klassiker Hummus beispielsweise sei derart populär, „weil er vielfältig kombinierbar ist“ und sich kreativ in der Küche einsetzen lasse. Während der Pandemie sei die Nachfrage nach pflanzlichen Brotaufstrichen nochmals gestiegen: Die Konsumenten haben sich „verstärkt auf das eigene Wohlbefinden konzentriert und sich so auch mehr mit dem eigenen Essverhalten beschäftigt“.

Auf dem Markt für ungekühlte pflanzliche Brotaufstriche wuchs schließlich die Marke Tartex der Allos Hof-Manufaktur nach Unternehmensangaben um satte 64 Prozent, der Marktanteil lag bei 10 Prozent. Top-Seller der Ranges „Linsen Liebe“, „Soo Cremig“ und die „Markt-Gemüse“-Sorten werden laut Sandra Spremberg, Marketing-Direktorin bei der Allos Hof-Manufaktur, stetig um neue Artikel erweitert: so etwa mit dem Launch der „Saaten Zauber“-Range vergangenen Herbst. Spremberg betont das gestiegene Käuferinteresse an ganzheitlicher Nachhaltigkeit – und dass häufig gerade junge Familien zu den Bio-Aufstrichen greifen. „Dennoch sind wir überzeugt, dass wir auch immer mehr ältere Konsumenten mit den vegetarischen Abendbrotprodukten ansprechen.“

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