OTC Auf und ab im OTC-Regal

Die Pandemie sorgte im Markt für frei verkäufliche Arzneimittel und Nahrungsergänzungsmittel für Gewinner und Verlierer. Die Hersteller sind optimistisch, aber eine Prognose bleibt schwierig.

Dienstag, 14. Dezember 2021 - Sortimente
Hedda Thielking
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Corona scheint den Verbrauchern im wahrsten Sinne des Wortes „auf die Nerven“ zu gehen, sie haben deutlich mehr OTC-Produkte aus dem Segment „Nerven und Beruhigung“ gekauft. So legte der Absatz laut Nielsen um mehr als 15 Prozent zu, der Umsatz machte sogar ein Plus von rund 33 Prozent (LEH+DM, MAT KW 39/2021). Profitiert davon haben vor allem die Drogeriemärkte. Sie sind mit einem Marktanteil von rund 65 Prozent am gesamten OTC-Markt (ohne Tee und Bäder) die Haupteinkaufsstätte für frei verkäufliche Arzneimittel und Nahrungsergänzungsmittel und konnten im Segment „Nerven und Beruhigung“ ein überdurchschnittliches Umsatzplus von 40 Prozent verbuchen. Der LEH legte um knapp 10 Prozent zu. Darüber hinaus stellt man bei Bad Heilbrunner ein starkes Wachstum der Arzneitees für die Indikation „Schlaf, Nerven und Beruhigung“ fest. Vor allem der „Einschlaf Tee mit Melatonin“ habe sich sehr gut entwickelt. Zu den klaren Gewinnern der Pandemie zählte laut Nielsen bisher auch das Segment „Niere und Blase“ (gerundet +24 Prozent Absatz, +15 Prozent Umsatz, LEH+DM, MAT KW 39/2021). Zuwächse im einstelligen Prozentbereich verbuchten zudem „Rheuma und Muskeln“, „Vitamine und Mineralstoffe“ sowie „Haut und Nägel“.

Verluste bei Erkältungsmitteln
Doch wo Gewinner sind, sind häufig auch Verlierer. Da sich die Menschen aufgrund der Kontaktbeschränkungen seltener erkältet haben, wurden nach Datenlage von Nielsen deutlich weniger Erkältungsmittel aus dem OTC-Bereich gekauft (–15,1 Prozent Absatz, –16,7 Prozent Umsatz, LEH+DM, MAT KW 39/2021). Da „Erkältungsmittel“ nach „Vitamine und Mineralstoffe“ das zweitstärkste Segment im OTC-Markt sind, sind hier die Verluste, bezogen auf den gesamten OTC-Markt (ohne Tee und Bäder), ein Schlag ins Kontor. So verlor der gesamte OTC-Markt leicht an Umsatz (–0,3 Prozent), und der Absatz ging um rund 2 Prozent zurück.

Weniger verkauft wurden zudem Produkte aus den Kategorien „Aufbau und Stärkung“ (–2,2 Prozent Absatz, –1,9 Prozent Umsatz), „Kreislauf und Cholesterin“ (–9,2 Prozent Absatz, –6,6 Prozent Umsatz) sowie „Magen, Verdauung“ (–4,5 Prozent Absatz, +0,3 Prozent Umsatz). All diese Einbußen konnten die oben genannten Gewinner der Pandemie im Erhebungszeitraum (MAT KW 39/2021) aber nicht wettmachen. Kurzum: Die Pandemie sorgte für beachtliche Verschiebungen im OTC-Markt. Dabei schnitten die Drogeriemärkte insgesamt besser ab als der Lebensmitteleinzelhandel.

Herbstzeit - Erkältungszeit
Zurzeit stecken wir mitten in der vierten Welle. Wird sie für einen Absatzschub im OTC-Markt sorgen? „Die Verbraucher haben sich bereits sehr gut auf die äußeren Umstände eingestellt, sodass Klosterfrau nicht mehr mit einem signifikanten Absatzschub in der vierten Welle rechnet“, sagt Sven-Oliver Lankau, Senior Brand Manager Taxofit extern bei Klosterfrau. Anders als im vergangenen Jahr trieft bei den Verbrauchern aber wieder häufiger die Nase. Demzufolge erwarten die befragten Hersteller eine steigende Nachfrage insbesondere in den Kategorien „Erkältungsmittel“ sowie „Aufbau und Stärkung“. Der Anfang ist gemacht: Laut Merz seien Erkältungsmittel insgesamt mit einem Wachstum von 20 Prozent gegenüber dem Vorjahr in die Herbstsaison gestartet (Juli–September 2021). Auch bei Queisser ist man optimistisch. Hier heißt es: „Das Bewusstsein zur Erhaltung und Unterstützung der eigenen Gesundheit hat durch die Pandemie noch einmal zugenommen. Dieser Trend wird sich vermutlich nachhaltig manifestieren.“ Im Gegensatz zu den vorherigen Wellen werde es allerdings einen gewissen Lerneffekt geben. „Die Regale werden daher nicht ,leer gekauft‘ und es gibt keine Panik“, teilt ein Sprecher von Queisser mit.

Bad Heilbrunner sieht einer sehr starken Wintersaison entgegen, die durch die Indikationen „Husten/Erkältung“ und „Schlaf/Nerven“ getrieben sein werde. Dies werde auch immer wieder zu Engpässen in der Rohwaren-Verfügbarkeit führen.

Was gibt es Neues?
Mit neuen Produkten wollen die Hersteller für Impulse im OTC-Regal sorgen. Bad Heilbrunner hat vier neue Bio-Arzneitees platziert: „Bio Husten- und Bronchial Tee“, „Bio Schlaf- und Nerven Tee“, „Bio Magen- und Darm Tee“ sowie „Bio Nieren- und Blasen Tee“. Des Weiteren wird das Sortiment der Arzneitees im Stick um die Sorte „Menstruations Tee“ ergänzt. „So bedienen wir eine komplett neue Indikation mit einem Arzneitee und greifen das Thema ,Female Empowerment‘ auf“, teilt Gunnar Heithecker, Leiter Marketing Bad Heilbrunner, mit. Und mit der neuen Marke Teaya bietet der Hersteller sechs kulinarische Bio-Teesorten an, wie „Taste my Orient“ oder „Taste my Italy“. Für die Faltschachtel wird Graspapier verwendet und die Filterbeutel sind aus ungebleichten, kompostierbaren Bananenblättern hergestellt.

Queisser hat die Linie Doppelherz pure um das Produkt „Zink + C Kapseln“ zur Stärkung des Immunsystems erweitert. Doppelherz pure verzichtet laut Queisser weitestgehend auf Zusatz- und Hilfsstoffe. Die Kapseln sind pflanzlichen Ursprungs und anstelle von Blister werden zum Beispiel Dosen aus 100 Prozent recyclingfähigem HDPE (Hart-Polyethylen) oder Glasfläschchen verwendet.

Das neue Taxofit Immun und Energie von Klosterfrau soll als hoch dosierte Immun-Wochenkur im Trinkfläschchen für eine ideale Immunvorsorge sorgen. Es enthält Vitamin D, B6, B12, C sowie Zink und Selen.

Das Immunsystem stärken sollen auch Kombiprodukte von Merz, wie „tetesept Immusan Direkt Immun Aktiv Zink + D3 + B12“ oder „tetesept Zink 15 Depot + Histidin + Selen“. Neu ist auch die tetesept-Nasendusche für die ganze Familie mit austauschbaren Sprühköpfen und naturreinem Biomaris Meersalz. Des Weiteren werden die saisonalen tetesept-Aroma-Schaumbäder „Wärme spüren“ und „Erkältungszeit“ wieder angeboten. Im Segment der Kinderbäder gibt es unter anderem eine „tetesept T-Rex-World Badeüberraschung“ in Dino-Ei-Form mit Sammeltier.

Ausblick
Wie geht es weiter? Vorhersagen zum gesamten OTC-Markt sind laut Nielsen schwer zu treffen, da die Entwicklung in den einzelnen Kategorien sehr heterogen ist. „Die Entwicklung des Erkältungssegments hängt sehr stark von der kommenden Erkältungssaison ab. Sollte es wieder zu einem Lockdown mit strengen Hygieneregeln kommen, wird sich dieses Segment eher schlechter entwickeln“, teilt ein Marktexperte von Nielsen mit. Seine weitere Prognose: „Vitamine zur Vorsorge wie Vitamin D werden sich wahrscheinlich auch weiterhin positiv entwickeln. Und das Segment ‚Beruhigung & Nerven‘ wird durch Trends wie Hanf und Melatonin weiter wachsen.“

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