Anzeige

Tiefkühlkost Im Hochdruckgebiet

Andrea Kurtz | 14. September 2020
Tiefkühlkost: Im Hochdruckgebiet
Bildquelle: dti

Seit den Corona-Wochen ist das Sortiment ungebrochen im Aufwind. Kunden haben die Vorteile von TK-Gemüse oder -Fisch enorm zu schätzen gelernt, der Handel kann sich über die neue Selbstverständlichkeit der Bevorratung freuen. Für die Hersteller ist die Entwicklung im Handel zwar erfreulich; in anderen Bereichen wie dem Außer-Haus-Bereich sieht es dagegen düsterer aus. Eine Übersicht über die aktuelle Geschäftslage.

Anzeige

Der Blick in den Monat April zeigt, was in den vergangenen Wochen vielerorts los war: Durch das Kochen zu Hause hatte laut GfK das gesamte Segment inklusive Eis einen fulminanten Umsatzanstieg von knapp 27 Prozent hingelegt. Schon der März hatte plus 23 Prozent gebracht. „Auch im Vergleich zu Food insgesamt entwickelte sich die Kategorie mit 23 Prozent deutlich überproportional“, so die Experten des GfK-Consumer-Index. Auch der „sonnigste April“ seit Beginn der GfK-Zeitrechnung sowie das Ostergeschäft sorgten für eine „grandiose Entwicklung bei Speiseeis“ so die GfK – und rechnet 45 Prozent vor. Das Wachstum rührte etwas stärker von den Hauspackungen (plus 47 Prozent) und hat insbesondere den Handelsmarken (plus 49,3 Prozent) einen Boom beschert. Multipackungen lagen mit plus 43 Prozent nur knapp dahinter; hier haben die Marken das Wachstum angetrieben.

Bei der übrigen Tiefkühlkost rührte das Wachstum mit aus der um knapp zehn Prozent gestiegenen Einkaufshäufigkeit. Die Top-Drei-Segmente sind nach den Zahlen der Nürnberger: TK-Obst und Säfte (plus 42,2 Prozent), TK-Fertiggerichte (plus 30,4 Prozent) sowie TK-Fleisch/Geflügel (plus 26,1 Prozent). Dicht darauf folgen Fisch/Meeresfrüchte, Gemüse und Kartoffelprodukte.

Die Popularität von TK-Fisch bestätigt das Fisch-Informationszentrum: Im ersten Quartal hat der Verband plus 10,9 Prozent ausgemacht; die Ausgaben pro Haushalt sind um 11,4 Prozent gewachsen.

Die Verbrauchervorlieben
Die Corona-Zeit hat gut ein Drittel (33 Prozent) der Befragten veranlasst, die Verwendung von Tiefkühlprodukten zu intensivieren. Diese Zahlen stammen aus einer Verbraucherstudie von Innofact im Auftrag des Deutschen Tiefkühlinstituts (dti). Die Top-Drei Lieblingskategorien im Tiefkühlsortiment sind hier: Gemüse/Kräuter, gefolgt von Fisch und Pizza. Vor allem die 18- bis 59-Jährigen Verbraucher gaben an, in der Corona-Zeit mehr tiefgekühlte Produkte verwendet zu haben. Dabei ist die Wahl der Produkte je nach Altersgruppe durchaus unterschiedlich: Die 40- bis 75-Jährigen griffen vor allem häufiger zu tiefgekühltem Fisch, während die 18- bis 59-Jährigen die Verwendung von Kartoffelprodukten verstärkten.

Was für TK spricht
„Der wichtigste Grund für den gestiegenen TK-Einkauf in der Corona-Zeit ist für 72 Prozent der Befragten die lange Haltbarkeit der Produkte, die die Vorratshaltung erleichtert“, erläutert die Chefin des dti, Dr. Sabine Eichner. „So lassen sich Einkaufsvorgänge im Handel auf das nötige Maß reduzieren, die die Verbraucher aufgrund des Infektionsrisikos vermeiden möchten – dies nannten 68 Prozent explizit als entscheidend für den Kauf.“

Ein weiteres entscheidendes Kaufmotiv sei auch die schnelle und einfache Zubereitung von Mahlzeiten mit Tiefkühlprodukten.

Ein weiteres erfreuliches Ergebnis laut dti und Innofact: Wer mehr Tiefkühlprodukte verwende, wisse diese offensichtlich auch mehr zu schätzen. „Besonders auffällig ist, dass die 18- bis 39-Jährigen in der Befragung Tiefkühlprodukte wesentlich positiver als vor der Corona-Pandemie bewerten“, so das dti. Insgesamt habe sich der Eindruck der Befragten in allen Tiefkühl-Warengruppen positiv verändert. Die in der Studie abgefragten Warengruppen werden von mindestens zwei Drittel der Befragten mit gut oder sehr gut bewertet. Die höchste Bewertung erhielten Gemüse/Kräuter, Obst/Früchte, Kartoffelprodukte, Fisch und Brötchen. Kuchen und Torten werden von den älteren Verbrauchern besonders gut bewertet. Wenig überraschend, denn in dieser Altersgruppe werden Kuchen und Torten auch am häufigsten verzehrt.

Auf die Frage nach dem künftigen Konsumverhalten sagten 14 Prozent der Befragten, dass sie mehr Tiefkühlprodukte verwenden werden. Vor allem die unter 40-Jährigen gaben höhere Kaufabsichten an.

Um die Ergebnisse von dti und Innofact zu untermauern, hat die LP im Juni online ihre Leser befragt. 90 Prozent der Händler sprechen darin ebenfalls von einer positiven Segmentsentwicklung in den Corona-Woche, mehr als 52 Prozent sehen diese Entwicklung auch nach dem Ende des Lockdown andauern.

Erfahrungen des Handels
Auch das Image sei positiv gewachsen, sagen rund 77 Prozent der befragten Händler. Mehr als 95 Prozent von ihnen nennen die lange Haltbarkeit als Grund für die neue Beliebtheit, 41 Prozent halten den hohen Convenience-Grad für den vorherrschenden Kaufgrund, gefolgt von Portionierbarkeit (36 Prozent) und Vielfalt (27 Prozent). Allerdings: Vorrangig haben Konsumenten in den Augen der Händler nach Pizza und Fertiggerichten gegriffen, dann zu Pommes und anderen Kartoffelprodukten sowie zu Eis und Backwaren. Gemüse, Obst und Fleisch rangieren weiter hinten. Interessant auch: Preissensibler seien die Kunden durch Corona nicht geworden, glauben 59 Prozent der Händler.