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Rila Feinkost Geschäftsmodell Genuss

Reiner Mihr | 10. März 2020
Rila Feinkost: Geschäftsmodell Genuss
Bildquelle: Rila

Trüffelschweine – so könnte man leicht despektierlich die Rolle von Rila Feinkost beschreiben. Und so ist der neue Unternehmensclaim „Rila. Die Genussentdecker“ nicht nur höflicher, sondern auch treffender.

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Hummus – ein Standard im Lebensmittelsortiment? Noch nicht allzu lange – aber seit wenigen Jahren selbst beim Discounter nicht mehr wegzudenken. Das Produkt – pürierte Kichererbsen, Sesampaste, Zitronensaft, Salz und Gewürze – ist ein gutes Beispiel für das Schicksal eines Lebensmittelimporteurs, hier genauer für Rila Feinkost-Importe. Das Familienunternehmen aus Stemwede-Levern war eines der ersten, das Hummus in deutsche Regale brachte. Erfolgreich – sodass Hummus mittlerweile von vielen in unterschiedlichster Qualität angeboten wird. Es verdeutlicht aber auch die selbstdefinierte Rolle von Rila: Trendsetter besonders bei Ethnic Food sein. Dazu gehören auch kreative Eigenentwicklungen und Eigenproduktion. „Es gibt noch viel zu entdecken“, sagt der topfitte 79-jährige Firmengründer Helmut Richter. Der Unternehmens-Claim „Genussentdecker“ dürfte ihm schmecken – auch wenn man sich erst seit Kurzem so nennt.

Denn Rila startet ins 51. Jahr seines Bestehens, und die Geschichte des Unternehmens liest sich wie ein Abenteuerroman. Dabei transportierte der gelernte Gärtner und Fernfahrer Richter erst mal „nur“ Ware durch ganz Europa. Als wohl erster deutscher Lkw-Fahrer brachte er Maschinen nach Athen und nahm auf dem Rückweg Oliven und Schafskäse mit. Das war in den 60er-Jahren kein Spaß – über den „Autoput“ durch das ehemalige Jugoslawien.

Bei den Fahrten durch Süddeutschland, Österreich, Jugoslawien und Griechenland kannte Richter schnell alle Werkstätten entlang der Route. Und trotzdem musste ab und an mit Draht und Gummi improvisiert werden. Der erste Lkw (Spitzname „Wilder Pluto“) ist noch heute im Unternehmen legendär. Die Rückladungen aus Griechenland waren meist für sogenannte Gastarbeiter in Deutschland bestimmt – hier entstand die Idee eines eigenen Importgeschäfts.

Marktlücke entdeckt
„Irgendwo mussten die Arbeiter aus Griechenland, Italien und anderswo ja einkaufen. Die Händler hatten aber keine Produkte für sie. Die hatte ich“, erzählt Richter. Dabei hat er sich in den Anfangsjahren um die warenkundliche Weiterentwicklung der Kaufleute sicher verdient gemacht. „Die konnten mit Schafskäse oder Oliven gar nicht umgehen.“ Aber das Geschäft lief und wuchs. Seine Frau Ursula betrieb „Lebensmittel-Importe und Großhandel“. In einem Lagerraum in einer alten Mühle in Levern wurden Pfefferschoten, Oliven, Mischgemüse und Schafskäse in Folienbeutel verpackt. Helmut Richter übernahm den Vertrieb in der Region, und auch deutsche Konsumenten fanden Gefallen an den Produkten.

Einfach war der Anfang nicht. Es gab gute und schlechte Jahre, „viele sorgenvolle und schlaflose Nächte“ sagt Richter. Oft habe man nicht gewusst, wie die Ware bezahlt werden könne. Wichtig sei der Rückhalt bei den Mitarbeitern, aber auch in der Familie gewesen. Von den Kindern – drei an der Zahl (Kathleen, Frank und Bernd) – habe man die Sorgen allerdings ferngehalten. Bernd, heute geschäftsführender Gesellschafter in Levern, bestätigt das, sagt aber auch: „Keines der Kinder wollte von Anfang an in den Betrieb einsteigen.“ Auch wenn man von den Existenzängsten wenig mitbekommen habe, zu selten habe man den Vater in den ersten Jahren gesehen. Bernd Richter hat daher zunächst seine Passion für Technik, speziell Elektro-Technik ausgelebt und in der Elektronikentwicklung-und Programmierung gearbeitet. Irgendwann haben ihn auch die technischen Aspekte des Importeur-Unternehmens (Logistik, Lagerhaltung, Kommissionierung, Digitalisierung) angesprochen. Damit war Bernd Richter „drin“. Und: „Technisches Verständnis hilft auch heute noch.“ Wer mit Bernd Richter mal durch das moderne Rila-Logistikzentrum gehen darf, unterschreibt das sofort.

Breites Sortiment
Trotz der Anfangsschwierigkeiten, es folgt eine Erfolgsgeschichte: Stetes Wachstum am Standort Levern, Tochterbetriebsgründungen in Griechenland und Chile, Firmenübernahmen in Deutschland in Kaltenkirchen und Versmold, aber auch die „Rila-Welt“ mit Gastronomie-Erlebnis in Levern. Heute umfasst das Sortiment knapp 1.300 Artikel, von der exotischen Küche über Feinkost bis zu Bioprodukten. Natürlich gibt es nach wie vor Oliven (Liakada, Ibero), aber längst sind asiatische, lateinamerikanische und levantinische Produkte wesentliche Sortimentsbestandteile. Mit Rinatura war man einer der Bio-Pioniere in Deutschland, mit den Marken Langbein, Lafer, Kiez-Küche (neu), Goutess-Kräutern oder Ankerkraut bedient man die unterschiedlichsten Segmente. Übrigens seit der Anuga und zur Biofach fast alle mit neuem Auftritt und neuen Produkten.

Mit der Übernahme von Menzi 2018 wurde das Portfolio dann nochmals in dem Bereich Großverbraucher und Cash & Carry erweitert (Fonds, Suppen, Eintöpfe, Desserts). „Wir haben früh erkannt, dass die eigene Produktion ein Vorteil ist“, sagt Bernd Richter. Ohne Flops wird es in all den Jahren nicht gegangen sein. Wo sind sie geblieben? „Nun ja, mit einer indischen Produktlinie waren wir schon mal sehr früh gestartet. Zu früh.“ Aber das komme jetzt wieder: Die Linie Sabita wurde relaunchiert und kommt deutlichen Sortimentserweiterungen.

Generationenvertrag
Gut aufgestellt fühle man sich, so die Richters, auch wenn die Herausforderungen wüchsen: Nutri-Score, Skandalisierung von Lebensmitteln, Verpackung, Rohwarensicherung, Ausbau des Streckengeschäfts, höhere Schlagkraft des Außendienstes nennen sie als Stichworte. Klar sei: Rila bleibt Familienunternehmen. Die nächste Generation stehe am Start.

Was gibt’s noch zu entdecken? „‘ne Menge“, sagt Helmut Richter. Gerade schwört er auf die arabische Küche als Ganzes oder auch Details wie Kapernblätter als fermentiertes Produkt. Dazu Produkte aus Asien und Südamerika. „Wir reisen durch die Welt und suchen“, ergänzt Bernd Richter, „überall gibt es Neues und Unbekanntes.“ Genussentdecker eben.