Gentechnik „Öffentlich bleibt das Thema unter dem Radar“

Das Milch-Siegel „Ohne Gentechnik“ gerät in der EU in Gefahr. Widerstand regt sich bei Molkereien und im Handel.

Freitag, 01. Dezember 2023 - Molkereiprodukte
Dr. Friederike Stahmann
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Bildquelle: Friederike Stahmann

Ein klares Votum: 81 Prozent der Personen, die das Siegel „Ohne Gentechnik“ kennen, erwarten, dass ein Produkt mit diesem Label auch frei von Bestandteilen aus neuartigen Gentechnik-Verfahren wie CRISPR ist. Das ergab im September eine repräsentative Umfrage des Meinungsforschers Civey. Die meisten Milchverpackungen sind inzwischen mit dem grünen „Ohne Gentechnik“-Siegel ausgezeichnet. Diese Milch ist in einem Jahrzehnt vom Nischenprodukt zum Standard geworden. Ihr Marktanteil liegt über 70 Prozent.

Die EU-Kommission will das bestehende Gentechnikrecht ändern und neue Züchtungstechniken (NGT) zulassen. Die mit der grünen Gentechnik entwickelten Pflanzen sollen eine nachhaltigere Landwirtschaft ermöglichen und einen Beitrag zum Green Deal leisten. Neben Aldi Süd und Nord sieht man das auch bei der Rewe Group kritisch. Dr. Daniela Büchel, Vorstandsmitglied des Handelskonzerns, äußerte dazu: „Es ist aus Sicht der Rewe Group auch im Bereich der neuen gentechnischen Verfahren erforderlich, unter Verwendung dieser Techniken hergestellte Produkte einem Zulassungsverfahren einschließlich einer Risikoprüfung zu unterwerfen und die Prinzipien Rückverfolgbarkeit, Vorsorge und Kennzeichnung weiterhin zu berücksichtigen.“ Doch genau das sieht der Gesetzesentwurf nicht vor.

Proteste, Demos, Talkshows zum Thema? Fehlanzeige. „Das Thema bleibt in der Öffentlichkeit unter dem Radar“, sagt die Geschäftsführerin der Upländer Bauernmolkerei, Karin Artzt-Steinbrink. Deshalb hat die nordhessische Molkerei zu einer Veranstaltung mit der Gentechnikexpertin Heike Moldenhauer vom Dachverband des europäischen „Ohne Gentechnik“-Sektors (European Non-GMO Industry Association) geladen. „Wir fühlen uns dem Thema verpflichtet“, so Artzt-Steinbrink. Denn 2005 war man in Deutschland die erste Molkerei mit gentechnikfreier Milch.

Moldenhauer führte aus, dass es nach dem neuen Vorschlag erlaubt wäre, beispielsweise an Mais bis zu 20 verschiedene Veränderungen mit grüner Gentechnik vorzunehmen. Gekennzeichnet werden muss diese nur noch auf dem Saatgut-Sack. Was mit der Ernte passiert, welche Kühe den Mais fressen, das alles sei dann nicht mehr deklarierungspflichtig. Mehr noch: „Ohne Rückverfolgbarkeit, Kennzeichnung, Nachweismethoden, Koexistenzmaßnahmen ist damit eine GVO-freie Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion der EU gefährdet“, brachte es Moldenhauer auf den Punkt.

Zur Infoveranstaltung

Die Upländer Bauernmolkerei lud Mitte November zu einer Infoveranstaltung ein, um aufzuklären, was auf dem Spiel steht, wenn der Vorschlag der EU-Kommission für ein neues Gentechnikgesetz Realität werden würde.

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