Der Vorstand und der Aufsichtsrat der Berentzen-Gruppe empfehlen den Aktionären, das Übernahmeangebot des US-Spirituosenkonzerns Sazerac anzunehmen. Beide Gremien unterstützen den geplanten Zusammenschluss, wie das Unternehmen aus dem niedersächsischen Haselünne mitteilte. Berentzen und Sazerac haben eine Vereinbarung über den Unternehmenszusammenschluss abgeschlossen.
Sazerac beabsichtigt, ein freiwilliges öffentliches Übernahmeangebot von 5,55 Euro je Aktie für alle Aktien der Berentzen-Gruppe abzugeben – ein Aufschlag von 68 Prozent gegenüber dem volumengewichteten Durchschnittskurs der vergangenen drei Monate vor dem 16. September 2026. Laut der Mitteilung entspricht der Preis einem Niveau, das seit über zwei Jahren nicht mehr erreicht worden sei. Nach einem erfolgreichen Vollzug plant Sazerac, die Berentzen-Aktie von der Börse zu nehmen. Der Vorstand unterstütze diese Absicht. Das Angebot unterliege einer Mindestannahmeschwelle von 50 Prozent plus eine Aktie. Die Transaktion werde voraussichtlich im vierten Quartal 2026 abgeschlossen sein.
Am Montag schoss der Aktienkurs von 4,50 Euro auf 5,54 Euro. Vor Bekanntwerden der Übernahmepläne hatte der Börsenwert von Berentzen im Sommer bei rund 32 Millionen Euro gelegen. Mit dem Übernahmeangebot wird der Unternehmenswert auf etwa 53 Millionen Euro taxiert.
Die Vorstände Oliver Schwegmann und Ralf Brühöfner begründeten ihre Zustimmung mit den strategischen Möglichkeiten, die sich durch den Zusammenschluss ergäben. „Für die Erreichung unserer strategischen Unternehmensziele ist ein hohes und stetiges Wachstumstempo von größter Bedeutung“, erklärten sie laut der Mitteilung. Insbesondere bei Innovationskraft, Vertriebsstärke und Internationalisierung könne Sazerac als kapitalstarker Partner einen entscheidenden Beitrag leisten. Berentzen steckt derzeit in einer wirtschaftlich angespannten Lage: Der Umsatz schrumpfte im ersten Halbjahr um gut 11 Prozent auf 71 Millionen Euro, der Betriebsgewinn brach um mehr als 80 Prozent auf rund 600.000 Euro ein. Das Unternehmen hatte daraufhin seine Jahresziele gesenkt und auf eine schleppende Nachfrage nach Alkohol verwiesen.
Standorte sollen ausgebaut werden
Sazerac-Chef Jake Wenz kündigte an, die bestehenden Standorte der Berentzen-Gruppe nicht nur weiterzubetreiben, sondern durch höhere Investitionen auszubauen. Besonders für den Lebensmittelhandel dürfte interessant sein, dass Sazerac auch das Handelsmarkengeschäft von Berentzen ausweiten will. „Wir sind zuversichtlich, dass der geplante Zusammenschluss für beide Seiten von Vorteil sein wird und uns in die Lage versetzt, Spirituosenprodukte für ganz Europa und darüber hinaus mit größerer Flexibilität und Schnelligkeit herzustellen und zu vertreiben – sowohl von Marken der Berentzen-Gruppe und Sazerac als auch von Handelsmarkenkonzepten“, so Wenz in der Mitteilung. Zudem solle das deutsche Team künftig auch Marken von Sazerac produzieren und vertreiben.
Das Übernahmeangebot unterliegt einer Mindestannahmeschwelle von 50 Prozent plus einer Aktie. Genehmigungen durch Aufsichtsbehörden seien den Angaben zufolge nicht erforderlich. Die Transaktion soll voraussichtlich im vierten Quartal 2026 abgeschlossen werden. Die Angebotsunterlage werde der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) zur Prüfung vorgelegt, teilte das Unternehmen mit.
Sazerac gehört zu den größten Spirituosenherstellern der Welt und verfügt nach eigenen Angaben über mehr als 525 Marken. Der Konzern hatte in diesem Jahr vergeblich versucht, den Jack-Daniel’s-Hersteller Brown-Forman für rund 15 Milliarden Dollar zu übernehmen, und stattdessen den britischen Hersteller Au Vodka für rund 350 Millionen Euro gekauft. An der Börse war Berentzen zuletzt nur rund 35 Millionen Euro wert – für Sazerac ein finanziell überschaubarer Zukauf.