Die Technische Hochschule Köln entwickelt gemeinsam mit dem Unternehmen NourTec neue Technologien für den Anbau von Obst und Gemüse in vertikalen Indoor-Farmanlagen. Das Projekt mit dem Namen „GreenFarmTEC“ soll es ermöglichen, auch anspruchsvolle fruchttragende Pflanzen wie Erdbeeren, Tomaten, Gurken, Paprika oder Chilis in geschlossenen Innenräumen zu kultivieren. Das Land Nordrhein-Westfalen fördert das Vorhaben den Angaben zufolge mit rund 725.000 Euro.
Modulares System nach Baukastenprinzip im Zentrum
Bisherige Systeme für sogenanntes Vertical Indoor Farming eignen sich laut der Hochschule vor allem für schnell wachsende Salate und Kräuter. Das Forschungsteam will nun eine Technologie entwickeln, die auch bei fruchttragendem Gemüse funktioniert. Im Zentrum steht ein modulares System nach Baukastenprinzip: Stapelbare Boxen lassen sich flexibel kombinieren und mit LED-Beleuchtung, Sensoren sowie hydroponischen Anbausystemen ausstatten, in denen Pflanzen ohne Erde in einer Nährstofflösung wachsen.
Kameras sollen das Pflanzenwachstum in Echtzeit erfassen und mithilfe Künstlicher Intelligenz analysieren. Auf dieser Grundlage will das Team Beleuchtung, Temperatur sowie Wasser- und Nährstoffversorgung automatisch an die Bedürfnisse der jeweiligen Pflanzen anpassen. „Unser Ziel ist es, optimale Wachstumsbedingungen bei möglichst niedrigen Betriebs- und Energiekosten zu schaffen“, erklärte Projektleiter Mohieddine Jelali.
Projektleiter verweist auf wachsende Weltbevölkerung und knappere Anbauflächen
Jelali verwies auf Prognosen der Vereinten Nationen, wonach im Jahr 2050 etwa 9,7 Milliarden Menschen auf der Erde leben werden – der überwiegende Teil davon in Städten. Gleichzeitig würden landwirtschaftliche Flächen knapper, Wetterextreme nähmen zu und Wasser werde zunehmend zur begrenzten Ressource. „Mit Vertical Indoor Farming können Lebensmittel direkt dort produziert werden, wo sie gebraucht werden – ressourcenschonend, wetterunabhängig und ganzjährig verfügbar“, so Jelali.
Das Projekt läuft nach Angaben der Hochschule bis 2028. Die Förderung stammt aus der Initiative „Grüne Gründungen.NRW“ des nordrhein-westfälischen Umweltministeriums. Die Technologie soll sich nach Projektende auf unterschiedliche Standorte übertragen lassen – insbesondere dort, wo Anbauflächen begrenzt sind. Für den Lebensmittelhandel könnte die Technik perspektivisch kürzere Transportwege und damit frischere Ware bedeuten.