Die anhaltende Trockenheit in Deutschland wirkt sich zunehmend auf die Preise und das Angebot im Lebensmittelhandel aus. Gemüse ist in zahlreichen Fällen teurer geworden, und bei Kartoffeln rechnen Erzeuger mit steigenden Preisen. Auch die beliebten Pommes dürften künftig häufiger kürzer ausfallen.
Prreisanstieg vor allem bei Frischgemüse aus Freilandanbau
Vor allem bei Frischgemüse aus dem Freilandanbau seien die Preise zuletzt gestiegen, da das Angebot witterungsbedingt eingeschränkt sei. Das sagte Michael Koch, Bereichsleiter Gartenbau bei der Agrarmarkt Informations-Gesellschaft. Das betreffe insbesondere das Salatsortiment sowie Kohlgemüse wie Brokkoli, Blumenkohl und Kohlrabi. Auch Möhren seien knapp, die Verbraucherpreise lägen über dem Vorjahresniveau.
Zudem sei die Wasserentnahme in einem weiteren wichtigen Anbaugebiet für Gemüse eingeschränkt worden. „Das bedeutet, es wird noch schwieriger, das Wachstum der Pflanzen aufrechtzuerhalten“, verdeutlichte Koch. Allerdings gebe es auch Gemüse, das günstiger sei als im Vorjahr – darunter Tomaten und Zucchini.
Mehrkosten für Diesel wirken sich aus
Alois Keutmann, Vorsitzender der Rheinischen Erzeugergemeinschaft Kartoffeln, schilderte die Lage auf den Kartoffelfeldern: Die Pflanzzeit bis Mitte Juni sei optimal gewesen, doch dann hätten Trockenheit und Hitze die Erträge gefährdet. Auf Flächen mit künstlicher Beregnung seien noch vernünftige Erträge zu erwarten, auf den übrigen werde es schwierig. „So steigen jetzt die Preise“, erklärte Keutmann und verwies neben dem knapperen Angebot auch auf die Mehrkosten für Diesel, mit dem die Beregnungsanlagen betrieben werden. Für die Verbraucher bedeute das Kartoffelpreise auf dem Niveau von vor zwei bis drei Jahren – die Tiefpreise von 2025 seien nicht mehr zu erwarten.
Kartoffelerzeuger Keutmann erwartet kürzere Pommes
Auch bei Pommes könnten die Folgen der Dürre sichtbar werden. „Es wird wahrscheinlich kürzere Pommes geben im Durchschnitt“, sagte Keutmann. Der westeuropäische Markt spiele bei Pommes eine große Rolle, und in Belgien etwa gebe es weniger Beregnungsmöglichkeiten als in Deutschland. Beim Preis verarbeiteter Lebensmittel für die Verbraucher seien allerdings eher Lohn- und Energiekosten entscheidend.
Der Boden bis knapp zwei Meter Tiefe ist laut dem jüngsten hydrologischen Bericht des Landesamtes für Natur, Umwelt und Klima in Nordrhein-Westfalen überwiegend so trocken wie nur alle zehn, zwanzig oder sogar fünfzig Jahre. Besonders extrem sei die Dürre im Südwesten, im Bereich der Eifel. Der Westfälisch-Lippische Landwirtschaftsverband rechnet bei Zuckerrüben, Kartoffeln, Mais sowie Obst- und Gemüsekulturen mit starken Ertragseinbußen und teilweise auch Ernteausfällen.
Beim Obst hingegen profitieren die Verbraucher derzeit von niedrigeren Preisen als im Vorjahr: Äpfel aus der Ernte 2025 stünden noch in größeren Mengen zur Verfügung, und auch Kirschen, Zwetschgen, Pfirsiche und Nektarinen seien günstiger, so Marktbeobachter Koch.
