Tiefkühlmarkt Deutsche Indoor-Garnelen sollen ins Regal – warum die Anbieter jetzt auf Skalierung setzen

Hintergrund

Deutsche Garnelen aus Indoor-Farmen bleiben ein Nischenprodukt – doch die Nachfrage wächst. Gamba Zamba und Landgarnele bauen ihre deutsche Produktion aus, während Oceanloop das Angebot neu ausrichtet.

Freitag, 18. September 2026, 07:40 Uhr
Hedda Thielking
Aquapurna vermarktet die Gamba-Zamba-Garnelen auch im Rewe-Online-Shop. Bildquelle: Gamba Zamba

Wie können landbasierte Garnelen-Farmen hierzulande nachhaltig wachsen und ausreichende Mengen zu wettbewerbsfähigen Preisen liefern? Vor dieser Frage steht die deutsche Garnelenbranche. Für David Gebhard, CEO und Mitgründer von Aquapurna, ist die Listung der White-Tiger-Garnelen von Gamba Zamba im Rewe-Online-Shop seit Ende Juni deshalb ein wichtiger Schritt. Im norddeutschen Wunstorf betreibt das Unternehmen eine 4.500 Quadratmeter große Produktionshalle – nach Gebhards Einschätzung eine der größten Indoor-Garnelenfarmen Europas (siehe LP 2/2025).

In der Halle produziert Aquapurna Gamba-Zamba-Garnelen antibiotikafrei, ohne chemische Zusätze, im geschlossenen Wasserkreislauf und mit eigener Larvenzucht. „Unser Ziel ist es, eine transparente und nachhaltige Alternative zu importierter Ware zu einem akzeptablen Preis anzubieten“, sagt Gebhard. Bisher vermarktet das Unternehmen 70 Prozent seiner Tiefkühl-Garnelen stationär bei Edeka, Rewe Globus, Citti-Märkten und Deutsche See, vor allem im Norden. Manche Kaufleute verkaufen sie auch frisch an der Fisch-theke.

Online-Reichweite nutzen

„Mit der Listung im Rewe-Online-Shop sind wir erstmals bundesweit bei einem Handelsunternehmen vertreten und können so noch mehr Verbraucher erreichen“, sagt David Gebhard. Immerhin: Durch den Online-Shop erreicht Rewe fast jeden zweiten Haushalt. Trotzdem bleibt für Gebhard der stationäre Lebensmitteleinzelhandel der wichtigste Absatzkanal: „Für uns spielt dort die Musik, da wird die Reise weiter hingehen.“ Über Discounter will er die Garnelen aktuell nicht vermarkten. „Eher würden wir für Handelsmarken produzieren.“ Doch dafür reicht die derzeitige Produktionsmenge nicht aus.

Schnelle Listung

Dass Rewe die Garnelen im Online-Shop listete, lag auch an Matthias Sinn, Head of Category Development & Organic Cooperations bei der Rewe Group. Er spürt unter anderem neue Produkte und mögliche Sortimentslücken auf. „Das nachhaltige Konzept, die vollständig deutsche Herkunft sowie die aufmerksamkeitsstarke Verpackung der Gamba-Zamba-Garnelen mit Sichtfenster sprechen eine ausreichend große Zielgruppe an, die Wert auf eine verantwortungsvollere Züchtung legt“, ist Matthias Sinn überzeugt. Zudem fragten Kunden tiefgekühlte Meeresfrüchte im Online-Shop zunehmend nach. Laut Circana stieg der Absatz von Tiefkühl-Krustentieren, darunter Garnelen, im MAT Juni 2026 um sechs Prozent (siehe Grafik).

Trotz begrenzter Kapazitäten der Rewe-Tiefkühlläger setzte Sinn alles da­ran, die Gamba Zamba Blauen Edel-Garnelen in der 200-Gramm-Packung im Rewe-Lieferservice zu listen. „Aktuell ist das Produkt bis Anfang September zum Aktionspreis von 9,99 Euro erhältlich.“ Regulär kostet die Packung 11,99 Euro.

Veränderung Absatz und Umsatz von TK-Meeresfrüchten

Weiter expandieren

David Gebhard hat noch viel vor: Er will die geplanten 80 bis 100 Tonnen jährlich erreichen und weiter expandieren. Noch in diesem Jahr beginnt der nächste Bauabschnitt mit 24 weiteren Aufzuchtbecken. 500 Tonnen Garnelen will er dann jährlich ernten. Ein anspruchsvolles Ziel. „Dann haben wir hoffentlich eine Größe mit interessanten Skalierungseffekten“, ist Gebhard zuversichtlich. Außerdem will Aquapurna Veredelungsprodukte im Kühlbereich produzieren, mit anderen Unternehmen kooperieren und ins europäische Ausland expandieren.

Aquapurna ist nicht der einzige Anbieter, der die landbasierte Garnelenzucht in Deutschland ausbauen will. Auch Damm Aquakultur aus Niedenstein baut sein Garnelengeschäft weiter aus. Das Unternehmen übernahm im vergangenen Jahr Hanse Garnelen Glückstadt. „Ab sofort werden beide Garnelenfarmen gemeinsam unter der neuen Marke Landgarnele etwa 100 Tonnen White-Tiger-Garnelen jährlich produzieren und vermarkten“, sagt Marketingleiter Martin Schwarzmüller.

Vor dem Zusammenschluss verkauften bereits zahlreiche Märkte diese Garnelen regional, darunter Rewe Nord/Mitte, Frische Paradies, Galeria Markthallen und Edeka. Unter der neuen Marke Landgarnele will das Unternehmen künftig verstärkt auf Tiefkühl-Garnelen setzen. „Für nationale Listungen sind wir aktuell in Gesprächen mit zahlreichen Händlern“, informiert Martin Schwarzmüller.

Das Unternehmen Oceanloop hat die Produktion der Bayerischen Garnele vor zwei Jahren eingestellt. Das Unternehmen konzentriert sich nun auf die Produktion des Edelfischs Giant Grouper (Riesenzackenbarsch) in Kiel. „Damit können wir bereits bei einer kleineren Produktionsgröße attraktive wirtschaftliche Rahmenbedingungen erreichen“, erklärt Fabian Riedel, CEO und Gründer von Oceanloop und Honest Catch.

Oceanloop hat sich dafür bis zu 38,5 Millionen Euro gesichert. Geplant sind eine 250-Tonnen-Zuchtanlage in Kiel und eine kommerzielle Anlage mit einer Kapazität von 2.000 Tonnen auf Gran Canaria. Parallel arbeitet Honest Catch an internationalen Projekten für landbasierte Oceanloop-Garnelen-farmen. Als Vermarktungspartner vertreibt das Unternehmen die Produkte auch im Lebensmitteleinzelhandel. Die Good-Gamba-Garnelen im eigenen Online-Shop stammen aus einer land-basierten Aquakultur in Spanien.

Platz im Regal erobern

Tiefkühlgarnelen aus deutschen Indoor-Farmen bleiben damit zwar ein Nischenprodukt. Dennoch verfolgen die Anbieter unterschiedliche Strategien, um den Markt weiter auszubauen: Aquapurna und Damm Aquakultur erhöhen ihre Produktion, Oceanloop treibt internationale Farmprojekte voran. Ihr gemeinsames Ziel ist vor allem die Listung im Lebensmitteleinzelhandel. Für den Handel könnte dadurch ein breiteres Angebot an heimisch beziehungsweise landbasiert erzeugten Garnelen entstehen.