Die Beschäftigten im bayerischen Groß- und Außenhandel erhalten mehr Geld. Die Gewerkschaft Verdi und der Arbeitgeberverband LGAD einigten sich auf eine Tariferhöhung, wie beide Seiten mitteilten. Die Entgelte der rund 240.000 Beschäftigten im Freistaat steigen demnach ab dem 1. August um 2,9 Prozent. Zum 1. Mai 2027 folgt eine weitere Erhöhung um 2,1 Prozent. Der Tarifvertrag läuft 24 Monate bis Ende April 2028.
Der Bundesverband Großhandel, Außenhandel, Dienstleistungen geht davon aus, dass das Ergebnis Grundlage für weitere Abschlüsse in anderen Tarifgebieten sein wird. Auch Verdi sieht eine Signalwirkung auf Bundesebene. Beide Seiten müssen das Ergebnis bis zum 4. August bestätigen.
Der bayerische Verdi-Verhandlungsführer Thomas Gürlebeck erwartet von der Einigung auch eine Signalwirkung für den Einzelhandel, wo derzeit ebenfalls Tarifgespräche laufen. Bernd Ohlmann vom Handelsverband Bayern dämpfte diese Erwartung. „Natürlich verfolgen wir das sehr genau, aber jede Branche hat eigene Kostenstrukturen“, sagte er. Die Ergebnisse aus dem Groß- und Außenhandel ließen sich deshalb nicht eins zu eins auf den Einzelhandel in Bayern übertragen.
Während der Tarifverhandlungen gab es Warnstreiks. „Ohne den großen Mut und die Entschlossenheit der Streikenden wäre ein solch guter Tarifabschluss niemals möglich gewesen“, sagte Verdi-Verhandlungsführer Gürlebeck. Die Streikenden hätten bewiesen, dass Tarifabschlüsse auf der Straße und in den Betrieben erkämpft würden.
Der Verhandlungsführer des LGAD, Frank Hurtmanns, betonte den Angaben zufolge, dass die Sozialpartner unter außergewöhnlichen Rahmenbedingungen ihre Handlungsfähigkeit bewiesen hätten. Mit der Laufzeit von 24 Monaten und einer zügigen Einigung sei Planungssicherheit für die Unternehmen erreicht worden. Der Bundesverband Großhandel, Außenhandel, Dienstleistungen sprach von einem wegweisenden Tarifabschluss, der allerdings auch ein schmerzhafter Kompromiss sei. Die Arbeitgeber seien an die Grenze des Machbaren gegangen.
