Gerolsteiner Marktführer fordert mehr Ambitionen von der Politik

Corona und Ahrflut zum Trotz konnte Gerolsteiner zuletzt wachsen. Die Herausforderungen werden aber nicht kleiner.

Sonntag, 15. Januar 2023 - Getränke
Tobias Dünnebacke
Artikelbild Marktführer fordert mehr Ambitionen von der Politik
Bildquelle: Gerolsteiner

Gerolsteiner-Geschäftsführer Roel Annega (Bild) hält die EU-Pläne zum Anteil von recyceltem Material in Einweg-Getränkeflaschen für „nicht ambitioniert genug“. Zudem fordert der Chef des Marktführers für seine Branche ein Recht für den Erstzugriff auf das begehrte Material. „Die EU plant bis 2040 mit einem rPET-Anteil von 65 Prozent. So bekommen wir keine Kreisläufe geschlossen“, erklärt Annega. Bis zu 80 Prozent Rezyklat-Anteil in Plastikflaschen der Getränkeindustrie in Europa seien realistisch. Ein zweites Problem sei die Zweckentfremdung von rPET, also ein Downcycling-Effekt, der durch den Verkauf des Materials an andere Branchen wie die Textil- oder Automobilindustrie entsteht. „Eine Tasche, die zum Teil aus PET-Flaschen hergestellt wurde, lässt sich als nachhaltig vermarkten, aber sie ist es im Grunde nicht, denn aus diesem PET kann nie wieder eine Flasche werden.“ Bislang werden laut GVM (Gesellschaft für Verpackungsmarktforschung) nur 37,7 Prozent recyceltes PET für neue Flaschen genutzt. Der Gerolsteiner Brunnen verkauft seine Produkte in sowohl Mehrweg (Glas und PET) als auch Einweg-PET zu jeweils gleichen Anteilen. Im Zuge der Corona-Pandemie war ein deutliches Wachstum von Glas zu beobachten. Mit der Inflation rückten auch wieder Einwegflaschen in den Fokus der Verbraucher. „Gebindevielfalt ist ein wichtiger Baustein unserer Strategie“, so der Gerolsteiner-Chef.

Preiseinstieg bei 25 Cent
Was die Performance des Marktführers angeht, ist Annega zufrieden. Insbesondere vor dem Hintergrund der Corona-Pandemie sowie der Ahrflut, bei der für Gerolsteiner wichtige Infrastruktur zerstört wurde. Der Eifeler Brunnen konnte seinen Absatz um 6,6 Prozent und den Umsatz um 7,8 Prozent steigern (Branche: Absatz −1,6 Prozent, Umsatz +5,1 Prozent, Nielsen, LEH+DM+GAM+Discount, YTD September 2022 vs. Vorjahr). Wachstumsimpulse sollen die nächsten Jahre verstärkt mit Erfrischungsgetränken gesetzt werden. Hier hatte Gerolsteiner zuletzt mit einem Tee, der mit dem Cold-Brew-Verfahren hergestellt wird, sowie diversen Limonaden Akzente gesetzt. Positiv bewertet Annega die Preiserhöhungen bei den Preiseinstiegsmarken von 19 auf 25 Cent. „Ein längst überfälliger Schritt und gut für die Kategorie Mineralwasser“, so der Manager.

Zur Person

Roel Annega trägt seit 2019 die Verantwortung für Strategie, Marketing, Vertrieb und International bei Deutschlands führendem Mineralbrunnen Gerolsteiner. Davor war der gebürtige Niederländer unter anderem bei Coca-Cola tätig.

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