Gerolsteiner Flucht nach vorn

Angesichts des rückläufigen Mineral‧wassermarktes will Branchenprimus Gerolsteiner ein noch bedeutenderer Player bei den Erfrischungsgetränken werden.

Dienstag, 14. Dezember 2021 - Getränke
Tobias Dünnebacke
Artikelbild Flucht nach vorn
Bildquelle: Gerolsteiner

Die Herausforderung für die deutschen Mineralbrunnen zunächst einmal in drei einfachen Zahlen verdeutlicht: Laut dem Handelspanel von Nielsen hat der Mineralwassermarkt zum September über 4 Prozent an Wert verloren. Mittlerweile geben gegenüber den Marktforschern 39 Prozent der befragten Haushalte an, „hauptsächlich Leitungswasser“ zu trinken. Mineralwasser kommt nur auf einen Wert von 33 Prozent. Sprudlersysteme wie Sodastream erreichen mittlerweile 12,3 Prozent aller Haushalte. Das ist eine höhere Käuferreichweite als der größte Markenbrunnen in Deutschland erzielt. „Mineralwasser steht in einem stärker werdenden Wettbewerb mit anderen Trinkangeboten, Einstellungen und das Konsumverhalten wandeln sich: Das führt zu Verschiebungen im Markt“, erläutert Roel Annega, Vorsitzender der Geschäftsführung beim Gerolsteiner Brunnen, auf einer digitalen Pressekonferenz. Zwar wolle man die Poleposition im deutschen Mineralwassermarkt weiter ausbauen. Wachstumsimpulse sollen aber vor allem über die Erfrischungsgetränke kommen. Dieser Bereich trägt derzeit nur 4 Prozent zum Geschäft bei und ist damit deutlich unterrepräsentiert. Schon in diesem Jahr rückte das Eifeler Unternehmen die Erfrischungsgetränkesparte in den Fokus und spendierte fünf Sorten ein 0,75-Liter-Mehrwegglasgebinde, lancierte die „Leichte Limo“ sowie „Leichte Schorle“ und experimentierte über einen Testballon sogar mit dem Thema Hanf. Zahlreiche weitere Neuerungen und Gebinde sollen 2022 folgen. Damit die Verbraucher nicht den Überblick verlieren, wird das Erfrischungsgetränkesortiment in die vier Produktbereiche Aromatisiertes Wasser, Schorle, Limonade und Tee eingeteilt. Vor allem der Tee, der ab April 2022 in den Regalen stehen soll, ist eine Überraschung. Annega möchte aber nicht den Eindruck erwecken, dass Gerolsteiner einfach auf den erfolgreichen Eistee-Zug aufspringt. „Was wir vorstellen werden, ist kein gewöhnlicher Eistee, sondern ein Teegetränk, das dank des innovativen Cold-Brew-Verfahrens, mit dem die Bitterstoffe reduziert werden, leicht, aber trotzdem intensiv und natürlich erfrischend schmeckt.“ Die Strategie von Gerolsteiner ist sinnvoll, denn die alkoholfreien Getränke haben nach Zahlen des GFK Consumer Panel zum Oktober im Vergleich zum Vorjahreszeitraum zwar auch Menge verloren, konnten sich aber wertmäßig positiv entwickeln (4,2 Prozent). Hier lässt sich also trotz schrumpfender Absätze noch immer gutes Geld mit den richtigen Konzepten verdienen.

Dass auch beim Mineralwasser noch Impulse möglich sind, habe Gerolsteiner Feinperlig gezeigt, ein Wasser, das Konsumenten anspricht, die eine geringe Karbonisierung bei hohem Mineralgehalt wollen. Angesprochen auf die anhaltende Debatte zum Thema Leitungswasser erklärte Annega: „Wir dürfen nicht aufhören, Mineralwasser zu erklären und uns abzugrenzen. Wir freuen uns über jeden Wettbewerber, der in die Kategorie investiert.“

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