Überbrückungshilfen Ungenügend

Schlechte Noten für die Regierung. In einer Umfrage wird das Ausmaß des katastrophalen Überbrückungs-Managements deutlich. Jeder vierten Brauerei droht Insolvenz.

Freitag, 30. April 2021 - Getränke
Tobias Dünnebacke
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Bildquelle: Getty Images

Knapp 73 Prozent der befragten Betriebe gaben in der Umfrage des Deutschen Brauer-Bundes (DBB) an, staatliche Hilfen beantragt zu haben. Die Überbrückungshilfe III (unter anderem Eigenkapitalzuschuss für schwer betroffene Unternehmen) haben fast 69 Prozent der Brauereien beantragt, aber bislang nur zu knapp 3 Prozent auch ausbezahlt bekommen. Kurzarbeitergeld haben gut 64 Prozent vollständig wie beantragt erhalten – jeder fünfte Betrieb erhielt auch hier nur eine teilweise Zahlung. Noch schlechter sieht es bei der November- und Dezemberhilfe aus: Diese haben nur knapp 44 Prozent beziehungsweise gut 31 Prozent der Betriebe vollständig wie beantragt erhalten. Mit Blick auf die bisher von Bund und Ländern ergriffenen Hilfsmaßnahmen für betroffene Unternehmen kommen 75 Prozent der Befragten zu der Einschätzung, dass die Finanzhilfen insgesamt nicht ausreichen.

„Nach fast sechs Monaten Dauerlockdown sind das Gastronomiegeschäft und Teile des Exports vollends zusammengebrochen, eine Erholung des Marktes ist nicht in Sicht, weil jede Perspektive fehlt. Die Umsatzverluste der Braubranche summieren sich mittlerweile auf historische Größenordnungen“, so Holger Eichele, Hauptgeschäftsführer beim DBB. Nach der aktuellen Betriebserhebung ist der Umsatz der Brauereien von Januar bis einschließlich März 2021 im Schnitt um 33 Prozent eingebrochen. Besonders schwer getroffen sind laut der aktuellen Stichprobe des Verbandes Brauereien mit einem hohen Gastronomieanteil. Durch den kompletten Zusammenbruch des Fassbiermarktes beklagen Betriebe Umsatzrückgänge von in der Spitze bis zu 85 Prozent. Nur einer sehr geringen Zahl von Brauereien, die ihre Biere überwiegend oder ausschließlich über den Handel absetzt, gelang es, drastische Einbußen zu vermeiden. Generell aber kann der weitgehend stabile, in der Regel jedoch margenschwache Flaschenbierabsatz nicht die schweren Verluste im Gastronomiegeschäft ausgleichen, aus dem die Brauereien einen Großteil der Wertschöpfung generieren und das für einen wirtschaftlichen Betrieb der Unternehmen erforderlich ist. Besonders alarmierend ist die Botschaft, dass laut DBB rund einem Viertel der Betriebe die Insolvenz droht. Dies würde vor allem kleine und mittelständische Brauereien treffen, die über weniger Kapitalmittel verfügen als Großbrauereien. Auf die Frage, welche Maßnahmen noch ergriffen werden sollten, sprechen sich viele Brauereien für eine klare Öffnungsperspektive für Gastronomie und Veranstaltungen aus und fordern progressive Testkonzepte.

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