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Eckes-Granini Der Markenvisionär

Tobias Dünnebacke | 27. Mai 2020
Eckes-Granini: Der Markenvisionär
Bildquelle: Eckes-Granini

Thomas Hinderer tritt bei Eckes-Granini ab. Der Markenvisionär kann auf eine erfolgreiche Zeit zurückblicken, doch Streitigkeiten um Konditionen mit dem Handel haben zuletzt Menge und Wert gekostet.

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„Ich hätte mir gewünscht, Sie alle noch einmal persönlich zu treffen.“ So eröffnete der scheidende Vorstandsvorsitzende der Eckes-Granini Group ,Thomas Hinderer, seine erste Pressekonferenz per Videostream. Dass die Corona-Pandemie die letzte Vorstellung der Jahresbilanz verhindert hat, dürfte allerdings nur ein vergleichsweise kleines Ärgernis gewesen sein. Hinderer verlässt das Unternehmen mit wenig erfreulichen Zahlen. Beim Absatz und Umsatz hat das Unternehmen im vergangenen Jahr deutlich Federn gelassen (-6,5 und -6 Prozent). „Das ist ein ungewöhnlich starker Rückgang, den wir so nicht erwartet hatten“, erklärt Hinderer. Größten Anteil an dieser Negativ-Entwicklung hätten Konditionsstreitigkeiten und in der Folge teilweise Auslistungen bei zwei Handels-Kunden. Die Namen der Händler wollte Hinderer nicht nennen. Es sei aber nicht die Edeka gewesen, mit der es in der Vergangenheit zu Spannungen gekommen war.

„Wenn man mit Marken operiert, muss man immer wieder mal Haltung zeigen und die langfristige Unternehmensentwicklung im Blick haben.“ Aktuell stünden Gespräche über Konditionen mit dem Handel wegen der Corona-Pandemie weniger im Fokus.

Neben dem aktuellen Krisenmodus macht der Eckes-Granini Group aber auch die Entwicklung auf dem europäischen Markt zu schaffen. Sowohl beim Volumen (-3,3 Prozent) als auch wertmäßig (-2,6 Prozent) gab es einen Rückgang zu verzeichnen. Dieser war insbesondere durch die Entwicklung bei den ungekühlten Fruchtgetränken geprägt. Eckes-Granini ist mittlerweile mit eigenen Landesgesellschaften und strategischen Partnerschaften in 16 Ländern in Europa aktiv, teilweise mit lokalen Marken wie Joker oder Rynkeby. Den größten Anteil am Gesamtumsatz haben dabei Deutschland (31 Prozent) und Frankreich (20 Prozent).

Wertstabilisierende Markenhersteller
Zufrieden zeigte sich Hinderer mit der Ebit-Entwicklung. Das Vorsteuerergebnis konnte um 12,3 Millionen Euro beziehungsweise 17 Prozent gesteigert werden. Damit seien die Einbußen beim Absatz, Umsatz sowie beim wertmäßigen Marktanteil mehr als kompensiert worden, erklärt der Geschäftsführer. Erzielt wurde dieses Ergebnis durch Kostensenkungen sowie Effizienzsteigerungen durch Investitionen in die europäischen Standorte in den zurückliegenden drei Geschäftsjahren. Auch die Höhe der Eigenkapitalquote von 56 Prozent sei zufriedenstellend. Zudem sei es den Markenherstellern zu verdanken, dass der Saftmarkt in Deutschland zwar seit 2007 33 Prozent Menge verloren habe, im Wert aber leicht gestiegen sei. „Ich kann mich noch gut daran erinnern, als die 1-Liter-PET-Flasche 59 Cent gekostet hat. Heute liegt der Preis in der Regel bei 99 Cent“, so Hinderer zu der Entwicklung, die auch auf teurere Rohstoffe im Zuge der Finanzkrise zurückzuführen ist. Wachstumschancen sieht das Unternehmen bei Bio-Säften und Smoothies.

Wie groß die Auswirkung von Covid 19 auf das nächste Geschäftsjahr sein wird, steht noch in den Sternen. „Der stillgelegte Außer-Haus-Markt wird uns natürlich treffen. Gerade für Spanien, Frankreich und Italien sehe ich nicht viel Grund für Optimismus“, erklärt Hinderer. Für die osteuropäischen Staaten wie Rumänien, Ungarn oder das Baltikum prognostiziert der Eckes-Granini-Chef eine schwindende Kaufkraft, die sich in eingeschränktem Konsum und einer Abkehr von teureren Markenprodukten zeigen könnte. In der gesamten Eckes-Granini Group habe es nach Angaben von Hinderer keinen Fall einer Covid 19 Infektion gegeben. Anders als in anderen Industrien, sieht Hinderer das Geschäft der Eckes-Granini Group zudem nicht durch Liquiditätsprobleme bedroht. „Wir brauchen keine Banken“, so der CEO.

Abschied ist keine Abkehr von der FMCG-Branche
Am 31. Juli 2020 wird Hinderer planmäßig aus seiner Position als Vorsitzender der Geschäftsführung ausscheiden. Sein Nachfolger ist der langjährige L‘Oréal-Manager Tim Berger, zuletzt als „Vice President Western Europe“ für das Geschäft mit Kosmetik und Körperpflege in Westeuropa zuständig. Hinderer blickt auf eine 35-jährige Karriere im FMCG-Geschäft zurück, und war neben Eckes-Granini unter anderem Vorsitzender der Geschäftsführung bei der Unternehmensgruppe Theo Müller. Beim Saftmarktführer wird vor allem seine Abkehr vom Private Label Geschäft in Erinnerung bleiben (O-Ton: „Marke und Handelsmarke vertragen sich nicht“) sowie die europäische Expansion, die zu einer Marktführerschaft in einem Großteil dieser Länder geführt hat. Angesprochen auf seine schwierigste Situation während seiner Zeit in Nieder-Olm nannte der Geschäftsführer die Entwicklung der Rohstoffpreise in Folge der Finanzkrise in 2011. „Das war eine unerwartet dramatische Situation. Früchte, Zucker, der Dollar, alles wurde auf einen Schlag teurer“. Gegenüber der Lebensmittel Praxis erklärte Hinderer, dass er sich mit seinen 61 Jahren noch zu jung fühle, um aufzuhören. Derzeit ist der Manager in zwei Aufsichtsräten aktiv, nämlich bei Apetito und bei Hochland. Weitere Engagements sind im Gespräch, wobei der Fokus auf mittelständische, familiengeführte Unternehmen liegt. „Ich werde nicht nach einem Marathon auf Null schalten, so Hinderer.

Die Unternehmensgruppe bilanziert die Zeit des Managers mit Lob: „Die Gruppe hat an Ertrag, an finanzieller Solidität, an Investitions- und Akquisitionsspielraum gewonnen hat“, heißt es zu seinem Abschied.