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Interview mit Thomas Fritz Mit allen Wassern gewaschen

Tobias Dünnebacke | 02. Februar 2018
Interview mit Thomas Fritz: Mit allen Wassern gewaschen

Bildquelle: Ensinger, Getty Images

Thomas Fritz ist Geschäftsführer von Ensinger, dem größten Mineralbrunnen in Baden-Württemberg. Ein Gespräch über den Wert von Mineralwasser und die Vermarktung als Bio-Produkt.

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Sie wehren sich stark gegen Aussagen, die Sie als für die Mineralbrunnenbranche diskreditierend empfinden. Da wäre beispielsweise der „große Mineralwassertest“ eines Verbrauchermagazins. Die Kernaussage: Auf den Kauf von Mineralwasser kann man verzichten.

Thomas Fritz: Das war einfach eine völlig unzulässige Verquickung von Tatsachen. Ein Urteil bei diesem Test war ja, dass Leitungswasser besser kontrolliert würde. Das stimmt einfach nicht. Ich will unser Leitungswasser nicht schlecht machen, aber da wo es konsumiert wird, nämlich in den Haushalten, wird gar nichts kontrolliert. Ablagerungen in Rohrleitungen, die hygienischen Zustände der Hausanschlüsse und des Wasserhahns – es gibt einfach zu viele Faktoren, die sich hier nicht qualifizieren lassen. Experten raten ja, das Wasser Zuhause erst drei Minuten laufen zu lassen, um sicher zu gehen. Da stellt sich natürlich die Frage nach der Wasserbilanz. Auch wir müssen 1 l Wasser pro Flasche verbrauchen (insb. für die Reinigung), aber das ist deutlich weniger. Und im Gegensatz zu den Haushalten kennen wir die hygienischen Bedingungen bei der Abfüllung in Flaschen sehr genau.

Es gibt immer wieder Meldungen über vermeintlich schädliche Rückstände in unserem Trinkwasser. Nitrat, Pestizide, Kontrastmittel oder die mutmaßlich krebserregende Perfluoroctansäure sind Beispiele. Ist das aus Ihrer Sicht ungerechtfertigte Panikmache?
Die Analysemethoden sind heute einfach viel ausgereifter. Man kann Stoffe sehen, die man noch vor Jahren nicht erkannt hat. Nehmen Sie das Thema Süßstoff. Da bewegen wir uns im Nanogramm-Bereich. Die Lebensrealität hat aber auch gezeigt, dass trotz nachgewiesener Keime und Pestizide im Trinkwasser in mikroskopisch geringsten Mengen es keine Epidemien oder Krankheiten gibt. Die Perfluoroctansäure ist ein anderes Thema. Sie kommt bei der Produktion von Funktionskleidung (Gore-Tex) zum Einsatz und führt zu Depotbildungen in Lebewesen, kann also nicht abgebaut werden. Allerdings frage ich mich: Wenn man mit dem Bio-System Wasser unzufrieden ist, warum ändert man dann nichts?

Fritz über Leitungswasser

„Die Trinkwasserverordnung regelt die Qualität ab Wasserwerk. Aufgrund des Alters, der technischen Ausrüstung und Biofilmsituation in der Hauswasserinstallation kann man nicht davon ausgehen, dass das Trinkwasser bei der Abgabe der Verordnung voll entspricht. Die Regelung der Mineral- und Tafelwasserverordnung, die die Qualität für das abgefüllte Wasser festlegt, gilt im Unterschied dazu für die konkrete Verwendungssituation. Die Hersteller sind gesetzlich verpflichtet, Mineralwässer in Fertigpackungen mit einer Originalitätssicherung abzufüllen.“

Was sollte denn geändert werden?
Man könnte es einfach verbieten, dass solche Stoffe in das Wasser gelangen. Nehmen Sie das Thema Pestizide: Wir könnten heute unsere Landwirtschaft in Deutschland ohne Probleme nach den Kriterien des Ökolandbaus betreiben.

Bio scheint Ihnen eine Herzensangelegenheit zu sein. Ensinger bietet mit seinem Gourmet-Mineralwasser seit 2014 als erster Mineralbrunnen in Baden-Württemberg ein Biowasser an. Ein Marketinggag?
Ich muss zugeben, dass ich zu dem Thema am Anfang auch keinen Bezug hatte, denn Mineralwasser ist per gesetzlicher Definition immer naturbelassen. Allerdings geht die Qualitätsgemeinschaft Biomineralwasser e. V., zu der wir gehören, viel weiter mit ihren Richtlinien, als es die Vorgaben der Mineral- und Tafelwasser-Verordnung verlangt. Beispielsweise bei den Grenzwerten für vom Menschen verursachte Substanzen, bei den Regelungen zur Hygiene und bei der Festlegung der ökologischen Anforderung, insbesondere der Förderung des Wasserschutzes. Wer Bio-Mineralwasser kauft, unterstützt also nicht nur den Schutz unseres wichtigsten Lebensmittels, sondern trägt unter anderem auch dazu bei, dass der Naturschatz „natürliches Mineralwasser“ für nachfolgende Generationen bewahrt wird und Mitarbeiter fair behandelt und bezahlt werden.

In diesem Jahr hat das umstrittene Verpackungsgesetz endlich den Bundesrat passiert. Die Politik hält weiter an einer Mehrwegquote von 70 Prozent fest. Zu Recht?
Das ist Unsinn. Wenn wir über Ökobilanzen reden, geht es schon lange um Pool- oder Individualgebinde und nicht um Mehrweg oder Einweg. Eine Mehrwegflasche nützt gar nichts, wenn sie nach dem Konsum von Hamburg nach München zurückgeführt werden muss. In diesem Fall wäre PET Einweg dem Individual-Mehrweggebinde meilenweit voraus.