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Bier Ohne Umdrehung

Tobias Dünnebacke | 31. März 2017
Bier: Ohne Umdrehung

Bildquelle: Carsten Hoppen

Der Trend zu alkoholfreien Bieren ist nicht neu. Neu ist allerdings die fast schon schwindelerregende Dynamik, die das Segment mittlerweile angenommen hat. Immer mehr Varianten strömen auf den Markt und nehmen mehr Regalfläche in Anspruch. Besonders im Fokus: Biere mit 0,0 Volumenprozent Alkohol.

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„Es gibt Verbraucher die ganz auf alkohol verzichten wollen.“
Uwe Riehs, Krombacher

Der niederländische Konzern Heineken setzt seit März 2017 auf den 0,0-Trend. „Seit Jahren ist alkoholfreies Bier unter der Lupe der Kritiker. Mit ‚Heineken 0.0‘ zeigen wir, dass ein solches Bier nicht nur gut schmecken kann, sondern ein Getränk ist, mit dem man auch gerne gesehen wird – und dies zu neuen Trinkmomenten, in dem man ein alkoholfreies Bier bis jetzt nicht vermutet hätte“, sagt Brand Manager Benjamin Wallenborn. Das Produkt wird im Sixpack in der 0,33-l-Flasche angeboten. Medial unterstützt der Konzern den Launch mit einer großen Plakatkampagne und massiver digitaler Präsenz, zugeschnitten auf die Zielgruppe. Auch Sampling-Aktionen und spezielle PoS-Materialien sollen zum Einsatz kommen.

Der deutsche Wettbewerber Krombacher hat sein Portfolio ebenfalls um zwei 0,0-Varianten erweitert. „Die meisten Verbraucher wissen, dass der geringe Alkoholgehalt von weniger als 0,5 Volumenprozent physiologisch vollkommen unbedenklich ist. Es gibt jedoch Menschen, die prinzipiell gänzlich auf Alkohol verzichten und eine natürliche Alternative zu oft süßen und künstlichen Softdrinks suchen“, sagt Uwe Riehs, Marketinggeschäftsführer bei Krombacher. Zusätzlich zu den klassischen Alkoholfrei-Sorten bietet Krombacher seit Januar ein o,0 Volumenprozent Pils und das nach Unternehmensangaben erste national vermarktete o,0-Prozent-Weizen an. Krombacher ist im Alkoholfrei-Markt nach eigenen Angaben nach wie vor deutlicher Marktführer und verzeichnete 2016 mit 2,8 Prozent einen Zuwachs um 10.000 hl auf aktuell 362.000 hl.


„Die Kunden schwenken aus dem Softdrinksegment um.“
Oliver Bartelt, AB Inbev

Alkoholfreies wächst nicht zu Lasten der klassischen Biere
Ein wichtiger Grund für die neue Dynamik im Markt ist, dass die Brauer mit den alkoholfreien Bieren kaum Kannibalisierungseffekte verzeichnen. „Potenzial sehen wir auf dem Markt der allgemein alkoholfreien Getränke: Warum zu einem zuckerhaltigem Softdrink greifen, wenn man mit einer Flasche ‚Heineken 0.0‘ eine kalorienarme Variante trinken kann?“, sagt Kai Dornbusch, Marketing Director bei Heineken. „Die Kunden schwenken in erster Linie aus dem Soft-Drink-Segment auf alkoholfreies Bier um. Vor allem die vergleichsweise wenigen Kalorien machen diese Biere bei den Verbrauchern beliebt“, bestätigt Bartelt von AB Inbev. Mit 26 kcal pro 100 ml habe etwa Franziskaner Alkoholfrei Blutorange nur halb so viele Kalorien wie ein klassischer Orangensaft. Aus Sicht von AB Inbev hat das alkoholfreie Bier auch den Vorteil, nicht im Wettbewerb zu anderen, noch alkoholhaltigen Getränken zu stehen. „Alkoholfreie Spirituosen gibt es nicht, und alkoholfreie Weine oder Schaumweine werden kaum konsumiert“, betont Bartelt.

Kleine Warenkunde zum alkoholfreien Bier
Wo „alkoholfrei“ draufsteht, ist nicht überall auch wirklich 0,0 Volumenprozent Alkohol drin. Laut Gesetz darf ein Bier als alkoholfrei bezeichnet werden, wenn der Gehalt 0,5 Volumenprozent nicht überschreitet. Wenngleich alkoholfreie Biere mit diesem sehr geringen Restalkoholanteil keine physiologischen Auswirkungen auf den Körper bedingen, könnten trockene Alkoholiker aufgrund der Haptik, der Farbe und des bierigen Geschmacks verleitet werden, doch wieder zu „richtigen“ Bieren zu greifen. Daher sollten trockene Alkoholiker keine alkoholfreien Biere trinken. Einige Hersteller bewerben ihr alkoholfreies Bier als Sportgetränk. Ein Argument ist dabei die isotonische Wirkung. Isotonisch bedeutet, dass die Anteile der festen und flüssigen Elemente im Getränk der Verteilung im Blut entspricht. So ist der Körper in der Lage, nach dem Sport die Nährstoffe schnell aufzunehmen. Die wenigsten Brauereien geben bekannt, wie sie ihr alkoholfreies Bier herstellen.