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Vivaness Feste Pflege im Trend

Bettina Röttig | 10. März 2020
Vivaness: Feste Pflege im Trend
Bildquelle: Erich Malter

Feste Alternativen zu Duschgel und Shampoo, außergewöhnliche Mundhygiene und neue Verpackungskonzepte: In Nürnberg präsentierte die Naturkosmetikbranche ihre Innovationskraft.

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Belebende Düfte, Tageslicht, Massage- und Schmink-Oasen: Wer als Einkäufer die Naturkosmetikmesse Vivaness besucht, bleibt sicher gerne länger. In diesem Jahr sorgten aber auch die weiterhin dynamischen Wachstumsraten des Segments dafür, dass die Fachbesucher in der Nürnberger Messehalle fleißig cremten, schnupperten und testeten.
Nicht selten sorgen auf der jährlichen Leistungsschau alternative Produkte für einen sichtlichen Aha-Effekt. In diesem Jahr traf es die Warengruppe Mundhygiene: Zahnpasta mit aphrodisierendem Wirkversprechen (You & Oil Ki Kiss Me der UAB Biokosmetikos Manufaktúra) dürfte das meist fotografierte Neuprodukt gewesen sein. Inspiriert von der Aromatherapie sollen sich die verwendeten Öle in den Varianten für Ihn (Kardamom-Öl) und für Sie (Jasmin-Öl) ergänzen und zum gewünschten Kribbeln führen.

Im Fokus der Produktentwickler im Naturkosmetik-Segment standen in den vergangenen Monaten insbesondere Inhaltsstoffe wie Aloe Vera (zum Beispiel Logona Feuchtigkeitspflege-Serie mit Bio-Aloe-Vera) sowie Hanf und CBD-Öl. Vor allem jedoch wurde an nachhaltigeren Verpackungs-Konzepten getüftelt. Eindrucksvoll präsentierte die Branche, dass man das Thema Plastikeinsparung nicht den konventionellen Herstellern überlassen will. Auch der Verzicht auf unnötige Wassertransporte wird zum zentralen Verkaufsaspekt.

Bereits etabliert hat sich die Zahnpasta in der Einzeldosis als Tabletten. Dieses Konzept wird nun auf andere Segmente übertragen. Duschgel und Shampoo in Tablettenform bietet beispielsweise die Marke Ben & Anna Natural Care an. Eine Tablette wird in der Hand mit Wasser aufgelöst und der Schaum zum Duschen beziehungsweise Haarewaschen verwendet.

Vor allem jedoch legten die Markenhersteller jede Menge fester Shampoos (Logocos unter den Marken Santé und Logona) und Duschgele in Form von Seifenstücken in Papierverpackungen vor.

Gleich zwei Seifen-Linien als Ersatz für klassische Duschgels und Shampoos stellte Speick unter der Range Made by Speick vor. Auf unterschiedliche Hauttypen abgestimmt und für die Reinigung von Händen, Körper und Gesicht eignen sich die quadratischen Stücke White Soap (mit Rügener Heilkreide), Red Soap (rote Heilerde), Black Soap (Aktivkohle aus Bambus) und Green Soap (marokkanische Lavaerde). Gänzlich „nackt“, also unverpackt, bringt Speick zudem vier Seifen für Haar und Haut in den Düften Zitrone, Blutorange, Kokos und Bergamotte in den Handel. Die neuen Bionatur Soap Bars werden mit RSPO-zertifiziertem Palmöl aus nachhaltigem Anbau hergestellt.

Klimaneutral und plastikfrei
Vier Unisex-Seifen-Varianten hat das Hamburger Start-up Terrorists auf Beauty auf den Markt gebracht. Sie eigenen sich für Gesicht und Körper, die Varianten Block 001 mit Kokosnuss-Kohle und Zedernholz sowie Block 004 (mit Kurkuma und Kakao) eignen sich zudem für die Haarwäsche. Sie werden in Handarbeit in einer Manufaktur in der Nähe von Hannover gesiedet. Auch die FSC-zertifizierte und klimaneutral gedruckte, plastikfreie Verpackung kommt aus Deutschland, verpackt wird in einer Werkstatt für Menschen mit Behinderung.

Wasserneutral – wie der Unternehmensname so auch der USP der neuen festen Gesichtsreinigung der Marke Lamazuna: Die drei Waschstücke in Wolkenform sind abgestimmt auf normale, gemischte und fettige sowie trockene und empfindliche Haut. Unter der Marke Hydrophil (bisher bekannt für nachhaltige Bambuszahnbürsten) präsentierte die Wasserneutral GmbH zwei neue Zahncremes in den Varianten Pure Mint und Sweet Herbs mit B12, die in nachhaltigen Verpackungen daher kommen. Statt aus herkömmlichem PE bestehen die Zahncremetuben zu 95 Prozent aus PEFC-zertifiziertem Fichtenholz. Zum Großteil werden nach Angaben des Unternehmens für die Tube Sägemehlabfälle aus deutschen Schreinereien recycelt, was den Tuben im Vergleich zu herkömmlichen aus Polyethylen eine 40 Prozent bessere CO2-Bilanz beschere. Der Deckel besteht komplett aus zertifiziertem Fichtenholz.

Auch andere Hersteller (etwa Überwood - Gebr. Ewald GmbH) verwenden Holz aus nachhaltiger Forstwirtschaft in ihren Shampoo- und Duschgelflaschen, um Erdöl einzusparen. Für Aufmerksamkeit sorgte Zahnseide in Holzdöschen und Holzgriffe in Tannenform für Interdentalbürstchen (Yaweko).

Größer denn je präsentierte sich die Naturkosmetik-Branche in diesem Jahr Einkäufern aus dem konventionellen sowie Bio-Fachhandel im Rahmen der Vivaness in Nürnberg. Die gewachsene Ausstellerfläche spiegelt die Marktentwicklung wider. Rund neun Prozent Umsatzplus verbuchte der Markt für Naturkosmetik im vergangenen Jahr nach Informationen der Experten von Naturkosmetik-Konzepte Elfriede Dambacher. Die Megatrends Nachhaltigkeit und Gesundheit trieben die Entwicklung, heißt es im aktuellen Jahresreport. Dabei kommt zertifizierte Naturkosmetik allein auf einen Marktanteil von knapp zehn Prozent, zusammen mit naturnaher Kosmetik macht die grüne Beauty-Sparte mittlerweile 18,5 Prozent des Schönheitspflege-Marktes aus. „Vor allem das starke Engagement des LEH zeigt Wirkung“, sagt Mirja Eckert von The New, die den Branchenreport für Elfriede Dambacher weiterführt. Drogeriemärkte und der LEH inklusive Discount bauen Eckert zufolge ihre Marktbedeutung weiter aus. Zusammen generierten sie mehr als die Hälfte des Naturkosmetikmarktes in Deutschland.

Definition fehlt weiterhin
Während in den vergangenen Jahren mildere Inhaltsstoffe und Müllvermeidung das Kernthema der Branche waren, sei heute Transparenz auf der ganzen Linie gefragt, so die Beobachtung. Konsumenten seien immer besser informiert und hinterfragten mehr und mehr, wofür Marken und Unternehmen eigentlich stehen. Vor allem jüngere Konsumenten suchten nachhaltige Konzepte. Die Entwicklung befeuere die Entstehung neuer Marken. Erhöht wird der Druck auf etablierte Naturkosmetikmarken auch durch „grün angehauchte“ Produktkategorien. Zu einer der zentralsten Herausforderungen der Branche gehöre, Konsumenten eine eindeutige Orientierung an die Hand zu geben. Da eine einheitliche, umfassende und klare Terminologie fehle, was unter Naturkosmetik zu verstehen sei, bildeten sich am Markt weitere vereinfachte Begriffe heraus wie Clean Cosmetics oder vegane Kosmetik, ohne dem hohen Anspruch von Naturkosmetik gerecht zu werden, so Eckert.