Warum sollten Händler in den Snacking-Bereich investieren?
Torsten Sydow: Weil dieser boomt. Die Deutschen gehören weltweit zu den Spitzenreitern bei den Ausgaben für Snacks. Vor allem die Nachfrage nach „gesunden“ Snackriegeln steigt. Diese Kategorie zeigt überproportionale Wachstumsraten im Bereich der schnelllebigen Konsumgüter. Er wuchs 2023 um 34, im vergangenen Jahr um 10 Prozent.
Wie definieren Sie denn „gesündere“ Snacks?
Die Kategorie wird in erster Linie dadurch geprägt, was Konsumenten individuell als besser für sich empfinden. Das ist sehr wichtig, denn der Konsument muss sich beim Einkaufen wiederfinden. Im Bereich Snacking gibt es verschiedene Unterkategorien. „Gesunde“ Snackriegel sind dabei eine der am schnellsten wachsenden. Auch Kaugummi und Minzprodukte zeigen starkes Wachstum. Fruchtsnacks, Nüsse und Samen – all diese Kategorien wachsen.
Wenn das Wachstum da ist, warum braucht es eine extra „Goodness Lane“ im Handel?
Wir haben viele Konsumenten befragt und uns intensiv mit dem Handel ausgetauscht. Das Problem ist recht simpel: Der Bereich wächst enorm, aber wenn die Konsumenten in den Supermarkt gehen und nach einem bestimmten Protein- oder Frucht-Nuss-Riegel suchen, wissen sie oft nicht, wo sie suchen sollen. Wir haben festgestellt, dass diese Produkte an vier bis sieben verschiedenen Stellen im Laden verteilt sind. Kein Verbraucher will gerne lange suchen. Außerdem reden wir hier von Impulsprodukten.
Welchen Standort empfehlen Sie?
Wer mit dem Wunsch einkaufen geht, sich „nährstoffreicher“ zu ernähren, der sollte Produkte, die ihn dabei unterstützen, in einem Bereich finden, der diesen Lebensstil fördert. Üblicherweise findet man im ersten Drittel des Supermarkts Obst und Gemüse. Direkt danach empfehlen wir, die sogenannte „Goodness Lane“ zu platzieren.
Welche Produkte gehören in dieses Regal?
Bei den Snackriegeln haben wir sowohl Einzelriegel als auch Multipack-Riegel, also alle Artikel, die in Mehrfachpackungen erhältlich sind, zusammengefasst. Dazu gehören Proteinriegel, Frucht-Nuss- und Müsliriegel. Diese Begriffe sind den Konsumenten geläufig, sie suchen gezielt danach. Auch Fitnessnahrung kann integriert werden. Neu hinzugekommen ist der Bereich Kaugummi. Unsere Marktforschung zeigte, dass ein relevanter Teil der Shopper Kaugummi als gesündere Snack-Alternative sieht. Um es an dieser Stelle deutlich zu sagen: Uns geht es nicht um unsere eigenen Produkte, sondern um Wachstum der gesamten Kategorie.
Und was sagen die Händler zum Konzept?
Das Feedback der Händler ist extrem positiv, denn es handelt sich um ein einfaches Konzept mit einem starken Effekt. Wir schaffen ein Highlight-Regal, das Snacks und Kaugummi zusammen präsentiert. Die „Gesunde“-Snackriegel-Kategorie wächst dadurch durchschnittlich um 60 Prozent, das hat uns selbst überrascht.
Dafür muss der Händler aber auch sehr genau wissen, was seine Kunden wollen.
Selbstständige Händler wissen oft genau, was ihre Kunden suchen, weil sie regelmäßig danach gefragt werden. Aber auch wir wissen von Konsumentenbefragungen, welche Impulse diese Menschen suchen. Der Schlüssel ist, individuell mit jedem Händler zu sprechen. Besonders selbstständige Händler sind daran interessiert, da sie ihre Kunden gut kennen. Dann kann das Angebot maßgeschneidert werden.
Wie viel muss ein Händler investieren?
Das hängt immer ein bisschen von den Gegebenheiten ab. Wir brauchen nicht unbedingt mehr Platz, es kommt darauf an, wo der Platz ist. Wichtig ist vor allem, dass der Händler für Veränderungen bereit ist. Er muss den Willen und das Kundenfeedback mitbringen. Diese Bereitschaft ist meist vorhanden. Zudem braucht er etwas Zeit, um die Umstellung durchzuführen.
Ein Regal braucht er aber auch, oder?
Entweder sind die Regale bereits im Markt vorhanden, oder wir bringen sie mit. Das ist immer eine individuelle Absprache. Wir haben das Konzept überall getestet und festgestellt: Es funktioniert – egal ob mit einem oder 15 Metern.
Was gehört in die kleinste Moduleinheit?
Unbedingt die Topseller mit dem meisten Umsatz und Rotation. Dazu die am besten laufenden Proteinriegel, die beliebtesten Frucht-Nuss- Riegel sowie die gefragtesten Kaugummi-Artikel. Dabei lernen auch wir immer wieder dazu.
Was meinen Sie damit?
Wir wissen von einem Händler, dass sein Absatz von Bio-Ölen, die in der Nähe der Snacks platziert wurden, um 30 Prozent stieg. Unsere eigenen Studien ergaben, dass Konsumenten Obst, Gemüse, Trockenfrüchte, Nüsse und Müsli im direkten Umfeld der „Goodness Lane“ erwarten. Die richtige Strukturierung mit dem vorhandenen Platz hat einen enorm positiven Effekt. Die „Goodness Lane“ strahlt auf ihr Umfeld ab.
