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Cavendish & Harvey Fünf Minuten Entschleunigung

Andrea Kurtz | 05. Juni 2018
Cavendish & Harvey: Fünf Minuten Entschleunigung

Bildquelle: Cavendish & Harvey,

„Die leckeren Bonbons in der goldenen Dose“ kennt laut Rheingold-Marktforschung (fast) jeder, aber zuletzt war es um die Produkte aus dem Hause Cavendish & Harvey im LEH ruhiger geworden. Nach der umfangreichen Restrukturierung starten die Kaltenkirchener jetzt wieder durch.

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Sein Lieblingsprodukt seien die Zitronenbonbons Sour Lemon, und das schon seit seiner Kindheit. Frank Gemmrig, Geschäftsführer von Cavendish & Harvey im norddeutschen Kaltenkirchen, geht seit seinem Eintritt ins Unternehmen 2016 behutsam neue Wege mit dem Bonbonhersteller. Dazu gehörte die leichte Modernisierung der Dose, das Wiederaufleben von anderen Bonbon- und Fruchtgummi-Spezialitäten, der Einstieg in Marketing über Social Media und PR – und jetzt ganz neu die

Entwicklung von Saison-Spezialitäten. Raspberry & Peach heißt die Sommersorte des Jahres 2018 – und sie soll der Vorreiter sein für weitere Saisonprodukte, die jetzt jährlich zu finden sein werden.

Cavendish & Harvey: Fakten
  • 1932: Unternehmensgründung der Paul Schmedding KG, Import und Vertrieb englischer Hartund Weichkaramellen
  • 1959: Auf- und Ausbau des Inlandsgeschäftes mit einem erweiterten Sortiment englischer Süßwaren (durch die Familie Hövelmann sowie den Neffen von Paul Schmedding)
  • 1977: Gründung der Cavendish & Harvey Ltd., London und Entstehung der Marke
  • 1984: Neubau einer Fabrik in Kaltenkirchen
  • 1991: Beginn der Produktion von traditionellen Hartkaramellen
  • 1998: Insolvenz und Gründung der Cavendish & Harvey Confectionery GmbH
  • 2002: Übernahme durch die im Familienbesitz befindliche mittelständische Boettger Gruppe, Berlin
  • Seit 2011: Reorganisation des Unternehmens mit strategischer Ausrichtung auf den Export

Das Unternehmen existiert seit 1932, als Gründer Paul Schmedding begann, zunächst britische Süßwaren zu vertreiben – zunächst von Hamburg aus. Doch sein Neffe und Nachfolger Heinz Hövelmann wollte das weltbekannte ‚British Heritage‘ auch für eine eigene Marke nutzen und ließ sich für den Markennamen vom Londoner Telefonbuch inspirieren. In England wurde die Marke auch angemeldet. 1977 entstand Cavendish & Harvey und startete mit den Fruchtbonbons, später kamen auch Toffees, Fudges sowie die klassischen englischen Wine Gums (Weingummies) dazu.

2002 wurde Cavendish & Harvey an die Berliner Boettger-Gruppe verkauft, die bis in die zehner Jahre des neuen Jahrtausends um- und restrukturierte. Die Sichtbarkeit im Handel und auch an den Tankstellen – die beiden größten Absatzkanäle neben dem Export und dem großen Stellenwert in weltweiten Duty Free Shops – hatte nachgelassen. Vertrieb, Produktion und Produktsortiment wurden gestrafft und neu aufgestellt.

Hausaufgaben gemacht
Der Export bleibt weiter starkes Standbein; rund 80 Prozent des Umsatzes kommen aus den Verkäufen nach China, Asien, Südamerika oder die USA – mit einem Exportwachstum außerhalb Europas von 13 Prozent. Geliefert wird in 90 Länder der Welt. Das ist sehr viel im Vergleich zu den 37 Prozent des durchschnittlichen Exports der deutschen Zuckerwarenindustrie. „Wir haben noch immer Hausaufgaben zu machen“, betont Gemmrig, der sich mit dem rund 160 Personen starken Team in Kaltenkirchen aber jetzt wieder gut aufgestellt sieht. Der Gesamtumsatz 2017 belief sich auf 31,4 Millionen Euro (plus 11,7 Prozent).

Verbraucher erinnern sich gut
Das bestätigt die aktuelle neue quantitative Marktforschung, die belegen soll, was die qualitativen Befragungen vom Rheingold-Institut (Köln) aus dem Jahr 2017 schon zu Tage förderten. Obwohl die Bonbons in den Regalen des Handels kaum noch sichtbar waren, erinnerten sich Kunden gern an die Marke – und verbanden sie mit hoher Qualität, intensivem fruchtigem Geschmackserlebnis und britischem Lebensgefühl. Über 90 Prozent Markenbekanntheit belegen diese emotionale Einschätzung.

Auf diese Emotionalität will Gemmrig jetzt aufsetzen, nutzt dazu Social-Media und Blogger sowie PR-Events. „TV-Werbung werdenSie von uns so schnell nicht sehen“, erläutert der Geschäftsführer. Kreative Plakate und Print sei eher denkbar.

Dazu passen die Online-Aktivitäten über den eigenen Online- Shop. Hier kann man nicht nur bestellen, sondern auch seine individuelle Dose konfigurieren. Cavendish & Harvey setzt damit auf den Trend zur Personalisierung. Doch auch über die Plattform „Go toEmma“ sind die Bonbons erhältlich. Mit solchen Marktplatz- und Online-Formaten soll künftig weiter experimentiert werden, quasi als Startup-Modul in der Old Economy.

Die Mengen, die über Online gehen, tangieren den Handel allerdings nicht. Diesen unterstützen die Kaltenkirchener mit hochwertigen Displays in Metall oder auf Paletten. In der norddeutschen Heimat starten Verkostungen, die sich aufs Bundesgebiet ausdehnen sollen. „Wer uns probiert hat, will uns auch kaufen“, weiß Gemmrig. Deswegen sind die Bonbons auch in den Degusta- und ähnlichen Probierboxen dabei.

Premium - damit könne sich der Handel profilieren und darauf setzt das Unternehmen ausschließlich. Deswegen werden auch nur reine Fruchtsäfte und Aromen für die Bonbons verwendet; es gehe um den authentischen Geschmack. Bis zu 20 Sorten werden eingesetzt. Die Verpackung entspricht diesem Anspruch: Dosen und Gläser können wieder verwendet werden, werden meist auch deswegen gekauft.

Nicht für Kinder
Hauptzielgruppe sollen die erwachsenen Kunden bleiben; die jetzigen Verwender sind meist zwischen 20 und 40 oder zwischen 40 und 60 Jahre alt. Kinder und Jugendliche hat das Unternehmen nicht im Visier. Eher dafür neue Vertriebsformate wie den Verkauf über Popup- Stores, vor allem dort, wo verreist wird, also an Bahnhöfen oder Flughäfen. Oder dort, wo man ein Bonbon braucht – im Kino, im Konzert, im Theater, beim Autofahren. „Ein Bonbon beschert einem Verwender fünf bis sieben Minuten Entschleunigung“, sagt Gemmrig.