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Wägetechnik Obst und Gemüse: Soll der Kunde selber wiegen?

Heidrun Mittler | 12. Februar 2013

Moderne Waagen sind Alleskönner: Sie wiegen, etikettieren, kommunizieren mit dem Warenwirtschaftssystem und fördern den Verkauf. Ein Überblick über die Neuerungen und Vergleich der Systeme.

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Ganz schön knifflig: Was ist denn das für eine kleine Frucht, mit ihrem stachligen Pelz? Litschi, Rambutan oder doch eher Kumquat? Nadine S., Azubine im zweiten Lehrjahr, entscheidet sich für Litschi, sucht die PLU und tippt diese in ihre Kasse ein. Schade, knapp daneben, die quietschgelbe Frucht ist eine Zitrusfrucht namens Kumquat (sie schmeckt übrigens erfrischend sauer, man kann ihre Schale essen!). Aber wer will der jungen Frau einen Vorwurf machen, wenn sie aus mehr als 600 PLU-Nummern die falsche wählt? Solange es die Obst-Produzenten nicht schaffen, den Namen oder am besten gleich einen EAN-Code gut lesbar auf die Frucht zu züchten, bleibt die korrekte Preisermittlung bei Früchten ein spannendes Thema. Dabei kann man grundsätzlich zwei Methoden unterscheiden: 1. Der Kunde wiegt in der Abteilung die gewünschte Ware aus und etikettiert sie. 2. Die Mitarbeiter an der Kasse übernehmen diese Aufgabe.

Für beide Vorgehensweisen gibt es gute Argumente. Rainer Maase, Geschäftsbereichsleiter Retail bei Bizerba, beobachtet, „dass der Trend bei Obst und Gemüse für das Standardsortiment eindeutig wieder in Richtung SB geht“. Hinzu kommt seiner Beobachtung nach häufig eine zusätzliche Bedienungsabteilung für Exoten sowie hochpreisige, empfindliche Ware. Warum das so ist? Maases Antwort: „An der Kasse zählt vor allem Schnelligkeit.“ Vom Kunden selbst gewogene und ausgezeichnete Ware werde an der Kasse eben nur „gescannt und durchgeschoben“. In vielen Fällen rüsten laut Bizerba Märkte, die in den vergangenen Jahren von SB- auf Checkout-Waagen umgestellt hatten, wieder auf die ursprünglichen SB-Waagen um.

Ähnlich argumentiert Wettbewerber Mettler Toledo. Das Unternehmen betont darüber hinaus den „Erfolgsfaktor Kundenbindung“. Jeder Verbraucher soll sich wohlfühlen und seinen Einkauf schnell erledigen können – daher ist es wichtig, dass SB-Waagen für jede Altersgruppe einfach und intuitiv zu bedienen sind – auch bei großer Sortimentsvielfalt.

In den vergangenen Jahren haben die SB-Waagen der führenden Anbieter in Bezug auf Bedienbarkeit und Design deutliche Verbesserungen erzielt: Sie punkten durch große Bildschirme (oft Touchscreens) mit hoher Auflösung, glatte Flächen ohne Rillen (wichtig für die Hygiene) und gut lesbare Etiketten (gedruckt mit umweltverträglicher Farbe).

Darüber hinaus steckt in den Gehäusen der SB-Waagen auch ein Computer: Das eröffnet die Vernetzbarkeit in Warenwirtschaftssysteme (unter anderem Bestellwesen und Bestandsmanagement). Hinzu kommen noch Möglichkeiten, den Kunden emotional anzusprechen und ihn zu Zusatzkäufen zu bewegen. Nur ein Beispiel (bei dem man im Marketing von Cross-Selling spricht): Wenn der Kunde Tomaten auf die Waage legt und die entsprechende Taste drückt, erscheint im Display ein Hinweis auf den Büffelmozzarella, der gerade in der Werbung ist, Basilikum und Aceto Balsamico.

Im Handelsalltag bestimmen weitere Faktoren, wie praktikabel eine Waage ist. Entscheidende Fragen lauten: Wie störanfällig ist das Gerät? Wie häufig muss die Waage gewartet werden? Wie schnell kann ein Mitarbeiter die Etikettenrolle wechseln? Wie lange ist die Druckerpatrone einsatzfähig? Entscheidend ist außerdem, wie leicht sie sich vom Personal umprogrammieren lässt, beispielsweise bei Preisänderungen oder Sonderaktionen.

Eines steht fest: Auch die beste Wägetechnik wird Verluste nicht komplett verhindern können. Diese entstehen generell dadurch, dass entweder der Kunde oder der Kassierer die Früchte falsch identifizieren. Gegensteuern kann man natürlich mit intensiver Schulung des Personals und klarer Auszeichnung der Früchte in der Abteilung. Wo die Fehlerquote höher liegt, ob an Checkout- oder bei SB-Waagen, ist schwer zu beziffern, dazu liegt kein belastbares Zahlenmaterial vor.

Beim SB-Wiegen muss man ferner berücksichtigen, dass manche Kunden schummeln und nach dem Etikettieren weitere Früchte in die Tüte packen. Diesen Diebstahl verhindert man am besten durch zusätzliches Personal in der Abteilung, das den Kunden mit Rat und Tat zur Seite steht und gleichzeitig die Abteilung beaufsichtigt. Moderne Systeme zeigen heute an der Kasse das Gewicht an, welches der Kunde für die Ware ermittelt hat. So kann der Kassenmitarbeiter beide Werte miteinander vergleichen.

Interessant: Auf der EuroCis präsentieren mehrere Waagen-Anbieter eine neuere Generation von Modellen, die dank einer integrierten Kamera selbst erkennen, welche Frucht gewogen wird. Die Bilderkennungs-Software wurde in den vergangenen Jahren stetig verbessert, was die Trefferquote deutlich ansteigen lässt.

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