Anzeige

Fußball-EM Anpfiff im Handel

Christina Steinheuer | 22. Februar 2012

Die Fußball-Europameisterschaft ist für Hersteller eine Chance, Produkte in Szene zu setzen. Händler können ihren Kunden Abwechslung bieten.

Anzeige

Polen und die Ukraine sind vom 8. Juni bis 1. Juli Gastgeber der Fußball-EM. Spielend Mehrumsätze zu erreichen, daran glaubt kaum jemand aus Industrie und Handel – viele setzen gar nicht erst auf neue Produkte, sondern nur auf neue Verpackungen oder eine Neuauflage der WM-Produkte und Aktionen. Schwer tun sich viele auch deshalb, weil Polen und die Ukraine keine in Deutschland großartig kulinarisch verankerten Nationen sind.

Während die Deutschen italienisches, spanisches und griechisches Essen oder auch die Asia-Küche lieben, fallen dem Endverbraucher nur mühsam typisch polnische oder ukrainische Produkte ein. Also ist für viele der Fußball an sich der Anknüpfungspunkt: Gleich mehrere Edeka-Regionalgesellschaften starten zur EM eine Treueaktion mit Schlümpfen. Die kleinen blau-weißen Figuren, die es ab einem bestimmten Einkaufswert gibt, sind auf Fußball getrimmt. Ans Sammelfieber der Deutschen appellieren auch diverse Lebensmittel-Hersteller, die ihren Packungen Sammelbilder, Tattoos und anderes hinzufügen.

Einen ganz anderen Weg geht Peter Bungenberg. Er ist in Deutschland der einzige Repräsentant für Food und agrarische Produkte des EAICC (Euro-Asian International Chamber of Commerce), also der ukrainischen Handelskammer. Sie wurde erst 2006 gegründet und ist offizieller Vertreter einer Reihe von Programmen, die durch die EU gefördert werden. Bungenberg kümmert sich um 35 Unternehmen aus der Ukraine, die mit ihren Produkten verstärkt nach Deutschland wollen.

„Alle produzieren nach europäischen Standards, sind international zertifiziert, haben Export- sowie Deutschland-Erfahrung und zählen in der Ukraine zu den Marktführern“, betont er. „Außerdem haben sie die Kapazität und die Logistik, um den deutschen Handel beliefern zu können.“ Anlässlich der EM bietet Bungenberg dem deutschen Handel drei Pakete an. Viele Zentralen hat er bereits mit Mustern versorgt. „Ukraine feiern“ heißt ein Getränke-Paket (Wodka, Sekt aus der Krim, Fruchtsäfte, Smoothies), „Ukraine genießen“ ist eine Zusammenstellung von Spezialitäten (Kaviar, Lachs, veredelter Frischfisch, Suppen, Eintöpfe, Marmeladen, Brotaufstriche, Waffeln usw.), und „Ukraine erleben“ (Kartoffelsnacks, Hülsenfrüchte, Ketchup, Sonnenblumenöl) ist das Paket für den alltäglichen Bedarf. „Wir können jeweils die Artikel so zusammenstellen, dass wir je nach Wunsch des Handelspartners ein Einstiegspreis-, Mittelpreispaket oder ein hochpreisi ges Paket haben.“

Polen-Regal und Ukraine-Paket
Während die Ukraine im deutschen LEH für Pioniere noch Potenzial bietet, ist Polen ein bereits „beackerter“ Markt. In Städten mit vielen polnisch-stämmigen Einwohnern oder in Dörfern, in denen polnische Saisonarbeitskräfte im Ernteeinsatz sind, gibt es in den Supermärkten bereits Polen-Regale und Polen-Aktionen. Würstchen „nach polnischer Art“ werden bereits von vielen Fleischverarbeitern produziert (z.B. Marke Böklunder). Auf eine einfache Handhabung für die Mitarbeiter der Fleischabteilungen im LEH zielt das Konzept des Gewürz-Spezialisten Van Hees: „Wir bieten unseren Kunden Ideen und Rezepturen, die sie ohne großen Mehraufwand mit bestehender Ausstattung umsetzen können“, sagt Marketingleiter Robert Becht. Pfiffige Namen wie Brat-Bomber, Triller Griller oder Tor-Jäger inklusive.

Auf einen ganz anderen Faktor setzt die Molkerei Bauer. Da sich im Umfeld von Großereignissen wie einer EM ganz neue Verzehrsituationen schaffen ließen, wurde laut einer Unternehmenssprecherin eigens zu diesem Anlass „Der große Bauer Schoko LaOla“ kreiert, der ausschließlich während des Turniers erhältlich sein soll. Es wird sich also im Handel in Summe schon einiges um die EM drehen, ob dabei viele Schnelldreher sein werden, bleibt abzuwarten – und wer weiß, vielleicht schafft es sogar ein ukrainischer Artikel zum Produkt-Champion.