Blicken Sie für uns über den deutschen Tellerrand nach Europa: Was ist angesagt bei salzigen Snacks?
Traditionelle Geschmacksprofile dominieren weiterhin die Neuprodukteinführungen in diesem Segment. Ganz klar vorn liegen gesalzene und geröstete Varianten. Gleichzeitig verleiht die Kategorie klassischen Aromen zunehmend mehr Twist und Intensität. Marken setzen dabei auf überraschende Kooperationen und reagieren auf die wachsende Nachfrage nach Schärfe, indem sie den Intensitätsgrad erhöhen und vermehrt sogenannte „Swavoury“- und „Swicy“-Kombinationen aufgreifen: also süß-herzhaft oder süß-pikant beziehungsweise süß-scharf wie etwa Hot Honey.
Haben Sie ein Beispiel?
Besonders anschaulich zeigt sich dies im Vereinigten Königreich: So greift Colman’s mit Honey & Mustard Peanuts & Cashews den „Swicy“-Trend auf, Takis Blue Heat treibt die Schärfe auf die Spitze, während Doritos Gingerbread süße Geschmacksnoten in die Snackkategorie bringt. Zudem nutzen führende Marken Geschmack ganz gezielt als Instrument zur Zielgruppenaktivierung. Doritos „Flamin’ Hot or Not?“ etwa inszeniert ein „Bold Game“, bei dem jeder vierte Chip extra scharf ist. Das Ziel ist in diesem Fall immer: Neugier wecken und Aufmerksamkeit in den sozialen Medien erzeugen.
Wo sehen Sie Potenzial für den deutschen Markt?
Neuheit bleibt ein zentraler Treiber für 53 Prozent der Konsumenten hierzulande. Beim Thema Schärfe ist jedoch Fingerspitzengefühl gefragt. Das zeigt sich in der Gastronomie und Außer-Haus-Verpflegung: Zwar wünschen sich 39 Prozent der deutschen Foodservice-Konsumenten schärfere Gerichte, 61 Prozent lehnen jedoch eine stärkere Schärfe ab. Diese Präferenz für „scharf, aber nicht zu scharf“ spielt insbesondere süß-scharfen Geschmacksprofilen in die Karten. Diese Kombination interessiert 35 Prozent der deutschen Konsumenten.
Welche globalen Entwicklungen sind besonders spannend?
In Nordamerika gewinnen Claims wie „ohne Zusatzstoffe“ und „ohne Konservierungsmittel“ bei Neueinführungen salziger Snacks an Bedeutung. Besonders prominent ist die neue „Simply NKD“-Linie von Frito-Lay: Sie rückt den Verzicht auf künstliche Aromen und Farbstoffe ins Zentrum der Markenbotschaft. Für den deutschen Markt ist dieser Trend hoch relevant: 66 Prozent der Befragten sagen, dass Marken bei salzigen Snacks ausschließlich natürliche Aromen verwenden sollten.
Welche Rolle spielt Textur?
Internationale Produkteinführungen experimentieren verstärkt mit Texturvielfalt. Das japanische Unternehmen Bourbon etwa kreierte „Gachi Jaga Salted Potato Chips“: Der Hersteller beschreibt sie als außen knusprig, innen zäh und auf der Zunge schmelzend. Snacks mit mehreren Texturen sprechen auch hierzulande 67 Prozent der Verbraucher an – ein deutliches Marktpotenzial.
Ist Sauer relevant?
In Nordamerika gewinnen saure Geschmacksrichtungen an Bedeutung. Allen voran „Dill Pickle“, das sich rasant über Nüsse, Samen, Chips und sogar Fleischsnacks hinweg verbreitet. Cheetos „Flamin’ Hot Dill Pickle Flavored Puffs“ kombiniert dies mit Schärfe. In Europa bislang wenig ausgeschöpft, bieten saure Geschmackskomponenten Potenzial zur Differenzierung in einem Markt, in dem scharfe Aromen zunehmend an Strahlkraft verlieren.