USA Pistazien gewinnen an Boden – wie sich der Nussanbau verändert

Hintergrund

Kaliforniens Nussanbau gerät unter Druck. Wasser, Regulierung und Kosten verschieben die Produktion – mit Folgen fürs deutsche Snackregal?

Montag, 20. April 2026, 07:40 Uhr
Theresa Kalmer
Aufsteiger im Nussregal: Pistazien punkten im Anbau mit höherer Toleranz gegenüber Trockenheit und Salz. Bildquelle: Getty Images

Eine Handvoll Mandeln am Nachmittag, ein paar Walnüsse im Salat – Nüsse gelten als unkomplizierter Snack und profitieren vom Trend zur bewussten Ernährung. So stieg in den vergangenen zehn Jahren der Verbrauch von Schalenobst in Deutschland laut Bundesinformationszentrum Landwirtschaft (BZL) um rund 27 Prozent. Für den Handel bedeutet das: steigende Bedeutung der Kategorie – bei hoher Abhängigkeit von globalen Lieferketten.

Denn ein Großteil der Ware stammt aus den USA: Rund 57 Prozent der Mandeln, 62 Prozent der Walnüsse und 76 Prozent der Pistazien kommen laut BZL von dort. Kalifornien allein liefert etwa 80 Prozent der weltweit gehandelten Mandeln. Entsprechend groß sind die Dimensionen: Das US-Landwirtschaftsministerium (USDA) schätzte die Mandelernte 2025 auf rund 1,27 Millionen Tonnen. Gleichzeitig ging die Anbaufläche das vierte Jahr in Folge zurück.

Wasser wird zum Nadelöhr

Grund dafür ist vor allem der hohe Ressourcenbedarf. Für eine einzelne Mandel werden mehr als vier Liter Wasser benötigt – das sind rund 3.200 bis 3.600 Liter pro Kilogramm über den gesamten Anbauzyklus. Mandelbäume benötigen kontinuierliche Bewässerung und reagieren empfindlich auf Wasserstress – besonders in den heißen, trockenen Sommern im Central Valley. Entsprechend sind sie vollständig auf künstliche Bewässerung angewiesen. Die Versorgung erfolgt über Reservoirs und Grundwasser, das sich über Jahrtausende gebildet hat und sich deutlich langsamer erneuert, als es genutzt wird, erklärt Agrarwissenschaftler Patrick Brown von der UC Davis. Gleichzeitig verschiebt der Klimawandel weniger die Wassermenge als deren Verfügbarkeit: Niederschläge werden unregelmäßiger, Schneeschmelzen setzen früher ein. „Wichtiger als der Klimawandel selbst ist die zunehmende Klimavariabilität“, sagt Brown.

Doch Wasserknappheit allein erklärt die Entwicklung nicht. „Der Klimawandel hat bislang nur einen vergleichsweise geringen Einfluss – gravierender sind die Veränderungen bei den Wasserregulierungen“, sagt Agrarökonom Daniel Sumner, ebenfalls von der UC Davis. Auch Branchenvertreter sehen die Hauptursache in politischen Rahmenbedingungen. „Das größere Problem ist das Wassermanagement durch staatliche und föderale Behörden“, sagt Roger Isom von der Western Tree Nut Association. Pumprestriktionen zwangen viele Betriebe zu stärkerer Nutzung von Grundwasser – das daraufhin ebenfalls reguliert wurde.

Strukturwandel im Anbau

Die Folgen dieses Drucks zeigen sich bereits im Anbau. 83 Prozent der Mandelbauern nutzen inzwischen wassereffiziente Mikrobewässerung, die Wasser­effizienz ist seit 1990 um 33 Prozent gestiegen, so das Almond Board of California. Doch die Fortschritte haben ihren Preis: Laut UC Davis sind die Betriebskosten in den vergangenen fünf Jahren um 27 bis 40 Prozent gestiegen. Für viele Betriebe wird damit die Frage immer drängender: Welche Kulturen lohnen sich überhaupt noch?

Die Antwort fällt zunehmend zulasten der Walnuss aus. „Walnüsse stehen klar unter Druck – viele Erzeuger steigen, wo möglich, auf Pistazien oder Mandeln um“, sagt Isom. Sumner bestätigt: „Viele Walnussflächen wurden gerodet und nicht neu bepflanzt.“ Ein Grund dafür ist auch der verschärfte Wettbewerb: China und Chile bauen ihre Produktionen aus und erhöhen damit den Preisdruck auf dem Weltmarkt. Kalifornien bleibt zwar ein wichtiger Anbieter, verliert laut Sumner jedoch an globaler Bedeutung im Walnuss­segment.

Anders der Markt für Pistazien: Sie profitieren von geringem Wettbewerb, stabilen Preisen und höherer Toleranz gegenüber Wasser- und Salzstress. Prognosen der American Pistachio Growers zufolge könnte die kalifornische Anbaufläche auf über 328.000 Hektar wachsen, die Produktion bis 2031 auf mehr als 907.000 Tonnen steigen. Pistazien entwickeln sich damit zum klaren Gewinner. Mandeln bleiben zwar das Rückgrat der Branche, kämpfen aber mit steigenden Kosten und sinkender Rentabilität. Zudem habe sich die Nachfrage in Segmenten wie Mandelmilch zuletzt abgeschwächt, so Sumner. Der Export gewinnt dadurch weiter an Bedeutung. Zusätzliche Unsicherheit bringt die Handelspolitik ins Spiel: Zwar sind geplante EU-Strafzölle auf US-Mandeln derzeit ausgesetzt, doch Konflikte bleiben ein Risikofaktor. „Politische Spannungen könnten zu Importbeschränkungen führen“, so Sumner.

Die Auswirkungen sind auch im deutschen Markt sichtbar. „Der Klimawandel verändert den globalen Markt spürbar und bringt neue Herausforderungen mit sich“, sagt Tim Jerg, Marketing Director bei Seeberger. Temperaturschwankungen, Dürren und Hochwasser in Anbauregionen wie Kalifornien stellten Erzeuger schon heute vor Probleme. Das Unternehmen setzt daher auf langfristige Partnerschaften, unterstützt nachhaltigere Anbaumethoden und stellt seine Beschaffung breiter auf, um Risiken besser auszugleichen.

Was im Regal ankommt

Auch Kluth reagiert: „Für Walnusskerne und Mandeln setzen wir bereits seit vielen Jahren auf verschiedene Anbauländer“, sagt Micha Christian Kohn, Leiter Markenvertrieb. Das Unternehmen nutzt dies auch, um von versetzten Erntezeiten zu profitieren. Gleichzeitig bleibt Kalifornien zentraler Taktgeber: Laut Kluth orientieren sich die Weltmarktpreise vieler Nüsse weiterhin stark an der dortigen Ernte. Pistazien bezieht das Unternehmen weiterhin ausschließlich aus Kalifornien. Aktuell planen weder Seeberger noch Kluth Anpassungen in ihren Sortimenten.

Für den Handel deutet sich eine Verschiebung an: Mandeln bleiben dominant, Pistazien gewinnen und Walnüsse könnten an Sichtbarkeit verlieren. Gleichzeitig steigen die Anforderungen an Beschaffung und Preise.