Teens und Kids Die Kunden von Morgen

Früh übt sich, was ein Käse-Esser werden will. Deshalb ist es wichtig, Kinder schon in jungen Jahren fürs Sortiment zu begeistern. Wie funktioniert das und welche Tricks gibt es dabei?

Donnerstag, 17. November 2011 - Sortimente
Tobias Dünnebacke
Artikelbild Die Kunden von Morgen
Bildquelle: Marchisello

„Man muss mit den Kindern von Anfang an sprechen“, weiß Ingrid Tiebe, Erstkraft an der Käsetheke im Remstal-Markt Mack in Weinstadt. Das fällt ihr nicht schwer, sie kennt ja schon die Mütter mit dickem Bauch und den Nachwuchs meist, seit er auf der Welt ist. Das Team an der Mack’schen Käse-Bedienungstheke bezieht im Kundengespräch die Kinder mit ein, immer wird gefragt, ob die kleinen Kunden Käse probieren möchten. Die meisten entscheiden sich für eine Scheibe „Kinderkäse“, das ist ein Oldenburger Butterkäse. Doch es gibt tatsächlich solche, die schon in jungen Jahren Manchego essen, Höhlen-Gruyére oder andere würzige Käse – dann bekommen sie das Gewünschte.

An den Theken von Meike Bergmann (3 Edeka-Märkte in und um Lüneburg) wird der Nachwuchs mit allen Sinnen angesprochen: Frischkäse mit kindgerechten Geschmacksrichtungen wie Schokolade, Waldmeister oder Erdbeere wird in Form von Eiskugeln präsentiert und mit Streuseln garniert. Kürzlich zu Halloween war Kürbis-Frischkäse im Angebot. „Es muss lustig aussehen!“, weiß Meike Bergmann. Ihre Fachfrauen verstehen es, Figuren aus Gemüse zu schnitzen oder einen Käse-Igel zu fertigen – so etwas spricht Kinder an und „verleitet“ zum Probieren.

Bei Rewe Scholand in Mülheim und Essen sind „Käsefüße“ der Knaller für die Kleinen. Sie sind schnell und einfach an der Bedienungstheke gemacht: Aus einer Scheibe Käse wird mit Hilfe eines Ausstechers (so wie beim Plätzchenbacken) die Form herausgearbeitet, der Rand anschließend klein geraspelt. Das ist nun wirklich kein Kunststück – lässt aber Kinderaugen leuchten und bindet die künftigen Käufer ans Geschäft.

„Es muss fürs Auge schön sein“, bestätigt Dilek Yildirin, zweite Fachfrau an der Käsetheke im Sky-Markt in Hamburg-Wellingsbüttel. Ausstechformen mit Enten oder Vögeln eignen sich gut, sie nutzt in erster Linie milde Sorten wie Gouda. Aber es klappt auch mit Bergkäse, erzählt sie. Mache kleinen Kunden mögen’s würziger.

Snzezana Klinko, Erstkraft an der Theke im Rewe-Markt Albstadt, hat unter ihren Stammkunden viele Lehrer und Erzieher. Einige davon haben sich schon mit einer Gruppe den Markt angeschaut, dabei wurden sie natürlich an der Käsetheke verköstigt. Mittlerweile fragen Kindergärten und Schulen auch direkt an, ob eine Führung mit anschließendem Frühstück im Rewe-Markt möglich ist. Snzezana Klinko weiß: Wenn Kinder nett behandelt werden und sich im Geschäft wohl fühlen, kaufen die Eltern gern hier ein. Sie bietet den kleinen Kunden immer ein Scheibchen Käse an. Am besten läuft dabei Butterkäse, „aber ein paar Mutige probieren auch schon einmal Bergkäse oder Appenzeller“.

Viele Anbieter hingegen tun sich schwer, wenn es um typische Kinderprodukte geht. Klar, es gibt Erzeugnisse, welche die Kids aufgrund ihrer Milde gern essen: Frischkäse, junge Schnittkäse, Schmelzkäse zum Streichen oder als Scheiben. Aber Produkte der Gelben Linie, die speziell für die ganz junge Zielgruppe konzipiert sind, sind nur selten zu finden.

Und dafür gibt es gute Gründe, denn solche Konzepte konnten sich in der Vergangenheit nicht immer durchsetzen. Nils Döhring beispielsweise, Leiter Marketing der FrieslandCampina Cheese GmbH mit Sitz in Essen, berichtet, dass sein Unternehmen den Kinderkäse „Giraffi“ wieder vom Markt genommen hat. Bis 2008 offerierte man einen Gouda: Die Scheiben wiesen die Form eines Giraffenkopfes auf, die Packung war auffällig und kindgerecht bedruckt. Das Unternehmen hatte natürlich relativ viel Verlust durch das Ausstanzen, was letztlich auch mit den Anstoß gab, das Produkt vom Markt zu nehmen.

Döhring geht davon aus, dass die Mütter und Väter ein „unverfälschtes“ Produkt bevorzugen. Erzeugnisse, die mit Schmelzsalzen versetzt sind, kommen deshalb laut der Frico-Philosophie nicht in Frage. Stattdessen konzentriert sich der international tätige Konzern wieder „auf die alten Werte“ und rückt Gouda in den Blickpunkt. Speziell der „Noord Hollander“ soll als Premium-Gouda Akzente setzen. Seine Nachricht für die Eltern lautet: „Ein Butterbrot mit Gouda ist gut“ – auch, wenn es um die Ernährung von Kindern geht.

{tab=Bilder}Fotos: Presseteam Kämper, Marchisello

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