Selstar „Reif“ für den Markt

Der Apfel „Selstar“, ein Elstar mit hohem Selengehalt, ist das Ergebnis eines Forschungsprojektes der Hochschule Osnabrück. Nun hat er den Sprung vom Versuchsfeld in den Handel geschafft.

Freitag, 26. März 2021 - Sortimente
Hedda Thielking
Artikelbild „Reif“ für den Markt
Bildquelle: Christoph Budke, Hochschule Osnabrück

Vier Jahre lang drehte sich in einem Forschungsprojekt der Hochschule Osnabrück alles um den Apfel. Das Forscherteam unter der Leitung von Prof. Dr. Diemo Daum wollte herausfinden, wie sich ein selenhaltiger Blattdünger auf die Fruchtqualität, den Ertrag, die Lagerfähigkeit und den gesundheitlichen Wert eines Apfels auswirkt. Dabei hatte man auch seinen Selengehalt im Visier. Hintergrund: Die Böden in Europa sind selenarm, somit enthalten auch die meisten pflanzlichen Lebensmittel wenig von diesem Spurenelement. „Da die Blattdüngung im Obstbau bereits üblich ist, haben wir die Apfelbäume mit einem neu entwickelten selenhaltigen Dünger auf Algenbasis besprüht“, berichtet Prof. Dr. Diemo Daum. Dieser entspricht den Vorgaben der Düngemittelverordnung, im Bio-Anbau wird er aber nicht verwendet.

Selen + Elstar = Selstar
Getestet wurde im Lauf der Jahre eine Reihe von Apfelsorten. Das Rennen machte eine rotschalige Variante der beliebten Sorte Elstar. Sie wird in Deutschland angebaut, hebt sich optisch von anderen Sorten ab und ist reich an wertvollen sekundären Pflanzenstoffen. Was hat das Forscherteam herausgefunden? „Während die Düngung keinen Einfluss auf die Fruchtqualität und Lagerfähigkeit, den Geschmack und Ertrag des Apfels hat, ist der Selengehalt im Elstar um das Zehnfache gestiegen. Damit deckt ein Apfel bereits ein Drittel des täglichen Selenbedarfs eines Erwachsenen“, berichtet der Projektleiter. Dieses Spurenelement ist wichtig für das Immunsystem und die Bildung von Schilddrüsenhormonen. „Der Apfel kann bei Menschen mit zu geringer Selenzufuhr die mögliche bestehende Versorgungslücke schließen“, ist Daum überzeugt. Nun musste der neue Apfel unter der Marke „Selstar“ – eine Wortschöpfung aus Selen und Elstar – „nur noch“ vermarktet werden.

Vermarktung über Elbe-Obst und Edeka Minden-Hannover
Dafür hat die Hochschule Osnabrück zwei Partner ins Boot geholt: Elbe-Obst (mit drei Obstbaubetrieben im Alten Land) und Edeka Minden-Hannover. In den Obstbaubetrieben wurden die Elstar-Bäume von Juni bis August drei- bis viermal besprüht und der Selengehalt regelmäßig getestet. Verkauft wurden die Selstar-Äpfel im Absatzgebiet der Edeka Minden-Hannover. „Die Vermarktung ist kein Selbstläufer, da es sich um ein erklärungsbedürftiges Produkt handelt. Deshalb ist es wichtig, dass der Selstar in Szene gesetzt wird und die Mitarbeiter Auskunft geben können. Sonst ist kein Kunde bereit, den höheren Preis zu bezahlen“, sagt Prof. Dr. Diemo Daum. Er ist aber überzeugt: „Für den Handel ist der Selstar ein Premiumprodukt.“ Die Verkaufszahlen sind vielversprechend, die Wiederverkaufsrate liegt bei 90 Prozent. Deshalb möchte er die Produktion und die Vermarktung sukzessive ausbauen.

Dazu 3 Fragen an Meral Grube, Vertriebsspartenleiterin Obst & Gemüse, Blumen, Edeka Minden-Hannover, zur Vermarktung des Selstar im LEH.
Wie haben Sie den Apfel Selstar vermarktet?
Meral Grube: Für das gemeinsame Pilotprojekt mit der Hochschule Osnabrück haben wir mit drei Elbe-Obst-Produzenten aus dem Alten Land zusammengearbeitet. Wir haben die Selstar-Äpfel zum Beispiel im 600-Gramm-Papptray mit je vier Äpfeln angeboten und für 2,99 Euro im Absatzgebiet der Edeka Minden-Hannover in 335 Edeka-Märkten vermarktet. Im Rahmen des Pilotprojektes wurden von Ende September 2020 bis Anfang März 2021 insgesamt rund 30 Tonnen Selstar-Äpfel verkauft. Aktuell sind sie ausverkauft.

Wie haben Sie den Verkauf gefördert?
Mit Storytelling-Plakaten und attraktiverer, nachhaltiger Pappverpackung haben wir in den Märkten für die Selstar-Äpfel geworben und so auf die gesundheitlichen Vorteile hingewiesen, zum Beispiel mit dem Claim „Selen trägt zur normalen Funktion des Immunsystems bei“. Die Edeka Minden-Hannover hat zusammen mit der Abteilung Verkaufsförderung der Edeka-Zentrale und dem Lieferanten Elbe-Obst ein neues Zweitplatzierungsformat getestet, das den Verkauf des Selstar-Apfels erfolgreich gesteigert hat. Die Basis dieses neuen Formates ist ein Einkaufswagen, der mithilfe verschiedener dekorativer Elemente Produkte flexibel und aufmerksamkeitsstark in Szene setzt. Weitere Informationen gibt es auf www.selstar.de.

Wie geht es nun weiter?
Wir werten gemeinsam mit der Hochschule Osnabrück die Ergebnisse des Pilotprojektes und deren Verbraucher-Studie aus. Abschließend bewerten wir, wie wir für die Saison 2021/2022 vorgehen wollen.

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