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Verpackung Verpackung auf Diät

Bernd Liening | 28. April 2017
Verpackung: Verpackung auf Diät

Bildquelle: gettyimages, Penny, Edeka Brüggemeier, Rewe

Weniger ist mehr, wenn es um Plastik geht. Denn dieses wird meist aus dem endlichen Rohstoff Mineralöl hergestellt. Bananen ohne Folie oder Mehrwegboxen an Bedientheken zeigen, wo die Reise hingeht.

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Ökologisch vorteilhaft und trotzdem das Füllgut schützen: Die Verpackung muss eine Menge können. Dazu bedarf es dann aber auch gemeinsamer Anstrengungen aller Beteiligten: Hersteller, Handel, Verbraucher. Eine Marschrichtung gibt das Ende März verabschiedete Verpackungsgesetz vor. Damit will der Gesetzgeber erreichen, dass mehr Abfälle aus privaten Haushalten recycelt werden und Hersteller mehr ökologisch vorteilhafte und recyclingfähige Verpackungen verwenden.

Ab 2019 müssen die von Industrie und Handel finanzierten dualen Systeme deutlich höhere Recycling-Quoten erfüllen. Diese gelten für alle Verpackungen, die bei dualen Systemen lizenziert sind. Die Recycling-Quote für Kunststoffverpackungen steigt bis zum Jahr 2022 von heute 36 Prozent auf 63 Prozent. Die Recycling-Quoten bei Metallen (heute bei 60 Prozent), Papier (70) und Glas (75 Prozent) sollen bis 2022 auf 90 Prozent steigen.

Auch Einzelhändler werden in die Pflicht genommen: Sie müssen am Regal kennzeichnen, wo Mehrweg- oder Einweggetränke stehen. So sollen sich Verbraucher bewusster für Mehrweg oder Einweg entscheiden können.

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Was ist Öko ?

Der Runde Tisch Eco Design und die IK Industrievereinigung Kunststoffverpackungen treiben das sogenannte Eco Design von Kunststoffverpackungen weiter voran. Dazu wird während der Verpackungsfachmesse „Interpack“ in Düsseldorf am 5. Mai ein für Besucher offenes Forum organisiert. Auf die Frage „Was macht Eco- Design aus?“ lautet die Antwort häufig „gute Recyclingfähigkeit“. Das ist den Mitgliedern des Runden Tisches Eco Design zu eindimensional. Sie arbeiten an einem praxisorientierten Leitfaden, der die Umwelteigenschaften von Kunststoffverpackungen weiter verbessern soll. Gleichzeitig soll Eco Design als Topthema der Verpackungsindustrie noch stärker in den Branchenfokus und die öffentliche Wahrnehmung rücken. Beim Forum in Düsseldorf werden beispielsweise Philippe Blank, Innovation & Sustainability Manager bei Henkel, und der Verpackungsexperte Harald Pilz die Schutzfunktion von Verpackungen und die Vermeidung von Lebensmittelverlusten als weiterer Parameter von Eco Design beleuchten. Zur Interpack (4. bis 10. Mai) werden rund 2.700 Aussteller aus 60 Ländern Produkte und Lösungen rund um die Verpackung ausstellen.

Der Handelsverband HDE, der Markenverband, die Bundesvereinigung der Deutschen Ernährungsindustrie und die Industrievereinigung Kunststoffverpackungen unterstützen das Verpackungsgesetz. „Es schafft die Voraussetzungen dafür, dass Deutschland seine internationale Vorreiterrolle beim Recycling nicht nur halten, sondern weiter ausbauen kann“, sagt Kai Falk, Geschäftsführer Umwelt beim HDE. Er begrüßte auch die zunächst geplante Abschaffung der Mehrwegquote: Dies sei konsequent, weil der Gesetzgeber bereits mit der Einführung eines gesetzlichen Pflichtpfandes auf Einweg-Getränkeverpackungen auf die dauerhafte Unterschreitung dieser Quote reagiert hatte. Doch schon ein paar Tage nach der Verabschiedung des Gesetzes gab es die erste Korrektur: Der Umweltausschuss des Bundestages entschied, dass nun doch wieder eine Mehrwegquote von mindestens 70 Prozent festgelegt werden soll. Sanktionen seien aber nicht geplant, falls die Quote nicht erreicht werde. Das Gesetz soll dann – wenn alles glatt geht – zum 1. Januar 2019 in Kraft treten.

Zur Verringerung der Verpackungsmengen haben Handelsunternehmen längst auch eigene Initiativen gestartet. Zu den jüngsten Maßnahmen gehört das Laser-Logo-Projekt der Rewe Group. In einem Pilotprojekt wird getestet, ob Plastikverpackungen bei Obst und Gemüse ersetzt werden können, indem man die bisher auf die Folie gedruckten Produktinfos per Lasertechnik direkt auf die Produkte druckt. Rewe hat sich nach eigenen Angaben zum Ziel gesetzt, unnötige Verpackungen komplett aus den Regalen zu verbannen, ohne einen schnelleren Verderb zu riskieren oder gegen gesetzlich notwendige Deklarationen von Produkten zu verstoßen.

Höflich ist die beste Lösung

Die Open-Close- Verpackung der STI Group ist eine „Höfliche Verpackung“. Mit dem „Silver-Pack- Award“würdigt das Meyer-Hentschel Institut Verpackungen, die es ihrem Nutzer leicht machen (einfach zu öffnen), höflich zum Produkt (es gut schützen) oder besser sind für die Umwelt (wenig Ressourcen verwendet). Open Close ist eine Faltschachtel für granulare Produkte (Zucker, Tierfutter, Waschmittel etc.). Das sagte die Jury: „Open Close lässt sich durch eine Perforation mit gut greifbarem Überstand leicht öffnen, der Inhalt ist gut dosierbar, der Verwender kommt nicht mit dem Produkt selbst in Berührung.“

Avocados und Süßkartoffeln sind die ersten Produkte, die bei Rewe und Penny mit der neuen Methode des „natürlichen“ Labelings (Natural Branding) gekennzeichnet werden. Ein gebündelter Lichtstrahl „schreibt“ auf die Schale der Früchte alle Informationen wie Name des Produktes, Herkunft und Ähnliches. Dabei werden lediglich Pigmente der äußersten Schalenschicht abgetragen. Das Labeling findet nur an der Oberfläche statt, ist völlig kontaktlos und hat laut Rewe keinen Einfluss auf Geschmack, Qualität oder Haltbarkeit. Das „natürliche“ Labeling benötigt neben dem Laser keine Hilfsmittel und ist somit bei Früchten möglich, bei denen die Schale entfernt wird, aber auch bei Früchten, bei denen sie mitgegessen wird. Diese neue Kennzeichnung von Bio-Obst- und -Gemüse könnte zukünftig Umverpackungen überflüssig machen, die lediglich dazu dienen, Verwechslungen zwischen Bio- und konventioneller Ware zu vermeiden.

Penny geht noch einen anderen Weg, um bei Obst auf Folie verzichten zu können. Bananen sollen nicht mehr in Folie eingeschweißt verkauft werden: Sie tragen stattdessen nur noch eine Banderole mit den notwendigen Produktinformationen. Der für Ende März geplante Start verschiebt sich laut Penny in Richtung Ende April. Los geht es dann mit den Märkten in Norddeutschland, bis zum Sommer sollen sämtliche 2.150 Filialen in Deutschland folgen. „Mit den Bananen stellen wir einen echten Volumenartikel um. Jährlich verkaufen wir rund 35.000 t Bananen. Dank Banderole werden wir nun 6,4 Mio. qm weniger Plastikfolie verbrauchen“, sagt Stefan Magel, COO Penny.

Preise ziehen an

Die Mehrzahl der Hersteller von Kunststoffverpackungen erwartet in den kommenden Monaten einen Anstieg der Rohstoffkosten. Auch die 2017 weiter steigenden Energieabgaben belasten die Branche. Dies betrifft nach Darstellung der IK Industrievereinigung Kunststoffverpackungen vor allem die EEGUmlage, die in diesem Jahr den neuen Rekordwert von 6,88 Cent/kWh erreicht. Steigende Rohstoffund Energiepreise werden aus Sicht der Unternehmen in den nächsten Monaten auch bei Verpackungen zu entsprechenden Preiserhöhungen führen. Diese dürften amMarkt durchgesetzt werden können, denn die gute Branchenkonjunktur des vergangenen Jahres setzt sich laut einer Umfrage unter den in der IK organisierten Unternehmen auch in diesem Jahr weiter fort.

Bereits 2016 hat Edeka Brüggemeier in Kleve ein Mehrwegsystem auf den Weg gebracht, das jetzt noch weiter ausgebaut wird. Über den Stand der Dinge und die Zukunftspläne hat sich Bundesumweltministerin Barbara Hendricks höchstpersönlich im Brüggemeier-Markt in der Klever Unterstadt informiert. „Deutschland produziert immer mehr Müll. Wir wollten unseren Teil dazu beitragen, diesem traurigen Trend aktiv entgegen zu wirken“, erklärt Denis Brüggemeier das Engagement des Familienunternehmens. Mit dem neu entwickelten System, das mit dem Veterinäramt abgestimmt wurde, können die Kunden an den Frischetheken ihre von zu Hause mitgebrachten oder im Markt gekauften Mehrwegboxen mit Käse-, Fleisch- und Wurstwaren befüllen lassen. Außerdem wird gegen Pfand eine speziell für den Lebensmittel-Einkauf entwickelte Faltbox zur Verfügung gestellt, mit der auch große und schwere Einkäufe sicher transportiert werden können.

Sowohl an den Bedientheken als auch an der Kasse können die Kunden so ohne Plastikbeutel auskommen. Das Angebot werde von Woche zu Woche besser von den Kunden in Anspruch genommen, sagt Denis Brüggemeier. Umweltministerin Hendricks zu diesem in NRW bislang einmaligem System: „Das Konzept ist beispielgebend und ein Schritt in die richtige Richtung.“

In Kleve reifen bereits die nächsten Projekte: Mehrweg-Eierboxen und wiederverwendbare Obst- und Gemüse-Tragebeutel anstelle des Plastik-Knotenbeutels. „Beides werden wir noch in diesem Jahr umsetzen“, sagt Denis Brüggemeier.