Wasser Sparsam! - Wasser: Teil 3

Ohne Wasser keine Nahrungsmittel und kein Leben. Innerhalb der nächsten 35 Jahre wird die weltweite Nachfrage nach Wasser nach Schätzungen der UN um die Hälfte steigen. Zeit, sich mit der knappen Ressource zu beschäftigen. Nachhaltiges Wassermanagement schont nicht nur die Umwelt, sondern auch die Geldbeutel von Lebensmittelhandel und -industrie.

Montag, 10. Oktober 2016 - Sortimente
Bettina Röttig
Artikelbild Sparsam! - Wasser: Teil 3

Inhaltsübersicht

Den Verbraucher mitnehmen
Während bei vielen Produkten der Großteil des Wasserfußabdrucks in der Landwirtschaft und Weiterverarbeitung anfällt, liegt er in anderen Warengruppen maßgeblich in der Hand des Verbrauchers. So schätzt man beim Düsseldorfer Körperpflege- und WPR-Spezialisten Henkel, dass bei der Anwendung der eigenen Produkte rund 700 Mal mehr Wasser verbraucht wird als in der Produktion benötigt. „Die Wasserressourcen der Erde sind ungleich verteilt und durch zunehmende Verschmutzung und Übernutzung bedroht. Für uns ist es daher ein wichtiges Ziel, den Wasserverbrauch während Produktion und Anwendung unserer Produkte zu reduzieren“, betont Uwe Bergmann, Head of Sustainability Management bei Henkel. „In den vergangenen Jahren konnten wir unseren Wasserverbrauch pro t Produkt um 58 Prozent senken.“

Nachhaltigkeit ist bei Henkel fest in den Innovationsprozess verankert. Ein Beipiel für Produktentwicklungen, die nicht nur im Produktionsprozess, sondern auch in der Anwendung zu Hause die Ressource Wasser schonen, sind die Farbfang-Tücher der Marke Sil. Sie bieten einen Farbübertragungsschutz beim Waschen bunter Textilien, so dass die Wäsche nicht mehr nach Farben getrennt gewaschen werden muss. Pro Tuch könne durchschnittlich ein zusätzlicher Waschgang und dadurch Energie, Wasser, Materialien und Abfall eingespart werden. Ein weiteres Beispiel ist die Überarbeitung der Formulierungen von Gesichtspflegeprodukten, die einst Mikroplastik enthielten. Seit Anfang 2016 werden alle neuen Kosmetikprodukte von Henkel weltweit ohne feste Mikroplastikpartikel formuliert.

Über 90 Prozent des Energie- und Wasserverbrauchs der Kosmetik-Produkte von Henkel, die nach der Anwendung ausgespült werden, entstehen während des Gebrauchs, ergaben Analysen zum CO2-Fußabdruck. „Um bei unseren Verbrauchern das Bewusstsein hierfür zu stärken, nutzen wir zunehmend das Potenzial digitaler Medien“, sagt Bergmann. Verbraucher könnten sich zum Beispiel über einen Ressourcen-Rechner online (schauma.de) informieren, wie sie durch ihr Verhalten den Wasserverbrauch und ökologischen Fußabdruck, aber auch die Kosten für das Duschen, Baden, Haaretrocknen, Zähneputzen und Händewaschen entscheidend beeinflussen können. In Vorbereitung ist gerade die Initiative „Be smarter. Save water.”, um wassersparendes Verhalten zu ermutigen (smarterinitiative.de)

Interview mit Axel Kölle: Tipps für den Handel

Welchen Stellenwert hat das Thema Wasser im Rahmen der Nachhaltigkeitsstrategien des Handels?
Axel Kölle: Wassermanagement in Supermarktketten wird meist aufgrund ganzheitlicher Nachhaltigkeitsstrategien mitberücksichtigt. Wasserkosten haben gegenüber Energiekosten jedoch eher eine untergeordnete Rolle. Das Energieeinsparpotenzial scheint der größte ökonomische Anreiz zu sein. Das Thema Wasser eignet sich aber auch sehr gut dafür, Mitarbeiter für das Thema Nachhaltigkeit insgesamt zu sensibilisieren. Nachhaltigkeit hört nicht am Werkstor nach Feierabend auf, vielmehr nehme ich es „mit nach Hause“.

Was sind die drei wichtigsten Punkte, die in einem Supermarkt in Sachen nachhaltiges Wassermanagement beachtet werden sollten?
Mögliche Ansätze, um den Umgang mit Wasser in Supermärkten nachhaltiger zu gestalten, sind: 1. die Reduktion der Entnahmemenge z. B. durch Einrichten einer Regenwasserzisterne und Nutzung des Regenwassers für die Fußbodenreinigung oder Toilettenspülung wie es etwa die Rewe vormacht. 2. Die Verbesserung der Abwasserqualität, etwa durch Auswahl geeigneter, ökologisch verträglicher Reinigungsmittel und 3. durch einen generellen, sparsamen Umgang mit Reinigungsmitteln jeglicher Art. In Sachen Umwelteinfluss in Bezug zum Wassermanagement spielen die Produkte selbst die entscheidende Rolle.

Bitte geben Sie ein Beispiel…
Tomaten aus Spanien haben einen weitaus schlechteren Wasserfußabdruck als regionale Tomaten (Spanien: 83 l/kg; Deutschland: 35 l/kg) und führen vor Ort zu erheblichen Umweltwirkungen wie Wasserknappheit, Bodenverschmutzung, Grundwasser- und Bodenversalzung.

Welche Handlungsempfehlungen sollte jeder Mitarbeiter, ob im Supermarkt oder in der Produktion befolgen, um schonender mit der Ressource Wasser umzugehen?
Generell geht es darum, die Mitarbeiter für alltägliche Dinge und Wassereinsparpotenziale zu sensibilisieren, sei es bei hygienischen Anwendungen oder auch (Reinigungs-) prozessen in der Produktion. Es gilt, die Mitarbeiter etwa in den Bereichen Produktentwicklung oder Marketing zu befähigen, neben anderen Nachhaltigkeitsaspekten auch das Thema Wasser stärker bei der Entwicklung neuer Produkte sowie der Anpassung bestehender Produkte als Kriterium zugrunde zu legen.

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