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Brot und Backwaren Theis Backstop Mit dem Rollator geht es zum Brotschalter

Susanne Klopsch | 19. August 2014

Mit dem Rollator geht es zum Brotschalter In Nordhessen hat Bäcker Achim Theis an ehemaligen Tankstellen mit seinen Backstops eine Marktlücke geschlossen. Sehr zur Freude der älteren Kunden.

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Bei den zwölf Backstop-Filialen von Achim Theis fährt alles vor, was Räder hat – vom Rolls-Royce bis zum Rollator war schon alles dabei. „Unsere Zielgruppe haben wir ursprünglich definiert mit dem Worten ,Alles, was Auto fährt’“, beschreibt Bäckermeister Achim Theis. „Eigentlich dachten wir dabei vermehrt an junge, motorisierte Leute. Überrascht haben mich die Älteren.“ Gerade Kunden mit Gehbehinderung fahren zwar oft noch Auto, meiden aber den Einkauf im Laden, der mit Ein- und Aussteigen und mit Laufen verbunden ist. Und im ortsnahe gelegenen Backstop in Spangenberg trifft man nicht selten Kunden, die mit dem Rollator am Drive-in-Schalter „vorrollen“.

Seine Kunden hat Bäckermeister Theis in der ländlichen Region bislang auf den klassischen Wegen erreicht: über die Bäckerei oder die Verkaufsfahrzeuge, die 57 Dörfer anfahren. Stammsitz der Bäckerei ist Beiseförth, ein Dorf mit 1.300 Einwohnern in Nordhessen. Eine Region, die über Jahre als Zonenrandgebiet tituliert wurde, weil die DDR-Grenze so nahe war und der boomende Westen so fern. Infrastruktur, Kultur, Industrie – in Nordhessen Fehlanzeige. Und daran hat sich nichts geändert. Für die kommenden 20 Jahre wird mit einem Einwohnerschwund von 25 Prozent gerechnet. Die Jungen arbeiten im nahe gelegenen Melsungen oder in Kassel, wenn sie nicht gleich wegziehen. Eingekauft wird nach Büroschluss, also nicht zu den klassischen Öffnungszeiten. Und auch auf die Hupe des Bäckerwagens wartet kaum einer mehr.

Also fackelt Theis nicht lange, als ihm eine Tankstelle an der Bundesstraße 83 direkt an der Einmündung zum Firmensitz in Beiseförth angeboten wird, und unterschreibt den Pachtvertrag. Nach ein paar Wochen steht das Vertriebskonzept: ein Drive-in für Backwaren. Vorgefahren wird wie bei Fastfood-Ketten. Aber: Große Auslagen bieten einen Blick auf das gesamte Sortiment, der Verkauf ist kundenorientiert und persönlich wie in einem Laden vor Ort.


Dort, wo ehemals Zapfsäulen standen, gibt es nun eine Art Verkaufscontainer. Viel Glas, viel Transparenz, ein und dieselbe Auslage rechts wie links, Ausgabeschalter in Autofensterhöhe, einfache Beschilderung von An- und Zufahrt direkt von der Bundesstraße aus. Als er vor zwölf Jahren in seinem rot-weiß gehaltenen Backstop das Licht anknipste, blieben die Kunden aus. Sie mussten erst lernen, was ihnen da offeriert wurde. Inzwischen gibt es zwölf Shops in einem Umkreis von 60 km rund um Beiseförth. Allein durch learning by doing.

Zum Erfolg tragen das breite Sortiment und die Qualität bei. Neben den klassischen Backwaren wie Brot und Brötchen kann man in den Backstops auch Sahneschnitten oder Gebäckstücke kaufen. Dazu Kaffee to go in diversen Varianten, alkoholfreie Getränke, warme Bockwurst und auch Zeitungen. „Unser Umsatz basiert auf allen vier Säulen, die alle ungefähr den gleichen Anteil einnehmen“, so der Geschäftsführer. Inzwischen verfügt jede Filiale über einen Backautomaten, wodurch Brötchen ständig frisch zur Verfügung stehen. Kleiner Nebeneffekt: abends geringere Retouren.

Theis setzt auf eigene Rezepturen und Rohstoffe aus der Region: Das Mehl etwa kommt aus einer Obervorschützer Mühle, die Bockwürste liefern zwei Melsunger Metzgereien. Insgesamt werden 17 Bäcker in Beiseförth beschäftigt. Dazu kommen fünf Auszubildende, drei Angestellte in der Verwaltung und rund 100 Mitarbeiterinnen im Verkauf. „Motivation ist mir enorm wichtig“, sagt Achim Theis. Davon lebe der Verkauf. Im Gegenzug bietet der Bäckermeister Flexibilität bei dem Arbeitszeitwünschen seiner Mitarbeiterinnen.

Die Backstops sind von Montag bis Samstag jeweils von 5 bis 20 Uhr geöffnet. Sonntags wird ein bisschen später angefangen und aufgehört. Wochentage mit Umsatzschwerpunkten gibt es nicht. „Da hängen wir mehr vom Wetter ab“, hat Achim Theis gelernt.