Molkereiprodukte Bezeichnungsschutz ist nur vergossene Milch

Milchsubstitute haben gute Marktaussichten. Auch wenn der Bezeichnungsschutz für Milch gerade eben wieder vom EU-Parlament gestärkt wurde. Nicht zuletzt, weil es um mehr geht als nur um einen Milchersatz, meint der Deutschland-Geschäftsführer der Haferdrinkmarke Oatly, Helge Weitz.

Mittwoch, 16. Dezember 2020 in Molkereiprodukte
Friederike Stahmann
Artikelbild Bezeichnungsschutz ist nur vergossene Milch
Bildquelle: Oatly

Bedeutet der erneut bestätigte Bezeichnungsschutz Milch für die Haferdrink-Marke Oatly ein Schlag ins Kontor?
Helge Weitz: Der Änderungsantrag 171 zielt darauf ab, die Marktbedingungen für Milchprodukte auf pflanzlicher Basis zu verschlechtern und schafft damit unfaire Wettbewerbsbedingungen – nicht nur für uns, sondern für alle Anbieter im Bereich der pflanzlichen Milch-alternativen. Vor allem aber für die Verbraucher und produzierenden Unternehmen, die versuchen, ihren Teil dazu beizutragen, die nachhaltige Transformation unseres Ernährungssystems zu beschleunigen, ist diese Ergänzung zum Bezeichnungsschutz ein herber Schlag.

Braucht eine so starke Marke wie Oatly überhaupt den Vergleich mit Milch?
Es geht nicht darum, ob wir als Oatly den Vergleich zu Milch brauchen – bereits 2017 hat der Europäische Gerichtshof die Verwendung der Bezeichnung „Milch“ für pflanzliche Alternativen verboten.

Um was geht es dann?
Es geht vielmehr darum, dass wir keine künstlichen Barrieren aufbauen, die den Konsumenten den Umstieg von tierischen auf pflanzliche Nahrungsmittel erschweren, und damit einen positiven Wandel hin zu einer nachhaltigeren Lebensmittelproduktion verlangsamen. Augenscheinlich versucht hier die Milchindustrie, so viel Widerstand wie nur möglich aufzubauen und aufrechtzuerhalten.

Wie sollen Verbraucher wissen, wofür sie beispielsweise ein pflanzliches Sahneersatzprodukt oder eine pflanzliche Joghurtalternative verwenden sollen, wenn diese Produkte nicht mit traditionellen, bekannten Produkten verglichen werden beziehungsweise sogar nicht einmal mehr ähnlich aussehen dürfen? Die Verschärfung des Bezeichnungsschutzes würde diese Transparenz unnötig erschweren.

Also Klimaschutz durch Ernährungsveränderung?
Die Lebensmittelindustrie ist für etwa 25 Prozent der globalen Emissionen verantwortlich, unsere Ernährungsweise hat also einen massiven Einfluss auf das Klima. Ein großer Teil dieser Emissionen könnte eingespart werden, wenn wir uns vermehrt pflanzlich ernähren – genau dazu wollen wir die Menschen befähigen, indem wir nachhaltigere und vor allem auch leckere pflanzliche Alternativen bieten.

In Zahlen gesprochen?
Wir haben das Unternehmen Carbon Cloud gebeten, den Unterschied der Klimaauswirkungen von Kuhmilch und unserem Haferdrink zu berechnen. Berechnungen vom Feld bis zur Lagerung zeigen, dass schwedische Kuhmilch etwa 1,1 bis 1,2 Kilogramm CO2-Äquivalent pro Liter verursacht, während ein Oatly-Haferdrink im Durchschnitt ungefähr 0,3 Kilogramm CO2-Äquivalent pro Liter erzeugt.