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Molkereiprodukte Kundenwunsch

Heidrun Mittler | 13. September 2020
Molkereiprodukte: Kundenwunsch
Bildquelle: Initiative „Du bist hier der Chef!“

Die Milch der Verbrauchermarke „Du bist hier der Chef“ nimmt Fahrt auf. In Kürze sollen weitere Molkereien die Milch abfüllen und vermarkten.

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Innovativ und basisdemokratisch – so beschreibt sich die Initiative „Du bist hier der Chef!“. Sie hat eine „Verbrauchermarke“ entwickelt, für die Konsumenten bereit sind, 1 Euro 45 für einen Liter Milch zu zahlen.

Es funktioniert so: In einer Online-Befragung der Verbraucherinitiative konnten Konsumenten über konkrete Produktionsdetails für die Erzeugung von Milch und die Bereitschaft, dafür auch zu zahlen, abstimmen. Für die so definierte Milch müssen die Kühe mindestens vier Monate Weidegang haben, im Stall überwiegend frisches Gras während der Vegetationsperiode fressen und ausschließlich regional hergestellte Futtermittel im Trog vorfinden. Die Anwendung eines neuen Tiergerechtheitsindex soll ein Mehr an Tierwohl im Stall sicherstellen. Insgesamt ein Kriterienkatalog, der noch über den Bio-Standard hinausgeht.
Seit Juli produzieren bereits 15 Landwirte in Nordhessen nach diesen Vorgaben. Die Milch ist bei der Rewe erhältlich und wird für 1 Euro 45 pro Liter gehandelt. Die Pioniere: die Upländer Bauernmolkerei in Willingen-Usseln. Diese bezeichnet Nicolas Barthelmé, Gründer und Sprachrohr der Initiative, als einen Glücksgriff. „Das Produkt, das die Verbraucher favorisieren, passt perfekt zu dieser Molkerei.“

Nun kündigt Barthelmé an, dass drei weitere Molkereien – eine im Norden, eine im Osten und eine im Süden Deutschlands – in Kürze die fair erzeugte, frische Milch vertreiben werden. Namen nennt er noch nicht, erklärt aber, dass es sich um regionale, mittelständische Betriebe handelt. 

Von Beginn an war geplant, dass die Milch dezentral vertrieben wird. „Es macht keinen Sinn, die Ware durch ganz Deutschland zu karren“, argumentiert der Initiator, der zuvor 20 Jahre lang in der Ernährungsindustrie gearbeitet hat. In Frankreich, wo die Bewegung „Du bist hier der Chef!“ ursprünglich startete, ist das anders: Da beliefert die drittgrößte Molkerei des Landes den gesamten französischen Markt, allerdings mit H-Milch.

In Deutschland setzt die Initiative auf mittelständische Unternehmen und nimmt in Kauf, dass diese aufgrund ihrer geringeren Größe höhere Kosten haben als Großmolkereien wie DMK oder Arla. Der Branchenkenner erläutert: „Wenn man pro Woche drei Paletten rausfährt, kostet das pro Packung deutlich mehr, als wenn man ganze Züge mit Ware ausliefert.“ Und schon die Produktion ist erheblich teuerer als Standardmilch, schließlich bekommt der Landwirt 58 Cent pro Liter. Wie sich die Kosten zusammensetzen, macht die Initiative transparent.

Die Milch erlebt jedenfalls unglaubliche Medienresonanz. Sie steht demnächst auch bei Tegut im Kühlregal. Zudem haben zahlreiche selbstständige Kaufleute Interesse angemeldet.