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Unterwegs Im Blickpunkt: Käse!

Heidrun Mittler | 02. Oktober 2019
Unterwegs: Im Blickpunkt: Käse!
Bildquelle: Michael Breuer

An den Frischetheken steht meist der Bereich Fleisch und Wurst im Mittelpunkt. Nicht so bei Nadyn Hörcher, sie rückt Käse in den Fokus. Unterwegs mit der Käsefachberaterin der Rewe West.

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Wie gut, dass Nadyn Hörcher eine Frühaufsteherin ist. Heute Morgen um sechs hat sie schon die erste E-Mail auf den Weg gebracht.
Spätestens halb sieben sitzt sie schon im Auto, um kurze Zeit später im ersten Stau des Tages zu stehen. Eine gute Gelegenheit, um ein paar Telefonate zu führen. Hörcher hat in der Rewe Group Region West eine außergewöhnliche Position: Als „Gebietsverkaufsmanagerin Käse Service“ ist sie in der ganzen Region für das Thema Käse zuständig. Dabei arbeitet sie im Verbund mit 22 Gebietsmanagern Ware, die sich um einzelne Servicebereiche, wie Fleisch, Fisch, Bake-off oder Gastronomie kümmern.
Die gelernte Groß- und Außenhandelskauffrau weiß aus eigener Erfahrung: In den Märkten liegt die Priorität meistens bei Fleisch und Wurst. „Käse hat nicht unbedingt den Stellenwert, den er eigentlich verdient“, beschreibt sie diesen Aspekt. Ihre Aufgabe ist es, den Käse in den Fokus zu rücken, bei Marktmanagern, Kaufleuten und natürlich dem Thekenpersonal.
Endlich angekommen im ersten Markt: Hier in Goch wird heute Neueröffnung gefeiert. Vor zwei Jahren war der Markt an der holländischen Grenze abgebrannt und wurde komplett neu aufgebaut. In der Zwischenzeit war das Team der Käse-Bedienungstheke in anderen Märkten eingesetzt. Nun hatte sie als Coach drei Tage lang Zeit, das Team wieder zu formen, zwei Quereinsteiger, die zuvor bei anderen Unternehmen waren, auf Kurs zu bringen und den neuen Abteilungsleiter für Käse zu sensibilisieren. Dabei hat sie kräftig mit angepackt, die Theke mit eingeräumt und das Personal an der Ware geschult.
Der Markt brummt, die Kunden stehen bis zur Tür hinaus, um die angekündigten Aktionen zu erleben und die Eröffnungsangebote mitzunehmen. Jetzt muss das Thekenteam unter Beweis stellen, dass es auch in der Praxis funktioniert.
Die Expertin begutachtet zufrieden die 2,50 Meter lange Käsetheke. Ihr Steckenpferd sind selbst gemachte Käsetorten. Die letzten Tage hat sie mit dem Team vier davon produziert, sie stehen nun prominent in der Auslage.
Aber, was ist das? Die frischen Pfefferminze-Blättchen sind durch die Kühlung vertrocknet. Zuallererst muss also frische Minze her!
Ansonsten sieht die Theke prima aus, dass Thekenpersonal harmoniert und bedient ununterbrochen – für sie der Moment für die erste Tasse Kaffee am Tag. Gemeinsam mit ihren Kollegen Ulrike Eilers-Falk und Frank Viertel, beide Gebietsmanager Ware, bespricht sie, was in diesem Markt noch ansteht. Gefragt sind Lösungen, die sofort umsetzbar sind. „Kompliziert – das kann im Markt kein Mensch brauchen“, lacht sie. Noch eine kurze Verabschiedung beim Marktleiter, dann macht sie sich wieder auf den Weg.
Die Käsefrau sieht sich selbst als Bindeglied zwischen Einkauf und Vertrieb. Sie unterstützt die Mitarbeiter „draußen“, also in den Märkten. Sie kümmert sich mit dem Category Management-Team um die regelmäßige Sortimentsarbeit, spüren Trendprodukten auf und recherchiert regionale oder lokale Hersteller.
Wenn eine Theke nicht ihren Vorstellungen entspricht, juckt es sie in den Fingern, gleich selbst mit anzupacken. Klar, dass sie dann schon mal in einem Markt länger bleibt als ursprünglich geplant. Grundsätzlich aber stehen zwei bis drei Stationen pro Tag auf dem Programm, abhängig von der Strecke.

Lange Autofahrten und Staus gehören zu ihrem Alltag
Die Region West ist groß, sie besucht Märkte mitten in Rheinland-Pfalz bis hin zu Märkten im nördlichen Nordrhein-Westfalen. Seit genau einem Jahr arbeitet sie in dieser Position, in dieser Zeit hat der Wagen 60.000 Kilometer mehr auf dem Tacho.
Außerdem steht konzeptionelle Arbeit am Schreibtisch auf dem Programm. Nadyn Hörcher organisiert Schulungen, bei denen sie zum Beispiel zeigt, wie man mit dem Thema Eigenproduktion Mehrwerte schaffen kann. Bei anderen Seminaren klärt sie praktische Fragen, zum Beispiel: Wie muss man Tag für Tag an der Theke arbeiten, damit sie verkaufsbereit ist und appetitlich aussieht? Dabei zeigt sie Schnitttechniken, demonstriert das Einfolieren der Ware, erläutert die Thekenpräsentation sowie standortbezogene Sortimentsgestaltung.
Eine gute Stunde später parkt sie in Düsseldorf. In der Westfalen-Straße hat vor drei Wochen ein neuer Rewe-Markt im Rather Carré eröffnet. Heute kommt sie unangemeldet, möchte sehen, wie das Käsegeschäft läuft. Sie schnappt sich ihren weißen Kittel, meldet sich bei Marktmanager an und prüft als erstes den selbst abgepackten Käse in der Cabriotheke. Sind die Käsewürfel ordentlich geschnitten? Die Etiketten sauber aufgeklebt?
Doch da kommt schon Louisa Geuting hinter der Theke hervor. Die aufstrebende Nachwuchskraft bedient heute bei der Wurst, ist aber ebenso bei Käse zu Hause. Jetzt freut sie sich, dass sie eine Ansprechpartnerin für ihr Problem gefunden hat: Manche PLU-Nummern beim Käse funktionieren nicht, und das ärgert die junge Frau.

Problemlöserin für kleine und große Anliegen
Nadyn Hörcher lässt sich die gesperrten PLU-Nummern an der Waage zeigen, schießt als Gedächtnisstütze ein Handyfoto und verspricht, sich am späteren Nachmittag um die Frage zu kümmern. Eine weitere Kollegin, Heike Daniels, ist hinter der Theke aktiv. Hörcher geht mit ihr einige Punkte im Sortiment durch, Platzierung, Schnitttechnik und Einfolieren, und erklärt ihr den Blick durch die „Rewe-Brille“.
Die beiden Frauen besprechen eine geplante Schulung speziell für die Thekenkräfte in diesem Markt. Denn auch hier sind neue Mitarbeiter ins Team gekommen. Die Schulung aber braucht natürlich Vorlaufzeit und die Abstimmung mit den Verantwortlichen vor Ort.
Nur ganz kurz will die Käseexpertin, die auch mehrere Jahre im Einkauf gearbeitet hat, noch einen dritten Markt besuchen. „Wenn es gut läuft“, sagt sie, „verteile ich nur ein paar Streicheleinheiten fürs Personal und bin schnell wieder weg“. Oder es wird ein längerer Aufenthalt, wenn die Theke in diesem Markt nicht ihren Vorstellungen entspricht.
Sie muss sich sputen, um später nicht in die Rush-Hour zu kommen, sonst steht sie wieder ewig auf der Autobahn. Morgen ist in der Zentrale eine Sitzung rund um die Service-Abteilungen angesagt, bei der sie selbst einige Themen präsentiert. Darauf möchte sie sich natürlich auch noch vorbereiten.
Ihre Arbeitstage sind lang und nicht planbar, doch Nadyn Hörcher macht die Arbeit „super viel Spaß“. Auch wenn sie eigentlich mit Fleisch und Wurst in dem Beruf eingestiegen ist, schlägt ihr Herz heute für Käse. Und für die Mitarbeiter in den Märkten.