Die privaten Haushalte in Deutschland kaufen wieder mehr Käse. Das berichtete Kerstin Keunecke, Bereichsleiterin für Milchwirtschaft der Agrarmarkt Informations-Gesellschaft (AMI), am 30. September 2026 in der Flora in Köln. In ihrem Vortrag „Analyse und Ausblick – Der Milch- und Käsemarkt im Faktencheck“ beim Kongressteil des Käse-Stars 2026 der Lebensmittel Praxis ordnete sie die Einkaufsmengen in einen Langfristtrend ein. „Auch da sehen wir langfristig einen steigenden Trend“, sagte Keunecke mit Blick auf die Einkaufsmengen der Haushalte. Das passe sowohl zur Produktion als auch zum Pro-Kopf-Verbrauch.
Wie bedeutend Käse im Molkereisortiment ist, machte Keunecke an den Ausgaben der Haushalte deutlich. Von jedem Euro, den private Haushalte für Molkereiprodukte ausgeben, entfällt ihrer Darstellung nach rund die Hälfte auf Käse. Danach folgen Milch samt Sahne sowie Butter. Erklären lässt sich das auch mit dem Preisniveau: Käse ist höherpreisig als etwa ein Liter Trinkmilch, wie die AMI-Expertin anmerkte.
Discounter legen beim Käseverkauf zu
Beim Einkaufsort dominiert die Selbstbedienung klar. „Neun von zehn Kilo“ Käse würden im SB-Regal gekauft, sagte Keunecke. Auf die Bedienungstheke entfallen zwischen 5 und 6 Prozent, auf vom Handel vorverpackte Ware rund 2 bis 3 Prozent. Zwar seien die Einkaufsmengen an der Käsetheke insgesamt zurückgegangen – das müsse sie „leider“ berichten. Sie legte jedoch Wert auf die Einordnung und ging nach eigenen Worten dafür tiefer in die Zahlen. Angesichts von Rezession, Ukraine-Krise sowie hohen Kraftstoff- und Energiepreisen seien die Anteile des Discounts gestiegen. „Discounter haben klassischerweise keine Theke“, betonte Keunecke. Wenn mehr Käse im Discount gekauft werde, gehe die Menge an der Bedientheke zwangsläufig zurück – auch ohne dass die Theke selbst an Attraktivität verliere.
Beim genaueren Blick auf Geschäfte mit Theke zeigt sich nach Angaben der AMI denn auch ein anderes Bild. „Da gibt es tatsächlich sehr erfolgreiche Geschäfte“, sagte Keunecke. In einzelnen Geschäftstypen steige die Einkaufsmenge: „Die haben investiert in ihre Theke, die haben gute Theke, da geht die Einkaufsmenge hoch.“ Bei anderen sei das nicht der Fall. Ob dahinter unternehmerische Entscheidungen stünden, etwa die Aufgabe der Theke, lasse sich aus den Daten nicht ablesen, schränkte Keunecke ein.
Kunden kaufen hochwertigen Käse an der Bedientheke
Unterschiede zeigen sich auch zwischen den Sortimenten. Im Lebensmitteleinzelhandel insgesamt sind Frisch- und Schnittkäse am stärksten nachgefragt; auf Schnittkäse entfallen laut Keunecke rund 26 Prozent, Frischkäse bildet das größte Segment, Hartkäse kommt auf 10 Prozent. An der Bedientheke verschieben sich die Gewichte deutlich zugunsten der hochwertigeren Sorten: Dort erreicht Hartkäse 22 Prozent, auch Schnittkäse ist überproportional vertreten, während Frischkäse kaum eine Rolle spielt. Sie selbst gehe wegen des Geschmacks an die Theke, sagte Keunecke und outete sich als „Käsethekekäufer“. Anekdotisch schilderte sie, wie eng der Kontakt dort sein könne: Stehe der vertraute Mitarbeiter im schwarzen Hemd an der Theke, rufe die Kundin von nebenan schon „400 Gramm“.
Bei den Verbraucherpreisen verwies Keunecke auf zuletzt sinkende Notierungen. Weil viel Milch verfügbar gewesen sei und viel Käse produziert worden sei, seien die Käsepreise im Einzelhandel zurückgegangen. Junger Gouda im SB-Regal sei nach dem Hoch des Jahres 2022 wieder deutlich billiger geworden, auch in diesem Jahr seien die Preise gesunken. Emmentaler an der Theke habe sich bei rund 9,80 bis 9,90 Euro je Kilogramm eingependelt; die Differenz zwischen Theke und SB-Regal sei kleiner geworden. Als möglichen Grund für die unterschiedliche Preisdynamik nannte sie – ausdrücklich als Vermutung – unterschiedlich lange Kontraktlaufzeiten.
Steigender Käseverbrauch erwartet
Für die kommenden Jahre erwartet die AMI einen weiter steigenden Pro-Kopf-Verbrauch, in Deutschland wie international. Auch die EU gehe in ihrer Prognose von einem tendenziell steigenden Käseverbrauch aus. Schwellenländer orientierten sich an den Verbrauchsgewohnheiten der Industrieländer, sagte Keunecke: „Käse ist gefragt.“ Als Treiber nannte sie unter anderem die Rolle von Käse als Proteinquelle im derzeitigen Protein-Trend – „Käse hat mehr Proteine als Quark“ – sowie eine stabile Binnennachfrage. Für Molkereien gehöre Käse zu den wertschöpfungsstärkeren Produkten.
Dämpfend wirken könnten dagegen das bereits hohe Preisniveau und eine hohe Inflation. Stiegen die Preise, versuchten die Verbraucher, „eine günstigere Kalorie einzukaufen“, sagte Keunecke. Die Entwicklung an der Theke werde heterogen bleiben. Wenn Beratung passe und der Mehrwert sichtbar sei, „dann ist auch Potenzial an der Käsetheke“, sagte die AMI-Expertin.
