Die Packaging and Packaging Waste Regulation (PPWR) gilt seit dem 12. August. Wie gut war die Branche darauf vorbereitet?
Erschreckend schlecht. Viele Unternehmen haben gehofft, dass Brüssel das Thema noch verschieben oder entschärfen würde. Jetzt merken sie, dass es nicht reicht, irgendein Dokument zu erzeugen. Unternehmen müssen Verpackungen granular erfassen, Zuständigkeiten klären, Nachweise beschaffen und managen.
Besonders bei Handelsmarken gibt es Streit um den Erzeugerbegriff. Wer ist verantwortlich?
Bei einer Eigenmarke spricht viel dafür, dass der Händler Erzeuger ist, wenn die Verpackung unter seinem Namen oder seiner Marke in Verkehr gebracht wird. Aber die Rollenverteilung löst das praktische Problem nicht: Die entscheidenden Informationen liegen häufig beim Lohnhersteller oder dessen Verpackungslieferanten.
Schiebt der Handel damit Verantwortung auf seine Lieferanten ab?
Teilweise ja. Große Händler können Druck ausüben und von Lieferanten Konformitätserklärungen verlangen. Aber selbst wenn der Händler die Erzeugerrolle übernimmt, muss der Hersteller weiterhin Primärdaten und Nachweise liefern. Das Schwarze-Peter-Spiel verschwindet also nicht automatisch, nur weil man die Rolle anders verteilt.
Was droht Unternehmen ohne belastbare Konformitätserklärung?
Das kann wehtun. Im Aktionsgeschäft verlangen Händler Unterlagen schon vor der Verschiffung. Fehlen sie, kann der Lieferant die Ware nicht verschiffen – oder der Händler lehnt die Lieferung ab. Wer seinem Kunden einen formalen Reklamationsgrund mitliefert, bringt sich in eine schlechte Verhandlungsposition.
Wie wichtig sind die Daten hinter der Konformitätserklärung?
Sie sind der Kern. Eine Erklärung ist nur so belastbar wie die Daten, auf denen sie beruht. Nötig sind Angaben zu Komponenten, Materialien, Gewichten, Lieferanten und Nachweisen, um zu erkennen, wo etwas fehlt oder widersprüchlich ist. Genau hier setzt Susycheck an: Das System strukturiert Verpackungen, prüft Datenqualität, bindet Lieferanten ein und erzeugt aus freigegebenen Daten die Konformitätserklärung.
Wie lange gilt die Konformitätserklärung?
Solange die Verpackung unverändert bleibt oder eine neue gesetzliche Vorgabe der PPWR in Kraft tritt. Ändert ein Unternehmen etwas, braucht es eine neue Erklärung.
Reicht dafür nicht auch Excel?
Für einzelne Artikel vielleicht. Bei großen Sortimenten wird Excel schnell zur Fehlerquelle. Dann entstehen E-Mail-Ping-Pongs, verschiedene Versionen und Abhängigkeiten von einzelnen Mitarbeitern. Die PPWR sollte Anlass sein, Verpackungsdaten als belastbaren digitalen Prozess aufzusetzen und nicht als Sammlung von Tabellen und PDFs.
Ist die PPWR am Ende doch mehr Chance als Bürokratie?
Sie ist zunächst Regulierung und erzeugt Aufwand. Unternehmen können entscheiden, ob sie diesen Aufwand nur verwalten oder daraus Infrastruktur bauen. Wer seine Verpackungsdaten heute strukturiert, kann sie morgen für Lieferantenmanagement, Verpackungsoptimierung, Recyclingfähigkeit oder Extended-Producer-Responsibility-Auswertungen verwenden. Compliance ist die Eintrittskarte, der eigentliche Mehrwert steckt in den Daten.
