Im Handel bleibt der Fachkräftemangel auf einem vergleichsweise niedrigen Niveau. Nur 16,2 Prozent der Handelsunternehmen gaben im Juli an, dass ihnen qualifizierte Arbeitskräfte fehlen, wie aus einer Erhebung des Münchner Ifo-Instituts hervorgeht. Damit liegt der Handel deutlich unter dem branchenübergreifenden Durchschnitt: Insgesamt meldeten 23,2 Prozent aller befragten Unternehmen einen Fachkräftemangel.

Insgesamt hat der Fachkräftemangel in Deutschland im Juli wieder zugenommen. Im April lag der Anteil betroffener Unternehmen noch bei 21,1 Prozent. Dennoch bleibt der Wert unter dem langfristigen Durchschnitt von 31,7 Prozent. „Die schwache Konjunktur hält den Fachkräftebedarf derzeit in Grenzen“, erklärte Ifo-Forscherin Daria Schaller laut der Mitteilung des Instituts.
Deutlich stärker betroffen als der Handel sind andere Branchen. In der Rechts- und Steuerberatung sowie der Wirtschaftsprüfung stieg der Anteil der Unternehmen mit Fachkräftemangel auf 64,7 Prozent, nach zuletzt 52,4 Prozent. In der Telekommunikation verdoppelte sich der Wert nahezu – von 16,3 auf 31,1 Prozent. Im Dienstleistungssektor insgesamt lag der Anteil nahezu unverändert bei 25,7 Prozent.
Ifo-Forscherin Schaller warnt vor wachsendem Fachkräftemangel bei Konjunkturerholung
In der Industrie meldeten 18,7 Prozent der Unternehmen einen Mangel an Fachkräften, ein Anstieg um 4,5 Prozentpunkte gegenüber April. Besonders die Papierindustrie fällt mit einem Anteil von 35,0 Prozent auf. Im Bauhauptgewerbe berichtete fast jedes dritte Unternehmen von Engpässen bei qualifiziertem Personal.
Schaller wies zudem darauf hin, dass steigende Arbeitslosenzahlen das Problem nicht automatisch lösen. „Entscheidend ist, ob Qualifikation und Anforderungen der offenen Stellen zusammenpassen“, zitierte das Ifo-Institut die Forscherin. Mit einer wirtschaftlichen Erholung rechnet das Institut den Angaben zufolge damit, dass der Fachkräftemangel wieder stärker zunehmen dürfte.