Rat an mich Vom kleinen Bio-Betrieb zur Ölmühle mit 160 Mitarbeitern – was Judith Faller-Moog heute anders machen würde

Hintergrund

Viele Wege führen zur Karriere. Persönlichkeiten aus der Branche erzählen, was sie heute anders machen würden. Diesmal: Judith Faller-Moog, Geschäftsführerin bei Bio Planète.

Montag, 05. Oktober 2026, 07:40 Uhr
Elena Kuss
Judith Faller-Moog führt die Ölmühle Moog mit der Marke Bio Planète. Eine Entscheidung, die sie bereits als Studentin traf. Bildquelle: Bio Planète

Wenn ich meinem jüngeren Ich heute einen Rat geben könnte, wäre es dieser: Vertraue deinen Gefühlen und deinen Werten. Aber versuche nicht, alles allein zu lösen. Mit 21 Jahren stand ich vor einer Entscheidung, für die ich mich viel zu jung fühlte. Ich studierte Ernährungswissenschaften, später Ernährungswirtschaft, und genoss das Studentenleben. Dann starb mein Vater. In Südfrankreich hinterließ er einen kleinen Bio-Betrieb mit zwei Mitarbeitern und eine große Idee: Er wollte mit biologischer Landwirtschaft und naturbelassenen Lebensmitteln etwas verändern.

Mein Vater war eine starke Persönlichkeit. Für seine Vorstellung von biologischer Landwirtschaft hatte er eine sichere Stelle an der Universität und unser Haus in Berlin aufgegeben. Wir zogen in eine abgelegene Gegend in Südfrankreich. Für mich war das damals alles andere als ein Traum. Ich war 15 Jahre alt, einmal am Tag fuhr ein Bus.

Trotzdem hatte mein Vater mir vermittelt, wie wertvoll seine Idee war. Als er starb, musste ich entscheiden: Führe ich das Unternehmen weiter oder beginne ich mein eigenes Leben? Ich versuchte jahrelang, beides miteinander zu verbinden. Gleichzeitig musste ich Entscheidungen treffen, auf die mich kein Studium vorbereitet hatte. Ich ließ mein Studium zeitweise ruhen und nahm einen Kredit auf, um bessere Arbeitsbedingungen zu schaffen. Wirtschaftlich waren diese Jahre schwierig. Heute würde ich mir raten, früher und gezielter Unterstützung zu suchen. Es gibt Menschen, die gern helfen. Man muss sie nur darum bitten.

Dass ich mich damals für Bio Planète entschieden habe, lag vor allem am Sinn, den ich darin sah. Zu jener Zeit dominierten raffinierte Öle, die für mich wenig mit dem ursprünglichen Produkt zu tun hatten. Wir beschäftigten uns mit biologischer Landwirtschaft, gesunden Lebensmitteln und fairen Lieferketten, lange bevor Nachhaltigkeit zu einem gebräuchlichen Begriff wurde. Ohne diesen Sinn hätte ich die Verantwortung nicht übernommen.

Aus zwei Mitarbeitern sind inzwischen knapp 160 geworden. Wir machen bis heute Bio. Zu 100 Prozent. Dafür brauchte es Optimismus, Mut und wahrscheinlich auch etwas Naivität. Wer etwas Neues beginnt, darf nicht bei jedem Zweifel sofort aufgeben. Gleichzeitig reicht es nicht, nur an eine gute Sache zu glauben. Wer ein Unternehmen führt, muss auch die Zahlen verstehen.

Mein Rat an mein jüngeres Ich würde deshalb lauten: Trau deinem Herzen, aber nimm deinen Kopf mit. Suche dir Unterstützung, ohne die Verantwortung für deine Entscheidungen abzugeben. Und lass dich auf das Leben ein, auch wenn du noch nicht weißt, wohin der Weg führt.

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