Kraftling, Hersteller von Ingwer-, Prebiotik- und Guarana-Shots aus Köln, plant, zu einem führenden Anbieter in diesem Marktsegment in Europa zu werden. „Wir sind gerade dabei, unsere Präsenz in Österreich und der Schweiz auszubauen. Seit ein paar Monaten laufen dort die ersten Tests“, bestätigt Gründer Friedrich Kalthoff die Pläne gegenüber der Lebensmittel Praxis. In vielen Ländern Europas gebe es immer mehr solcher Immun-Shots, vor allem Eigenmarken des Handels. Hier sehen die Macher von Kraftling ihre Chance. „Es gibt noch keine dominierende Marke“, bestätigt Max Wermke, der zweite Gründer des Unternehmens.
Kraftling wurde erst 2017 als klassisches Start-up gegründet. Die Geschäftsidee entstand, als Wermke in New York Ingwer-Shots entdeckte und sofort von der intensiven Schärfe und der praktischen Form begeistert war. Der Legende nach half der Immunbooster dem erkälteten Studenten sogar, schnell wieder auf die Beine zu kommen. In Deutschland gab es außer einem kleinen Anbieter aus München noch kaum Wettbewerb. Kraftling wollte sich von Anfang an abgrenzen, besonders durch die Frische der Shots. Der Inhalt sollte nicht hocherhitzt werden. „Wir wollten keine pasteurisierten Säfte, da diese geschmacklich anders sind. Also suchten wir nach Alternativen und stießen auf die sogenannte Hochdruckpasteurisierung“, so Kalthoff.
Bei dieser im Fachjargon als „HPP“ abgekürzten Herstellungsart werden die Inhaltsstoffe schonender konserviert. Da kein Produzent bereit war, für das junge Start-up zu arbeiten, entschied man sich kurzerhand, selbst zu produzieren. „Wir haben die Fläschchen immer in halben Litern abgefüllt, was uns am nächsten Tag regelmäßig Blasen an den Fingern bescherte“, erinnert sich Kalthoff an die Gründerzeit. Für die HPP-Behandlung mussten die Shots per Auto in die Niederlande gefahren werden.
„An uns kam man nicht vorbei“
Um sich überhaupt erst mal einen Namen zu machen, verteilten die beiden Studenten die Produkte in Kölner Cafés umsonst. Was folgte, war eine regelrechte Sisyphusarbeit im selbstständigen Lebensmitteleinzelhandel. „Wir haben unsere Produkte in den Supermärkten selbst nachgefüllt und gemanagt. Die Marktleiter haben uns so sehr vertraut, dass sie uns die richtige Menge an Ware einstellen ließen, sodass immer genug da war und die Abverkäufe stimmten“, sagt Wermke.
Auch Verkostungen im Markt, die die Gründer nicht einer Agentur überlassen, sondern selbst organisiert haben, sollen einen großen Teil zum Erfolg beigetragen haben. „Wenn wir unseren Stand aufgebaut haben, kam keiner an uns vorbei.“ So konnte man sich in wenigen Jahren im Kühlregal gegen Konkurrenten wie Coca-Cola, Valensina und True Fruits durchsetzen. Kraftling ist heute in rund 4.000 Märkten in ganz Deutschland erhältlich und bei Rewe und Edeka zentral gelistet. Das Unternehmen beschäftigt 15 Mitarbeiter.
Innovationspipeline ist voll
Der Erfolg liege auch an der Produktvielfalt, glauben die Gründer. Die Ingwer-Shots, deren Hauptzutat von Anfang an nicht wie herkömmlich aus China, sondern Peru stammt, enthalten sechs bis sieben verschiedene Komponenten, nicht nur Apfel, Ingwer und Zitrone, wie es bei vielen Eigenmarken der Fall ist. „Wir wollen den Menschen eine Vielfalt an Zutaten und Geschmäckern bieten“, so Kalthoff. Neben Ingwer-Shots verkauft das Unternehmen auch Produkte der Kategorie „Prebiotik“ und „Energy“ (Guarana). Mit einem Design-Relaunch führt das Unternehmen derzeit außerdem ein neues Großformat ein, das an einen Flachmann erinnert. Die 360-Milliliter-Flasche enthält rund sechs Shots. Das Gebinde mit DPG-Logo kann im Gegensatz zu den Shots an jedem Pfandautomaten zurückgegeben werden und ist somit auch nachhaltiger.