Verbot synthetischer Süßstoffe „Völlig unrealistisch“

Der Versorger Hamburg Wasser fordert ein komplettes Verbot synthetischer Süßstoffe, beispielsweise in Getränken. Die Ernährungsbranche weist die Forderungen zurück.

Dienstag, 13. September 2022 - Getränke
Tobias Dünnebacke
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Bildquelle: Getty Images

Spätestens seit der NDR Ende 2020 die Sendung „Die Tricks mit unserem Wasser“ ausgestrahlt hat, ist dieses Thema fast schon ein Dauerbrenner: die Diskussion über Süßstoffe wie Acesulfam K, die in einigen norddeutschen Gewässern nachgewiesen wurden. Hamburg Wasser, das Trinkwasserversorgungsunternehmen der Hansestadt an der Elbe, wärmt die Debatte jetzt neu auf und fordert ein komplettes Verbot solcher Süßungsmittel. Die synthetischen Substanzen, die beispielsweise in Light-Limos, Süßigkeiten und Marmeladen stecken, seien laut Hamburg Wasser so stabil, dass sie weder vom Körper noch in den Kläranlagen abgebaut werden können. Und so würden sie im Grund- und damit im Trinkwasser landen. Schon vor vier Jahren hatten die Hamburger auf das Problem hingewiesen.

Dr. Kim Augustin, zuständiger Laborleiter bei dem Versorger: „Wir glauben zwar heute zu wissen, dass Acesulfam K unproblematisch ist. Aber was ist, wenn in fünf oder in zehn Jahren Forschungsergebnisse zeigen, dass dem nicht so ist?“

Neben einem Verbot plädiert Hamburg Wasser dafür, auf pflanzliche Süßungsmittel wie Stevia zu setzen. „Die großen Hebel liegen bei den Herstellern“, heißt es in einer Mitteilung. Dabei gab es durchaus Bestreben der Getränkebranche, sowohl Zucker als auch synthetische Süßstoffe zu ersetzen. Das Süßen mittels Steviolglycosiden gilt im Getränkebereich im großen Stil aber als gescheitert. Stevia kann nur einen geringen Anteil der Süße übernehmen, da das Geschmacksprofil ab einer bestimmten Menge von den Verbrauchern nicht mehr angenommen wird.

Wissenschaftlich unbedenklich
Zum diskutierten Verbot erklärt Anja Roth vom Süßstoff-Verband gegenüber der LP, dass Hamburg Wasser selbst darauf hingewiesen habe, dass diese Substanzen wissenschaftlich untersucht seien und als unbedenklich gelten – ein Mensch müsste demnach 10.000 Liter Wasser trinken, um so viel Süßstoff aufzunehmen, wie in einer Süßstofftablette steckt, und selbst dann gilt der Konsum als unbedenklich. Bei den im Grundwasser nachgewiesenen Stoffen handele es sich um Cyclamat, Saccharin, Sucralose und Acesulfam K; die gefundenen Mengen bewegten sich aber im niedrigen Mikrogrammbereich. Die im Grundwasser gefundenen Mengen lägen laut Hamburg Wasser noch um ein Vielfaches darunter – hierbei handelt es sich noch nicht um das Trinkwasser, das in die Haushalte gelangt. „Da Acesulfam K nach neueren Erkenntnissen von Bakterien in der Natur langsam abgebaut werden kann, ist eine Anreicherung des Süßstoffs im Trinkwasser unwahrscheinlich“, erläutert Roth weiter.

Dass ein Herausfiltern von Süßstoffpartikeln nicht möglich sei, stimme nicht: „Diese Aussage ist unseren Recherchen nach nicht korrekt. Beispielsweise befindet sich in Rheda-Wiedenbrück eine Kläranlage mit einer vierten Reinigungsstufe, die für die Beseitigung von Mikroverunreinigungen sorgt.“ Die Forderung, Süßstoffe zu verbieten, bezeichnet Roth als „völlig unrealistisch“.

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