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Oetker Radeberger Volle Kraft Voraus

Tobias Dünnebacke | 06. Juli 2018

Der Verkauf der Schifffahrsparte Hamburg-Süd spült 3,7 Milliarden Euro in die Kasse der Oetker-Gruppe. Das Kerngeschäft, unter anderem Bier und Schaumwein, soll davon profitieren.

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Durch den Verkauf der Hamburger Reederei an Maersk (Abschluss im November 2017) wird der Gruppenumsatz von Dr. Oetker 2018 von derzeit 11,6 Milliarden Euro nahezu halbiert. Allerdings, so die Aussage von Oetker-Chef Albert Christmann, will man „in wenigen Jahren“ durch Zukäufe wieder das alte Umsatz-Niveau erreichen. Zuletzt hatte das Familienunternehmen verkündet, den ägyptischen Marktführer für Backprodukte und Desserts, Tag El Melouk, zu übernehmen. Anfang des Jahres war bekannt geworden, dass Alsa, das Dr. Oetker Pendant in Frankreich, an den Bielefelder Konzern gehen soll.

Marktkonsolidierung auch bei Getränken unumgänglich
Das gigantische Investitionsvolumen könnte aber auch die Getränke-sparten unter den Dächern Radeberger und Henkell betreffen. Getränke haben 2017 21,9 Prozent Anteil am Umsatzerlös gehabt. Mit dem Verkauf von Hamburg-Süd wird sich dieser Anteil stark erhöhen. Im Getränke-Segment hat der Bielefelder Konzern bereits bewiesen, wie hungrig er ist. Beispielsweise mit dem Kauf des italienischen Prosecco-Herstellers Mionetto, der internationalen Marke I heart Wines, der Spirituose Mangaroca Batida de Côco oder jüngst der Akquisition des Cava-Herstellers Freixenet (die Zustimmung der Kartellbehörden steht hier noch aus). „Da haben sich zwei gesucht und gefunden“, kommentiert Christmann den Kauf von Freixenet. Die Spanier seien stark im japanischen Geschäft, Henkell wiederum sei in Osteuropa gut aufgestellt. Das Wiesbadener Sekthaus macht mittlerweile mehr als 70 Prozent des Umsatzes auf internationalen Märkten, was die bescheidene Bilanz in Deutschland gut aufwertet: Insgesamt wuchs die Sparte Sekt, Wein und Spirituosen um 4,2 Prozent auf 523 Millionen Euro. Der deutsche Markt sei leicht rückläufig, was Christmann der Handelsware zuschreibt. Marken wie Henkell Trocken oder Mionetto würden sich aber gut entwickeln. Auch die Premiummarken, deren Anteil am Portfolio mit rund 50 Prozent beziffert wird, soll sich positiv entwickeln. Diese Aussage deckt sich mit der vieler Getränke-Hersteller, die eine Hinwendung der Verbraucher zu höherpreisigen Produkten beobachten. Stärkste Marke im Spirituosensegment ist Wodka Gorbatschow. Ergänzt wurde der deutsche Wodka-Marktführer in den vergangenen Jahren um Kuemmerling, Pott Rum und Fürst Bismarck.

Das Bierkartell ist kein Thema mehr in Bielefeld
Kurz vor der Vorstellung der Dr.-Oetker-Jahreszahlen war bekannt geworden, dass die Brauerei-Tochter Radeberger 160 Millionen Euro Kartellbuße akzeptiert hatte. Allerdings sei dies alles andere als ein Schuldeingeständnis: „Die Radeberger-Gruppe war nicht an Preisabsprachen beteiligt. Wir widersprechen dem Vorwurf des Bundeskartellamtes gegen die Radeberger-Gruppe und ihrer Akteure somit auch weiterhin ausdrücklich“, hieß es in einer Mitteilung. Als Grund für die Zahlung wurde genannt, dass das Verfahren vor dem Oberlandesgericht „nicht kalkulierbare finanzielle Risiken für das Unternehmen“ nach sich ziehen würde. Dass das Thema Bierkartell damit abgeschlossen sein soll, machte man in Bielefeld deutlich: Man wolle keine weiteren Fragen mehr zu dem Thema beantworten. Radeberger konnte sich mit einem Umsatz von 1,9 Milliarden Euro (+ 0,4 Prozent) im Branchenvergleich gut entwickeln. Wachstum sei dabei vor allem über regionale Marken wie Allgäuer Büble Bier und Ur-Krostitzer möglich. Beide Marken konnten beim Umsatz zweistellig zulegen. Die nationalen Marken wie Radeberger, Jever und Schöfferhofer Weizen stehen wie die Wettbewerbsmarken unter Druck. Akzente will man unter anderem im alkoholfreien Bereich setzten. Dafür zählt der Radeberger-Chef Niels Lorenz auf den Klassiker Clausthaler, der noch immer eine hohe Markenbekanntheit genießt. 2017 wurden außerdem Anteile an den Unternehmen Gastrofix und OnlineDialog erworben, um Digitalisierungsprojekte zu forcieren. Auch der Lieferdienst A&O (inklusive Durstexpress) und 180 Dursty-Getränkemärkte gingen an Radeberger.


Im Fokus: Vertikalisierung und Digitalisierung
Die Digitalisierung ist eine der Kern-Herausforderungen für die Oetker-Gruppe, besonders in den westlichen, gesättigten Märkten. Insbesondere die Verknüpfung digitaler Innovationen wie Sprachassistenten und Self-Scanning mit dem klassischen Einkauf. „Während die E-Commerce-Giganten mit kombinierten Delivery- und klassischen Shop-Modellen neue Wege beschreiten und schnell wachsen, erhöhen sie den Convenience-Grad beim Einkaufen und bauen ihr Private-Label-Angebot aus. Damit wächst der Druck auf den klassischen Handel und alle Lieferenten“, erklärt Christmann. Um den Anschluss an die digitale Welt nicht zu verlieren, seien weitere Akquisitionen nicht ausgeschlossen. Eine eigene Innovationseinheit in Berlin soll sich ebenfalls mit Digitalisierungs-Themen beschäftigen.