Alkoholfreie Getränke Keine Spur Langeweile

Die Innovationsfreude der Getränke-Industrie ist ungebrochen. Regionalität, Gesundheit und Bio stehen bei kleinen Start-ups als auch großen Konzernen hoch im Kurs. Nielsen-Experte Michael Griess erklärt die aktuellen Trends bei den alkoholfreien Getränken.

Montag, 13. April 2015 - Getränke
Tobias Dünnebacke
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Bildquelle: Shutterstock, Nielsen

Der Markt der alkoholfreien Getränke (AfG) zeigt sich dynamisch wie eh und je. Die jahrelange Preisfokussierung der Verbraucher scheint einer neuen Sensibilität für Qualität und gesunde Inhaltsstoffe zu weichen. Zumindest reagieren sowohl Getränke-Riesen wie Coca-Cola als auch kleine, hungrige Start-ups auf die wachsenden Ansprüche der Verbraucher. Neben Bio, Regionalität und Stevia wird der Markt aber nach wie vor von einer Kategorie angetrieben, die mit den genannten Schlagwärtern erstmal wenig zu tun hat: Den zucker- und koffeinhaltigen Energy-Drinks.

Laut den Marktforschern von Nielsen konnten Rockstar, Monster, Red Bull und Co. 2014 wieder um 11,1 Prozent im Wert zulegen (LEH, DM und GAM, Vergleich zum Vorjahr). „Dieses Wachstum kommt vor allem aus den vielen Flavor-Varianten der großen Marken. Die klassischen Sorten verlieren dabei aber nicht, so dass die gesamte Kategorie breiter aufgestellt ist“, sagt Michael Griess  Senior Client Business Partner bei Nielsen. Spannend bleibt das Thema auch, weil sich Coca-Cola unlängst für 2,15 Mrd. USD (1,6 Mrd. Euro) mit 16,7 Prozent beim kalifornischen Spezialisten Monster Beverages eingekauft hat. Der weltweit führende Getränke-Konzern wird in Zukunft den größten Konkurrenten von Red Bull im Vertrieb haben und der Kategorie mit Sicherheit weiteren Schub geben.

Zu einer weiteren Wachstumskategorie bei den alkoholfreien Getränken zählen die von Nielsen als „Restliche“ bezeichneten Getränke. Dazu zählen exotische Trends wie Kokoswasser. Vor allem aber die Smoothies haben sich nach einer Phase der Konsolidierung mit Marken wie True Fruits, Innocent oder Chiquita sehr gut entwickelt. „Die Entwicklung zeigt, dass sich Smoothies nachhaltig im Markt etabliert haben und sogar noch wachsen können“, erklärt Griess. Allerdings sind Smoothies nach wie vor eher eine Nische. So liegt ihr Marktanteil nach Absatz (LEH, DM, GAM) bei gerade einmal 1 Prozent der Fruchtgetränke ohne Kohlensäure. Beim Umsatz sind es immerhin 4 Prozent. Auffällig ist der hohe Eigenmarkenanteil von rund 64 Prozent.

Auch beim Wasser, mit 3,5 Mrd. l Absatz die mit Abstand größte AfG-Kategorie, können die Marktforscher ein Plus bilanzieren. Immerhin ein Wachstum von 2,1 Prozent Wert und 1,7 Prozent Absatz konnte das durch den hohen Discount-Eigenmarkenanteil gebeutelte Segment verbuchen. Besonders „Still“ und „Medium“ liegen hier im Trend, wobei auffällt, dass die Hersteller der französischen Klassiker Evian und Vittel auf eine Volumenstrategie mit hohem Promotionanteil bei den Hard-Discountern setzen.

Ein Blick auf die Entwicklung bei den Gebinden zeigt wenig überraschend, dass Einweg-PET weiter auf dem Vormarsch ist. Gleichzeitig stabilisiert sich Glas-Mehrweg mit einem Absatzanteil bei den alkoholfreien Getränken von knapp 11 Prozent. Grund hierfür ist die Strategie einiger deutscher Markenbrunnen mit eigenen Individualflaschen gezielt auf dieses Gebinde in Abgrenzung zu den Eigenmarken des Handels zu setzten. Gerolsteiner, Marktführer im Preissegment ab 0,40 Euro pro Liter, bietet beispielsweise ein Glas-Individualgebinde für seine Wässer an. Auch der Wettbewerber Teinacher kündigte Anfang diesen Jahres die „Teinacher Genussflasche“ an. „Neben Genuss und Regionalität spielen für den modernen Konsumenten auch die Faktoren Design, Verpackung und Nachhaltigkeit eine zunehmend größere Rolle bei der Kaufentscheidung“, erläutert Andreas Gaupp, Geschäftsführer der Mineralbrunnen Teinach GmbH, die Intention. In Glas stecke ein sehr großes Potenzial für den Handel. Dieser habe über dieses hochwertige Gebinde die Chance, lifestyle- und premiumorientierte Kunden zu gewinnen, die ein Stück Lebensqualität schätzen.

Aber auch junge Start-ups setzen für ihre neuen Cola-Varianten oder Bio-Limonaden lieber auf Glas und auch der Boom der in Glasflaschen verkauften Fassbrausen hat zur Stabilisierung des Gebindes beigetragen. „Die Individualgebinde der Brunnen, die Affinität regionaler Anbieter für Glas, die generell höhere Preisstellung solcher Produkte und der Erfolg der Fassbrausen hat dazu beigetragen, dass sich Glas als Gebinde erholt und stabilisiert hat. Ein Fakt, der in der aktuellen Debatte etwas untergeht“, sagt Griess in Anspielung auf die Forderung unter anderem der Deutschen Umwelthilfe, eine Lenkungsabgabe auf Einweg einzuführen um Mehrweggebinde und Glas zu fördern.

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