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Mundgesundheit Gesund beginnt im Mund

Silke Hoyer | 25. Februar 2019
Mundgesundheit: Gesund beginnt im Mund
Bildquelle: Getty Images

Das Thema Mundgesundheit boomt in Deutschland. Verantwortlich für die Dynamisierung des Marktes sind vor allem Zahnpasten und -bürsten, aber auch Start-ups.

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Deutschland hat gut lachen und zeigt dabei gerne Zähne. Denn laut fünfter Deutscher Mundgesundheitsstudie hat sich die Zahn- und Mundgesundheit der Bevölkerung in allen Bereichen und über alle sozialen Schichten hinweg deutlich verbessert. Auch im internationalen Vergleich kann sich Deutschland sehen lassen: Kinder erfreuen sich hierzulande über die gesündesten Zähne, und deutsche Senioren leiden nur noch selten unter völliger Zahnlosigkeit.

Das alles kommt nicht von ungefähr, sondern ist das Ergebnis stetiger Prophylaxe, Aufklärung und verbesserter Mundhygiene. Es gibt in der deutschen Bevölkerung ein breites Verständnis dafür, dass Mundgesundheit eng mit ganzheitlicher körperlicher Gesundheit zusammenhängt. Außerdem sind schöne, gesunde und weiße Zähne zu einem echten Beautymerkmal geworden, auf das die Wenigsten verzichten wollen. Entsprechend wird gebürstet, gebleacht und gereinigt wie noch nie.

Der Gesamtumsatz für Produkte der Mundgesundheit hat laut den Marktforschern von IRI innerhalb eines Jahres (MAT-1 September 2017 zu September 2018) um 2,8 Prozent auf 1,57 Milliarden Euro zugelegt. Die wichtigsten Wachstumstreiber der Mundhygiene sind dabei Zahnpasten. Ihr Umsatzplus von 5,5 Prozent auf 683,5 Millionen Euro (IRI, MAT-1 September 2017 zu MAT 2018) ist vor allem auf hochpreisige Zahncremes zurückzuführen. Preise, die die Hersteller mit verschiedenen Innovationen begründen.

So sind Zahnpasten, die sich um Zahn- und Zahnfleischschutz kümmern, bei den Verbrauchern besonders beliebt. Hier geht der Trend hin zu indikationsbasierten, maßgeschneiderten und von Zahnärzten empfohlenen, Spezialprodukten. Die therapeutischen CP Gaba Marken von Elmex und Meridol beispielsweise bieten eine breite Range von Zahnpasten für die unterschiedlichen Bedürfnisse der Konsumenten wie zum Beispiel für schmerzempfindliche Zähne. Ein Problem, dem sich auch GSK mit der Sensodyne-Range widmet. „Sensodyne Pro Schmelz“ beispielsweise ist eine Zahncreme, die damit wirbt, Zahnschmelz auf die Zähne und diese damit schmerzunempfindlicher zu putzen. Procter & Gamble wiederum hat im September 2018 die „Oral-B Professional Zahnfleisch & -schmelz Pro-Repair“ auf den Markt gebracht, die laut Hersteller mit ihrer Activ-Repair+-Technologie dabei hilft, Zahnfleischbluten in nur drei Monaten um bis zu 74 Prozent zu reduzieren und den Zahnschmelz vor Säureerosion zu schützen. Colgate Total bekämpft Zahnbelag und Zahnfleischentzündung, bietet Schutz bei schmerzempfindlichen Zähnen, verbessert die Härtung des Zahnschmelzes und neutralisiert Gerüche, die schlechten Atem verursachen. Durch die Einführung solcher technologiebasierter Neuprodukte erreichen Hersteller eine Premiumstellung.

Frei-von-Konzepte
Ein weiteres relevantes Thema bei Zahnpasten ist Nachhaltigkeit. Dem zunehmenden Wunsch der Verbraucher nach Produkten ohne künstliche Inhaltsstoffe kommt CP Gaba Anfang 2019 mit der Einführung des Neuprodukts Meridol Pur nach. „Die Zahnpasta kommt ganz ohne künstliche Farb- und Aromastoffe aus und bietet dank des enthaltenen Amin- und Zinnfluorids einen effektiven Zahnfleischschutz“, beschreibt Nina Michahelles von Gaba das Produkt.

Mit natürlichen Inhaltsstoffen punktet auch das Start-up Beovita Vital. Die Produkte des Unternehmens enthalten Schwarzkümmelöl, sind rein pflanzlich, fluorid-, tensid- und bleichmittelfrei. Diese exklusive Zusammensetzung der Produkte schlägt sich auch im Preis nieder. „Natürliche Inhaltsstoffe sind teurer als synthetisch hergestellte“, begründet Gründer Ismail Özkanli. Was den Absatz nicht hemmt. Die Produkte sind regelmäßig ausverkauft.

Auch der Whitening-Hype bei Zahnpasten hält an. Speziell in der jüngeren, social-media-affinen Zielgruppe gehören weiße Zähne essenziell zum Schönheitsideal. Die Konsumenten suchen nach immer effektiveren und neuen Lösungen, um die Zahnfarbe aufzuhellen. Entsprechend kommen die Protagonisten der Branche regelmäßig mit innovativen Bleaching-Produkten auf den Markt, für die sie Preise von etwa fünf Euro und mehr durchsetzen können.

Öko-Produkte gefragt
Auch im Markt für Zahnbürsten haben die Hersteller von Mundhygiene-Produkten viele neue Ideen. Hier spielt momentan die Mülldebatte eine große Rolle. Da nach zwei bis drei Monaten oder schon früher, wenn die Borsten einer ungemähten Wiese ähneln, Zahnbürste oder Bürstenkopf ausgetauscht werden müssen, wandern sechs Mal pro Jahr und Person durchschnittlich rund 70 Gramm Plastik in die Tonne. Für sich genommen eine Winzigkeit im riesigen Berg von Plastikmüll. Insgesamt betrachtet, kommt hier jedoch einiges zusammen. Deshalb hat der Nachhaltigkeitsgedanke bei Zahnbürsten Einzug gehalten. So arbeitet das Start-up Happybrush gemeinsam mit dem Fraunhofer Institut für seine elektrischen Zahnbürsten an zu 100 Prozent abbaubaren pflanzenbasierten Aufsteckbürsten, die nach 18 Monaten zerfallen. „Wir sind zuversichtlich, dass wir im Frühjahr 2019 mit den ersten Exemplaren am Markt sein werden“, berichtet Stefan Walter, einer der Gründer des Start-ups.

Auch für Procter & Gamble ist Nachhaltigkeit ein wichtiges Thema. „Die elektrischen Zahnbürsten von Oral-B sind auf eine langfristige, tägliche Nutzung ausgelegt und tragen dank ihrer langen Lebensdauer zur Müllvermeidung bei“, sagt Florian Sieben, Brand Director von Oral Care.

Bei dm werden verstärkt Holzzahnbürsten von beispielsweise Hamble Brush und Hydrophil verkauft. Beide Marken bieten Zahnbürsten an, deren Griff zu 100 Prozent aus nachhaltig angebautem Bambus gefertigt werden, der biologisch abbaubar ist. Die biobasierten Borsten werden aus Rizinusöl gewonnen. Konsequent ökologisch sind auch die lösemittelfreien Buntlacke, die zum Färben der Griffe verwendet werden. Allerdings hat Umweltschutz seinen Preis. So kostet eine Bambuszahnbürste von Hydrophil 3,90 Euro, der 4er Pack 13,90 Euro.

Ein Problem ist, dass die Anhängerschaft für Bambus-Zahnbürsten schneller wächst als der Rohstoff. Alternativen sind deshalb Miswāk oder Siwāk, Zahnputzholz aus dem arabischen Raum, das gerade in Mode kommt. Geerntet werden die Zweige vom so genannten Zahnbürstenbaum. Praktisch ist: Man benötigt für die Zahnreinigung kein Wasser und zahnpflegende Inhaltsstoffe sind im Holz enthalten. Einfach etwas Rinde entfernen, die Fasern durch Kauen aufweichen, mit dem Pinsel die Zähne putzen. Problematisch ist: Die Holzstückchen werden nach dem Ernten in Plastik verschweißt.

Auch technikaffine Produkte liegen im Trend. Oral-B hat ein Zahnputzsystem eingeführt, das gemeinsam mit der kostenfreien Oral-B-App die Möglichkeit der Positionserkennung bietet. Dank der Kombination aus Bildanalyse des Smartphones und Bewegungssensoren im Handstück der Bürste erkennt das System, ob alle Bereiche im Mund des Benutzers gleichmäßig und gründlich geputzt wurden. Außerdem können gemeinsam mit dem Zahnarzt Bereiche festgelegt werden, denen beim Putzen mehr Aufmerksamkeit zukommen sollte, die Oral-B-App 5.1 fordert dann dazu auf, diese länger zu putzen. Klinische Studien haben bewiesen, dass auf diese Weise bis zu sechsmal mehr Plaque an den betreffenden Stellen entfernt werden konnte. Auch im Bereich der Kinderzahnbürsten können die Zahnputzresultate mit einer mit der Bürste gekoppelten App verbessert und Putzzeiten verlängert werden. Die „Fun Zone“-Funktion der Oral-B-App verwandelt das Zähneputzen mit Snapchat-ähnlichen Filtern in eine Art Zahnputzspiel gegen sich selbst. „Dadurch wird Mundpflege relevant, unterhaltsam und hilft, die richtigen Gewohnheiten zu entwickeln – und ein Leben lang beizubehalten“, sagt Florian Sieben von Procter & Gamble.