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Biodiversität Vielfalt erhalten - Vielfalt erhalten: Teil 3

Bettina Röttig | 14. September 2018

Insektensterben und Dürre-Sommer – Beides in den vergangenen Monaten Dauerthemen in den Medien, die ein gemeinsames Problem offenlegen: Der fortschreitende Verlust der Artenvielfalt bringt unsere Ernährungssicherheit in Gefahr. Was die Branche unternimmt, um dem entgegenzuwirken und die Biodiversität zu fördern.

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Spätestens nach dem diesjährigen Dürre-Sommer, der Landwirte hierzulande an ihre Grenzen brachte, werden sich mehr Unternehmen denn je Gedanken darüber machen, wie wir die Landwirtschaft an die sich ändernden klimatischen Bedingungen anpassen können. Hierfür wird eine möglichst große Sortenvielfalt der Kulturpflanzen benötigt.

Doch: „Von den ursprünglich über 7.000 Pflanzenarten, die für die menschliche Ernährung kultiviert und durch Zucht verbessert wurden, liefern heute lediglich noch 15 Arten und 8 Tierarten ungefähr 90 Prozent der menschlichen Nahrung weltweit“, informiert das Bundesamt für Naturschutz.

Kreative Saatgutentwicklung
In Deutschland macht Bio-Tofu-Hersteller Taifun (Marken: Taifun und Tukan) vor, wie mithilfe von Kunden Saatgutforschung und -entwicklung betrieben werden kann. 2016 startete das Unternehmen gemeinsam mit der Universität Hohenheim das Projekt „1.000 Gärten – Das Soja-Experiment“. Das Ziel: In Deutschland mehr Gegenden für den heimischen Sojaanbau zu erschließen und neue Soja-Kreuzungen züchten, die an die klimatischen Bedingungen hierzulande angepasst und für die Tofuherstellung geeignet sind.

2.500 Hobby-Gärtner, Landwirte und Schulklassen aus ganz Deutschland bauten rund 1.000 Sojakreuzungen an, lieferten zahlreiche Daten und sendeten die Ernte zur Analyse ein. Für die zweite Phase des Experiments haben in diesem Jahr rund 1.200 Gärtner Testsoja angebaut, jeder 12 Sojakreuzungen.

In diesem heißen Sommer seien die Unterschiede zwischen den Kreuzungen besonders deutlich geworden, berichtet Martin Miersch, Leiter des Landwirtschaftlichen Zentrums für Sojaanbau und Entwicklung bei Taifun. Während in manchen Reihen die Hülsen begannen, aufzuplatzen, waren andere noch im Blütestadium. Das Positive der Trockenheit: So können auch Selektionskriterien wie das Platzen von Hülsen zusätzlich zu Parametern wie Ertrag, Reifedatum sowie Eiweiß- und Ölgehalte einbezogen werden. Der Fokus liegt auf Sojakreuzungen, welche früh reif sind, damit sie auch in Gegenden mit kürzeren Sommern Hülsen ausbilden, und viel Protein enthalten, was bedeutsam für die Tofu-Herstellung ist. In der Taifun-Labortofurei werden die geernteten Sojabohnen verarbeitet und dem Geschmackstest unterzogen. Wichtig: Die entstehenden Sorten sind frei von Patenten, das Saatgut darf also von Züchtern weiterentwickelt werden. „Das macht uns unabhängig von weltweit agierenden Saatgut-Monopolisten“, betont Dr. Volker Hahn von der Landeszuchtanstalt der Universität Hohenheim.

Revision ZNU-Standard

Nachhaltigkeits- Standards mit Biodiversitäts- Kriterien können Unternehmen helfen, ihren Teil zum Erhalt der Artenvielfalt beizutragen. Die nun veröffentlichte Revisionsfassung des ZNU-Standards Nachhaltiger Wirtschaften umfasst beispielsweise umfangreichere Kriterienund Dokumentationen zu Auswirkungen der Unternehmenstätigkeiten auf die Biodiversität am Standort sowie entlang der Wertschöpfungskette. Der Händler- und Herstellerübergreifende Standard des Zentrums für Nachhaltige Unternehmensführung (Universität Witten/ Herdecke) dient Unternehmen dazu, Schritt für Schritt nachhaltiger zu werden und fordert eine kontinuierliche Verbesserung. In der Revisionsfassung werden aktuelle Themenfelder wie Innovationen und der Beitrag zu den UN-Sustainable Development Goals (SDGs) stärker betont, zudem ist sie nun auch international anwendbar.