Gastro Roundtable Gute Gastgeber gesucht - Gastro Roundtable: Teil 3

Kaum ein neuer Supermarkt kommt heute ohne ein gastronomisches Angebot aus. Dabei bringt die Gastronomie im Handel selten Gewinn, dafür Kundenfrequenz und Verweildauer. Wenn man es richtig macht. Experten diskutieren.

Donnerstag, 14. Dezember 2017 - Management
Reiner Mihr
Artikelbild Gute Gastgeber gesucht - Gastro Roundtable: Teil 3
Bildquelle: Carsten Hoppen

Inhaltsübersicht

Gastronomische Flächen im LEH sind meist morgens und abends ungenutzt. Das sieht kein Händler gern.
Goerzen: Ja, bei uns läuft das von 11 bis 16 Uhr. Vorher und nachher ist die Fläche nicht genutzt.

Möhring: Könnte mehr sein.

Rummler: Weniger kann aber auch mehr sein. Auch mit dem Mittagstisch holen Sie die Leute in den Markt.

Kreuzer: Da kann doch auch anders vorgegangen werden. Das Ganze muss flexibler werden. Warum kann eine Komponente nicht während des Angebotsprozesses verändert werden? Ein gekühltes Frischeprodukt wird dann eben warmgemacht bzw. regeneriert, eine Menükomponente wird zum Convenienceangebot. Damit kann ein Angebot über den ganzen Tag geboten werden. Keine Abschriften!

Goerzen: Machen wir natürlich. Da wird gekocht und für den Kunden eingepackt. Der kann das dann zu Hause warm machen.

Sind Partner für den Händler sinnvoll?
Hauschild: Wir kooperieren mit Segafredo. Das läuft ganz gut. Aber der Händler müsste sich schon jemand holen, der Gastro kann. Das ist in der Regel besser als alleine rumzustochern.

Möhring: Die Frage ist, wer führt? Aber es gibt ja auch gute Köche mittlerweile, die sich entwickeln und auf den LEH einstellen. Wie individuell muss Gastronomie im Handel sein? Ein Konzept zum Ausrollen – gibt es das? Wenn sich Discounter mit Überlegungen zu gastronomischen Konzepten beschäftigen, wird das sicher ein System und ausrollbar sein. Der Vollsortimenter muss sich darauf einstellen, individuell positionieren.

Kreuzer: Klar. Die Möglichkeiten sind groß. Warum gibt es im Handel keine Themeninseln, wo etwa Fisch zur Verkostung angeboten wird mit Convenience-Produkten?

Rummler: Der Standort entscheidet.

Kreutzer: Es kommt halt sehr drauf an. Wer einen McDonald um die Ecke hat, braucht Lösungen!

Goerzen: Wieso? Er kann es doch besser machen.

Ist für jeden Standort dann ein individuelles Konzept nötig?
Rummler: Ja, aber nicht nur. Es muss auch Konzepte geben, die multiplizierbar sind: zum Beispiel eine Salattheke, die schnell von Bedienung auf SB umgebaut werden kann.

Wie muss für das gastronomische Angebot im Handel geworben werden?
Goerzen: Wir nutzen unseren Handzettel. Da werden immer drei Gerichte beworben?

Möhring: Man könnte auch prominente Köche oder lokale Größen nutzen.

Saupe: Ein vielfältiges Angebot ist eine gute Werbung. Für Vegetarier, für Allergiker, öfter mal Innovationen. Das interessiert die Kunden.

Goerzen: Themenwerbung ist auch sinnvoll: In der Federweißenzeit muss es Flammkuchen geben, im Winter Suppen etc.

Gastronomie als Mittel zur Profilierung – aber doch nicht für jeden, oder?
Aumann: Der LEH wird eine bedeutende Rolle in der Gastronomie spielen, weil die Grundvoraussetzungen stimmen: Einkauf, Standort, Logistik. Die Verkäufer haben keine Angst vor Menschen wie der eine oder andere Koch. Wir haben Mitarbeiter, die sich mit Lebensmitteln beschäftigen. Wir haben das Vertrauen bei den Kunden und die Frequenz. Die Frage ist also nicht „Geht das?“ sondern „Wie geht’s und wie schnell?“

Kreuzer: Und daraus ergeben sich ungeahnte Möglichkeiten. Was im LEH gekocht wird, muss ja nicht nur dort verkauft werden. Sondern kann auch in umliegende Betriebe oder auch an Privatpersonen gehen. Dann fahr ich das halt zum Gast bzw. Kunden.