Frei von...:Lukratives Nischen-Geschäft

Bildquelle: Belz

Frei von... Lukratives Nischen-Geschäft

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Die Nachfrage nach gluten- und laktosefreien Produkten wächst. Neue Industriemarken und Private-Label-Produkte sorgen für Schwung im Segment „frei von“.

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Rund elf Jahre hat es gedauert, bis der deutsche Lebensmittelhandel es den Vorreitern Sainsbury’s, Tesco und Co. gleich getan und eine eigene Produktlinie für Lebensmittelallergiker in die Regale gebracht hat. Das Engagement in Sachen gluten- und laktosefreie Sortimente ist in den vergangenen Jahren hier zu Lande stark gewachsen. Immer mehr Industriemarken erobern die Regale des Handels, Absatz und Umsatz wachsen zweistellig. Auch 2012 setzt sich die positive Entwicklung weiter fort. So legte die Kategorie Glutenfrei nach Informationen von Nielsen im ersten Quartal 2012 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um rund 14 Prozent auf 12,2 Mio. Euro zu (LEH+DM über 100 qm). Auch der Markt für laktosefreie Produkte wächst laut Nielsen dynamisch. Der Marktanteil von laktosefreier H-Milch beispielsweise liegt mittlerweile bei 6,1 Prozent.

Kompetenz durch Handelsmarken
2001 startete Sainsbury's als erstes Handelsunternehmen mit einer "Free from"-Eigenmarke. Es folgten Tesco (2002), Coop Schweiz (2006) und Spar Österreich (2009), im April 2012 die Rewe.

„Vor allem Verbraucher- und Drogeriemärkte entwickeln sich zunehmend zu Kompetenzzentren für glutenfreie Lebensmittel. Sie decken den Löwenanteil des Gesamtumsatzes bei glutenfreien Produkten ab. Neben den klassischen Vertriebskanälen werden glutenfreie Produkte auch online zunehmend verkauft“, so Nielsen-Food-Experte Enrico Krien. Für die stationären Anbieter ergäben sich weiterhin erhebliche Wachstumsreserven, beispielsweise durch den weiteren Distributionsausbau. Potenzial verspreche auch weiterhin das Segment Laktosefrei. Zu diesen Produkten griffen nicht nur Verbraucher mit nachgewiesener Laktoseintoleranz, sondern auch immer mehr „Normalverbraucher“. Voraussetzung für den erfolgreichen Abverkauf seien allerdings ein überzeugendes Angebot und kompetente Beratung sowie kommunikative Unterstützung, rät Krien.

Mehr Kompetenz will der Handel z.B. durch die Erweiterung des Angebots um Produkte aus eigener Herstellung beweisen. Den Anfang machte im vergangenen Jahr bereits Globus. Das saarländische Unternehmen bietet seit Mai 2011 glutenfreie Backwaren aus eigener Herstellung an. Doch erst jetzt wagte sich mit der Rewe der erste deutsche Lebensmittelhändler mit einer Eigenmarke „Rewe frei von“ auf den Markt. Die Kölner bieten seit April rund 30 gluten- und laktosefreie Basis-Produkte an. Fest steht schon jetzt: die Linie soll weiter ausgebaut werden.