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Snacks Kleine Happen mit stark mobilem Charakter

Dieter Druck | 07. Mai 2012

Snacks erfahren derzeit im deutschen Handel starke Beachtung. Neue Konzepte und Anbieter sind auf dem Weg.

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Die schnelle Mahlzeit ergänzt den schnellen Einkauf. Damit passt sie zum Einkaufsverhalten der jüngeren Generation. Die Gruppe verspürt laut GfK-Shopping-Studie im Alltag besonderen Stress, und das in allen Lebenslagen. Die tägliche Termin- und To-do-Liste ist bis zum Anschlag vollgepackt. Das lässt wenig Zeit zur geregelten Nahrungsaufnahme, geschweige zum Einkauf. Die Folge: In den vergangenen fünf Jahren ist die durchschnittliche Anzahl der Einkaufsakte bei den jüngeren Altersgruppen um 16 Prozent gesunken.

Dabei kristallisiert sich die Nähe der Einkaufsstätte als zusätzliches Kriterium heraus. Das heißt, jüngere Käufergruppen verstärken die Nachfrage im Nahbereich. Das heißt aber nicht, dass zwangsläufig die flächendeckend verbreiteten Discounter angesteuert werden.

Im Gegenteil, die Jüngeren bevorzugen laut GfK eher Super- und Verbrauchermärkte, u. a. auch, weil sie hier vorportionierte gekühlte Gerichte/frische Snacks für die Mittagspause finden. Und die sollten möglichst noch im Gehen zu verzehren sein. Der Discount muss also gegensteuern, will er nicht eine lukrative Zielgruppe links liegen lassen.

Das Thema wird zur Zeit in allen Handelszentralen gewälzt bzw. es werden Konzepte getestet. „Jeder probiert etwas, aber keiner weiß so richtig, wohin die Reise geht“, sagt ein Branchenkenner.

So sind bei Netto beispielsweise jetzt Kühlregale im Umfeld der Kasse anzutreffen, bestückt mit Soft-Drinks und Snacks. Penny ist im Zuge der Neuausrichtung auch mit Kühlaggregaten für den schnellen Einkauf unterwegs, Schwerpunkt sind Backwaren-Snacks. Mehr als 250 Märkte sollen schon damit ausgestattet sein. Und bei Real laufen derzeit Tests mit Kühlmöbeln für Sandwiches/Baguettes im Umfeld des klassischen Brotregals.

Insgesamt findet das Segment der gekühlten Backwaren offensichtlich große Beachtung. Insbesondere das Potenzial für Sandwiches scheint bei Weitem noch nicht ausgeschöpft. Wo in Nachbarländern zwei Regalmeter belegt werden, sind hierzulande oftmals nur zwei Facings zu sehen. Aber die Herstellerseite registriert ein allgemein steigendes Interesse und Differenzierungsansätze über Vielfalt, saisonale Angebote und Eigenmarke.


Ein discount- und preisgetriebenes Segment im wertschöpferischen Aufwind? Neue Impulse will Mike’s Food dem deutschen Sandwich-Markt geben. „Die Umsätze des typischen Dreiecks-Sandwiches werden nicht weiter zulegen, der Markt braucht Innovationen“, sagt Marion Wolbeck, Vertriebsleitung/Marketing. Einen Trend haben die Hamburger schon ausgemacht und hierzulande umgesetzt: „Rustikale Brote, beispielsweise Dinkel- oder Kartoffelbrot, leicht, gesund und frisch belegt.“ In Frankreich und England bestehe dieser Trend schon etwas länger. Präsentiert werden die Produkte in der sogenannten Square-Box, die auf einer Seite offen ist und so der Kunde die Ware sehen kann. Weitere Impulse sollen von Finger-Food-Varianten wie Mini-Wraps und -Broten ausgehen. Und auch auf „Hot Snacks“ wird bei Mike’s Food gesetzt: Herzhaftes Brot dick belegt, wandert für 30 bis 50 Sekunden in den Kontaktgrill und wird dann sofort verzehrt.

Kein neuer Anbieter aber ein neues Angebot: Bei den gekühlten Snacks mischt jetzt Ibis mit. Zum 24-Stunden-Konzept der Aachener zählen neuerdings Frischeprodukte für den Verzehr rund um die Uhr, u. a. Baguettes (drei Sorten) und Sandwiches (vier Sorten). Derzeit laufen noch Gespräche mit den Handelsunternehmen. Erste Listungen bestehen und ab Juni werden dort die Produkte mit zehn Tagen Restlaufzeit in den Regalen stehen. „Ein vergleichsweise noch unstrukturierter Segment, das aber großes Potenzial verheißt“, urteilt Sales Manager New Channels, Oliver Mathar. Er bestätigt aktuell großes Handelsinteresse.

Ein junges Angebot sind auch die Goshis. Der Name ist abgeleitet von Sushi to go. Sie werden von Goshi Foods in Hamburg in Kooperation mit LSG Sky Chef produziert. Anders als das klassische Algenblatt bei Sushi dient hier ein getrocknetes Gemüse-/ Obstblatt als Hülle. Es folgt eine Schicht oder Matte mit gewürztem Sushi-Reis sowie ein Kern aus Geschmack gebender Komponente und Füllung. Die verspricht neue Erlebnisse am Gaumen. Dazu gibt es einen Dipp. Absatzstärkste von derzeit acht Varianten, dazu kommen noch saisonale Angebote, ist Bolognese.

Etwa zehn Scheiben machen einen Normalbürger satt. Sie sind für 7,90 Euro plus Liefergebühr zu haben und werden über einen Express-Service nach Eingang der Bestellung (Telefon oder Internet) am darauffolgenden Tag zwischen 8 und 12 Uhr bundesweit unter Einhaltung der Kühlkette von Dienstag bis Freitag ausgeliefert. Anlaufpunkte sind Büros, Privathaushalte und Anlässe bieten z. B. Business-Lunch, Parties und Messeveranstaltungen. Nach Lieferung beträgt die Restlaufzeit noch zwei Tage. „Aber je frischer sie verzehrt werden, umso saftiger ist der Reis und intensiver der Geschmack“, erklärt Frank Möller, der zusammen mit Marc Pfeifferling die Geschäfte des Start-up führt. Beide präferieren weiterhin den Direktversand, suchen aber auch nach Absatzalternativen. Die „europäische Interpretation von Sushi“ ist stationär in Hamburg beim Edeka-Markt Böcker in der Hafen-City präsent. Möller ist aber offen für weitere Kooperationen, insbesondere mit s elbstständigen Händlern.


Ebenfalls in Hamburg stand die Wiege der Wichy’s . Das ist ein dreieckiges Sandwich, bei dem eine Lage Sushi-Reis im Nori-Algenblatt die Brotscheibe ersetzt. Leicht, gesund, gluten- und laktosefrei sowie lifestylig beschreiben die beiden Gründer von „Mjam Modern Food Collection“ , Sascha Jürgens und Lars Schwenk, ihr Produkt. Produziert wird in einer kleinen Manufaktur am Hamburger Fischmarkt. Der Stückpreis im Markt liegt bei rund 2,50 Euro. Die Restlaufzeit im Laden beträgt drei Tage, aber empfehlenswert aus geschmacklicher Sicht sind maximal zwei Tage. Sonst wird wie bei den Goshis der Reis zu trocken und bröckelig. Optimale Geschmacksentfaltung gibt es bei Zimmertemperatur. Neben der direkten Online-Bestellung sind die Wichy’s auch bei ausgesuchten Edeka- und Rewe-Händlern in Hamburg und beim Kaufhaus Lestra in Bremen zu finden.

Eine zusätzliche mobile Komponente bieten die Sushipopper , die in USA und Großbritannien derzeit sehr gefragt sind. Die Sushi-Rollen sind in einer runden Hülse mit einem Boden, der über einen Stiel nach oben geschoben werden kann. Dabei tritt der Inhalt zutage und kann stückchenweise ohne Besteck verzehrt werden. Kreativität kommt an, insbesondere wenn noch etwas Lifestyle mitschwingt. Das Thema „Schnelle Mahlzeit“ ist also längst noch nicht gegessen.


Bedienung bringt mehr
Edeka-Kaufmann Volker Kels zum Außer-Haus-Verzehr und den Möglichkeiten, die dieses Angebot beinhaltet.

Take-away – ein Thema, an dem man nicht vorbei kommt?

Take-away, schnelle Mahlzeit oder auch Außer-Haus-Verzehr sind Basis für Wachstums- und Differenzierungskonzepte im Supermarkt. Für uns ist das einer der zentralen strategischen Ansätze, der weiter an Bedeutung, auch in puncto Wertschöpfung, gewinnt. Und das Beispiel Niederlande zeigt, welche Möglichkeiten sich noch offenbaren.

Gilt das für alle Standorte?

Nein, ich denke dass hochfrequente Standorte für solche Angebote prädestiniert sind. Auch die Kundenstruktur spielt sicherlich eine Rolle, zum Beispiel der Anteil von Single-Haushalten.

Wie partizipieren Sie am Wachstum des Außer-Haus-Verzehr?

Das stärkste Format ist in unseren beiden Märkten das vorgelagerte Bistro, das den hungrigen Kunden, der sofort etwas essen möchte, anspricht. Besonders das Frühstück ist gefragt. Vor allem an Samstagen gehört es für viele zum Einkauf dazu.

Was läuft bei Edeka Kels in der Cabrio-Truhe im Umfeld O & G?

In erster Linie Obst-Convenience aus eigener Produktion, aber auch Frischemenüs verschiedener Hersteller, die an diesem Platz deutlich schneller drehen als aus dem Regal heraus. Sushi, Baguettes oder Sandwiches in SB haben bei uns keine Bedeutung, auch wegen der Bäckerei und der heißen Theke bei Fleisch sowie Fisch. Bedienung bringt mehr.

Wie ist das mit der Eigenproduktion?

Für uns ist die eigene Herstellung essenziell, auch unter dem Aspekt der Ultrafrische, und wir planen weitere Produkte, z. B. frische Säfte, einzubeziehen.