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Festtagsprodukte Alle Jahre wieder?

Dieter Druck | 26. August 2020
Festtagsprodukte: Alle Jahre wieder?
Bildquelle: Getty Images

Die Festtage sind die umsatzstärksten im LEH. In diesem Jahr können corona- bedingte Unwägbarkeiten wirksam werden. Der Druck auf die Fläche, insbesondere bei den Zweitplatzierungen, ist enorm.

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Von wegen „Alle Jahre wieder“. Das kommende Weihnachts- und Silvestergeschäft wird anders sein. Im Vorfeld gibt es noch viele Unwägbarkeiten. Bis zum Lockdown. Im Vergleich zu anderen Einzelhandelsparten, dort herrscht die Einstellung vor, dass nur ein ordentliches Weihnachtsgeschäft sie noch retten kann, regiert in der Ernährungsbranche verhaltener Optimismus. Der wird getragen von der Erfahrung, dass der „kleine Luxus“ die starke Preisorientierung aufweicht und man „sich etwas gönnt“.

Die Marktforscher von Nielsen bestätigen, dass die Verbraucher zu Weihnachten mehr Lebensmittel und Konsumgüter als sonst im Jahr kaufen und dabei weniger aufs Geld schauen. Aber noch sind die wirtschaftlichen Folgen von Corona und die Angst vor einem drohenden zweiten Lockdown mit weiteren Einkommensverlusten nicht zu bestimmen. Aktuell besteht die Hoffnung in der Nahrungsmittelbranche dass die Konsumlaune zu Weihnachten weitgehend erhalten bleibt. Immerhin verbinden laut Nielsen 97 Prozent der Verbraucher Weihnachten mit „gutem Essen“. Das ist der zentrale Punkt.

Davon gehen auch die Feinkost-, Getränke- und Süßwarenhersteller sowie der Lebensmittel-Handel aus, der seinerseits die Premium-Eigenmarken in Position bringt. Auch der in der Krise wieder stärker frequentierte heimische Herd ist ein Hoffnungsträger. Selberkochen im Familienkreis ist angesagt. Es soll etwas Besonderes auf den Tisch kommen und das reichlich.

Ein Kandidat dafür ist der Räucherlachs/Lachs. „In den kühleren Monaten und vor allem zu den Festtagen hin zieht es Konsumenten auf der Suche nach besonderen Genusserlebnissen verstärkt an die Fischtheke“, weiß man bei Deutsche See in Bremerhaven aus Erfahrung. Als neue „Köder“ sind ab Oktober der Lachswürfel „Trüffel Creme fraiche“ und die Rauchgarnele „Trüffel“. Aufgrund des wachsenden Wunsches nach kleineren Verkaufseinheiten bietet Deutsche See die eingeführten Räucherlachs-Varianten Haselnuss-Orange, Wildkräuter-Lachs und Thai-Lachs zusätzlich als halbe geschnittene Seite an.

Impulse für stationären Handel
Das Thekensortiment der Feinkostsalate unter Beeck steht da nicht zurück. Insbesondere zum Jahresende gelte es, den Kundenanspruch nach jahreszeitlich passenden Produkten zu bedienen. So kehrt ab September der Forellen-Schwarzwurzelsalat in die Theke zurück. Auch das Segment SB-Räucherlachs ist laut Unternehmenssprecher Andreas Kremer gut angelaufen und werde zum Jahresende mit neuen Rezepturen erweitert.

„Durch Corona hat unser Online-Geschäft Zuwachs erfahren bei den unterschiedlichsten Artikel. In der Weihnachtszeit erwarten wir dennoch wieder vermehrt Impulse für den stationären Handel“, sagt Marc Frielingsdorf, Geschäftsleitung Marketing & Vertrieb bei Wolfram Berge Delikatessen. Dort stehen zum Jahresendgeschäft drei Segmente im Fokus: Das sind zum einen die zehn „Das Original“ Tessiner Fruchtsenfsaucen, die originär zu Käse passen , aber auch zu Fleisch, Fisch und Wurst. Zweiter Festtagsartikel ist die Honig-Dill-Senf-Sauce, die durch die verstärkte Nachfrage nach Fisch einen zusätzlichen Schub erfährt. Drittes Fokussortiment sind die Gourmet-Saucen, die vor allem zu Raclette und Fondue passen. Neu ist hier die Ingwer-Sauce mit stückig-flüssiger Konsistenz, als Begleiter beispielsweise zu Sushi und Fischplatten. Ein anderer Ansatz sind versaisonalisierte Produkte, in diesem Jahr beispielsweise ein Trio von weihnachtlichen Aufstrichen – das Weihnachtsgelee, Punsch-Aufstrich und Weihnachtskonfitüre. Für die Absatzförderung werden Fruchtsenf- und Gourmet-Saucen in Zweitplatzierungen angeboten, die im Thekenumfeld ihren Platz finden sollten. Begleitende Verkostungen wie in den Vorjahren fallen allerdings flach.

Für Rila Feinkost-Importe ist Weihnachten ein „Sondereffekt“ für Produktgruppen der feinen Küche mit den Marken Jürgen Langbein und Johann Lafer. Beispielsweise werden bei Fonds in diesem Zeitraum „relevante Absätze“ realisiert, berichtet Holger Wankelmann, Geschäftsführer Vertrieb & Marketing. ker in Stemwede. „Gleichzeitig verzeichnen wir aber auch in anderen Genusssortimenten deutliche Absatzanstiege“, fügt er an.

Treibende Kräfte Bio und vegan
Im Jahresverlauf habe Rila bereits vor Corona ein Absatzplus über alle Marken und Sortimentsbereiche verbucht. Durch Corona kam ein zusätzlichen Schub, insbesondere bei Produkten für die Bevorratung wie Konserven und Teigwaren. Und die generell gute Entwicklung setze sich bis heute fort. Dies basiert für Wankelmann in erster Linie auf dem Re-launch nahezu aller Marken entsprechend den Erkenntnissen der Rila „Fernkost-Studie“. Hervor hebt er die Marke Lien Ying, sie steht für asiatische Produkte, und Bio Rinatura, die mit den Clustern Daily Green, Foodie Lifestyle und Plant Power geradezu einen Boom erfahren würden. Spezielle Zweitplatzierung für das Jahresendgeschäft bietet Rila für Premium-Fonds von Johann Lafer, Gourmet-Fonds unter Jürgen Langbein sowie innovative Suppen unter Langbein`s Daily Meal sowie Gewürze von Ankerkraut an.

Vergleichbar sind die Erfahrungen und Einschätzungen bei Feinkostanbieter Dunekacke & Wilms. Ein Feinkost-Importsortiment mit mehr als 800 Artikeln aus 30 Ländern bietet aus Sicht von Geschäftsführer Holger Entrich ausreichend Potenzial, um Besonderes für Weihnachtsessen und -präsente mit den Handelspartnern individuell zusammenzustellen. Allerdings sei die Vorstellung neuer Produkte bedingt durch Corona leider sehr eingeschränkt. Dennoch werden neben den Saison-Klassikern hochwertige Fisch-Spezialitäten, Trüffel- und Gänseleberspezialitäten sowie ausgewählte Olivenöle und Essig-Spezialitäten angeboten. Zu den Wachstumssegmenten bei Dunekacke & Wilms zählen unter anderem, die veganen Produkte sowie Bio-Artikel und Premiumartikel mit erstklassigen Zutaten.

Kampf um Zweitplatzierungen
Importhaus Wilms setzt auf die Sparten Feinkost mit Produkten die beim Kochen, Backen und Verfeinern von Festtagsgerichten verwendet werden. Das sind zum Beispiel Fonds und Saucen von Lacroix, Senfvarianten von Maîlle, Meerrettichprodukte von Koch sowie die große Auswahl an Premium-Olivenölen. Einen weiteren Schwerpunkt bilden hochwertige Frühstücksprodukte, die bevorzugt in der Adventszeit und zu den Feiertagen auf den Tisch kommen. Darbo, Chivers und Brinkers sind hier die Marken für besondere Marmeladen und Brotaufstriche. Die dritte Kategorie sind Snacks und Süßwaren, beispielsweise mit Kettle Chips und Baileys Chocolate.

Jörg Saalwächter, Marketingchef beim Importhaus Wilms, erwartet, dass nach den pandemiebedingten Einschränkungen und einem dadurch verändertem Einkaufsverhalten der Wunsch nach Einkaufserlebnis und dem Besonderen die Kunden wieder verstärkt in den stationären Handel führt. Der steht vor der Herausforderung, die Flut von Zweitplatzierungen zu managen, da sich nach zwei „erlebnisarmen“ Quartalen, kein Hersteller Zurückhaltung auferlegt. Und auch die rückläufige Einkaufsfrequenz erhöht den Druck, zur stärkeren Differenzierung. Möge der Wunsch nach wiederkehrender Normalität in Erfüllung gehen.