Obstbau Obstgroßmarkt Mittelbaden sucht Wege aus der Krise

Vor dem Hintergrund eines Jahresfehlbetrags von 1,75 Millionen Euro will der Obstgroßmarkt Mittelbaden seine Zukunft sichern. Investitionen, eine engere Zusammenarbeit mit Frutania und neue Strukturen sollen den Standort Oberkirch stärken.

Dienstag, 13. Oktober 2026, 14:07 Uhr
Thomas Klaus
In der vergangenen Apfelsaison hat die OGM neben den eigenen Äpfeln über 5.700 Tonnen Fremdware gelagert und sortiert. Bildquelle: Marc Gaillet

Der Vorstand will die Genossenschaft Obstgroßmarkt Mittelbaden (OGM) gezielt weiterentwickeln. Während der Generalversammlung stellte er die nächsten Schritte vor. Hintergrund ist die schwierige wirtschaftliche Situation der Genossenschaft mit Sitz in Oberkirch in der Ortenau, einem der wichtigsten Obstanbaugebiete Deutschlands. Das Geschäftsjahr 2025 schloss die Genossenschaft bei einem Umsatz von 23,4 Millionen Euro mit einem Jahresfehlbetrag von 1,75 Millionen Euro ab.

Während der OGM-Generalversammlung berichtete Vorstandsvorsitzender Martin Bähr, dass Beerenobst im Geschäftsjahr 2025 mehr als die Hälfte des Gesamtumsatzes beigetragen habe. Innerhalb dieser Kulturgruppe entfiel wiederum mehr als die Hälfte des Umsatzes auf Erdbeeren.

Die Erdbeersaison verlief nach Darstellung von Bähr weitgehend reibungslos: Bei einem Mengenzuwachs von 1,1 Prozent stieg der Umsatz um 562.000 Euro beziehungsweise 11,7 Prozent. Der Erlös je Kilogramm lag um 0,37 Euro über dem Vorjahreswert.

Auch beim Steinobst war laut Bähr eine erfreuliche Umsatzentwicklung zu verzeichnen. Insbesondere die gestiegenen Preise für Zwetschgen sowie Brenn- und Industriekirschen trugen dazu bei, dass der Umsatz um 13 Prozent auf 5,2 Millionen Euro gesteigert werden konnte. Dies sei umso bemerkenswerter, als die vermarktete Menge lediglich um 2,2 Prozent über dem Vorjahresniveau gelegen habe.

Investitionen in die Leistungsfähigkeit

Unterschiedlich fiel die Entwicklung bei den weiteren Kulturen aus. Bei den Strauchbeeren stand einem leichten Mengenplus ein Umsatzrückgang von 157.000 Euro gegenüber. Ausschlaggebend war nach Einschätzung der OGM vor allem der bundesweite Mengendruck bei Johannisbeeren, der zu einem Preisrückgang von 0,69 Euro je Kilogramm geführt habe.

Beim Kernobst sank die Menge um mehr als 40 Prozent; der Umsatz ging um 48 Prozent auf knapp 3,2 Millionen Euro zurück. Hier wirkten sich die geringen Bestände aus der Ernte 2024 sowie geringere Vermarktungsmengen und niedrigere Preise im Herbst 2025 aus.

Die OGM hat zugleich in ihre Leistungsfähigkeit investiert. Für die Apfelsortieranlage wurden Kameratechnik und Software im Wert von mehr als 400.000 Euro modernisiert. In der vergangenen Apfelsaison wurden neben den eigenen Äpfeln über 5.700 Tonnen Fremdware gelagert und sortiert. Die zusätzliche Auslastung stärke die Nutzung der vorhandenen Anlagen, hieß es.

Eine geplante Photovoltaikanlage mit Stromspeicher für den Eigenbedarf soll künftig die Energiekosten dauerhaft senken.

Enge Zusammenarbeit mit Frutania

Rückläufige Anbauflächen und Vermarktungsmengen belasten die Genossenschaft. Dies wurde auf der Generalversammlung thematisiert. Vorstand und Aufsichtsrat haben für 2026 trotz der negativen Ausgangslage auf höhere Marktgebühren verzichtet.

Für eine nachhaltige Stabilisierung seien weitere strukturelle Verbesserungen erforderlich. Mit Frutania will sich die OGM am Standort Oberkirch für Annahme, Sortierung, Verpackung und Logistik weiterentwickeln. Vorgesehen ist der Verkauf eines Teils des Betriebsgeländes an den Vermarktungspartner. Die OGM soll als eigenständige Genossenschaft mit gesicherter Warenannahme fortgeführt werden. Gemeinsame Ressourcennutzung, aufeinander abgestimmte Produktions- und Logistikabläufe sowie Automatisierung sollen Kosten senken und die Auslastung verbessern.

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