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Warsteiner Das Sorgenkind der Braubranche

Tobias Dünnebacke | 20. Februar 2018
Warsteiner: Das Sorgenkind der Braubranche

Warsteiner verliert weiter stark an Absatz. Entlassungen und Investitionen sollen laut der neuen Vertriebs- und Marketingchefin Alessandra Cama den einstigen Riesen wieder auf Spur bringen.

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Nicht alle werden es mitbekommen haben: Kurz vor Weihnachten gab der Warsteiner-Konzern bekannt, dass der Marketing- und Vertriebsgeschäftsführer Martin Hötzel das Unternehmen auf eigenen Wunsch verlassen hat. Für manchen Branchenbeobachter kam diese Personalie überraschend, denn der seit 2014 im Unternehmen agierende Hötzel hatte noch im September das sogenannte „Zukunftsprogramm“ für die strauchelnde Brauerei eingeleitet. Seine Ressorts übernimmt ab sofort Alessandra Cama, Geschäftsführerin auf dem neu geschaffenen Posten für Strategie und Unternehmensentwicklung, zusätzlich zu ihren bisherigen Aufgaben in Personalunion. Die Deutsch-Italienerin war zuletzt bei der GfK, wo sie die Position „Chief Operations Officer“ inne hatte. Außerdem sammelte sie bei den Beratern von Roland Berger Erfahrung. Mit Zahlen kennt sich die neue Geschäftsführerin also aus, aber kann sie auch Bier verkaufen?

Massive Einschnitte beim Personal – und trotzdem Wachstum?
Um diese Frage zu beantworten, sollte man Cama die nötige Zeit lassen. Der Bereinigungsprozess, den sie jetzt verwalten muss, hat es allerdings in sich: In der gesamten Gruppe werden 240 Arbeitsplätze abgebaut. Bezogen auf die insgesamt 1.500 Vollzeitstellen ist das etwa jeder sechste Arbeitsplatz. Am Stammsitz in Warstein sind rund 100 Mitarbeiter von den Maßnahmen betroffen. Es gibt aber auch eine positive Botschaft: Das „Zukunftskonzept“, das mit den Beratern von Roland Berger erarbeitet wurde, sieht Investitionen von 250 Millionen Euro in den nächsten fünf Jahren vor. Eine finanzielle Notlage gebe es nicht, erklärt Warsteiner-Finanzchef Carsten Rockholtz dem „Handelsblatt“. „Wir haben mehr als 50 Prozent Eigenkapitalquote und eine sehr hohe Liquidität“, erläutert er. „Wir sind finanziert und können die Investitionen aus dem tätigen, was wir erwirtschaften werden und bereits an Reserven haben.“ Bei den geplanten Investitionen gehe es um die Modernisierung der Technik.

Fokus auf Stammmarke - Herforder steht zum Verkauf
Strategisch soll der unternehmerische Fokus künftig wieder auf der Bier-Stammmarke Warsteiner liegen. Teil dieser Ausrichtung ist auch der geplante Verkauf der Herforder Brauerei, falls in absehbarer Zeit kein Investor einsteigt. Außerdem stehen vier Getränkefachgroßhandels-Ketten sowie zehn Getränke-Abholmärkte zur Disposition.

Warsteiner war in den 1990ern zu Deutschlands größter Biermarke aufgestiegen, hatte zu Glanzzeiten einen Ausstoß von 6,3 Millionen Hektoliter. 2017 lag der Absatz um 4,7 Prozent unter dem des Vorjahres. 2,15 Millionen Hektoliter verkaufen die Sauerländer noch von ihrer Pils-Marke. Das alkoholfreie Segment legte mit plus 12,5 Prozent ein Wachstum hin. Regionalmarken wie Paderborner Gold, Isenbeck und Weissenburg entwickelten sich ebenfalls positiv. Beide Trends spiegeln den nationalen Mark wieder. Größere Marken im Portfolio neben Warsteiner sind König Ludwig, Paderborner und Frankenheim.